# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1859_S375 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der evangelische Oberkirchenrath und die evangelische Kirchenzeitung. 375 ausgesprochen werden, ohne die gründlichste Gewissensuntersuchung, ob man nicht selbst zu der traurigen Nothwendigkeit zwischen göttlicher und menschlicher Auctorität unterscheiden zu müssen Veranlassung gegeben. Wäre dies der Fall, so würde die evangelische Kirchenzeitung statt herben Tadels Dank verdienen dafür, daß sie bemüht gewesen, den Folgen solcher Verirrung Schranken zu setzen und also die Verantwortlichkeit zu mindern. Bei einem Blatte, wie die evangelische Kirchenzeitung, sollte man übrigens mit dem Vorwurfe revolutionärer Tendenzen, zu dem am wenigsten solche berechtigt sind, die vor einigen Monaten noch in der Opposition standen, und zwar in einer sehr erregten Opposition (die Stellung, welche das politische Wochenblatt gegen das frühere Ministerium einnahm, ist Allen noch im frischen Andenken), nicht gleich bei der Hand sein. Sie hat das Gegentheil solcher Gesinnungen in Zeiten an den Tag gelegt, wo es schwerer war als jetzt. Sie ist mit muthigem Zeugniß gegen das revolutionäre Gebahren gleich nach den Märztagen hervorgetreten und hat dies allwöchentlich wiederholt, so lange die Crisis dauerte. Sie hat z. B. unter dem 21. Juni 1848, also in den Tagen des Zeughaussturmes, gesagt: „Der größte deutsche Fürst kann in seiner eignen Hauptstadt nicht mehr sicher wohnen. Der Thronfolger ist beschimpft und gelästert, aus dem Lande gewichen. Des Königs Minister haben mit Volkshaufen, von Literaten und Demagogen angeführt, unterhandelt, ob er zurückkommen dürfe, während ein Schrei der Schaam, des Abscheus und des Entsetzens die Provinzen durchzuckte, bis er endlich als „Deputirter von Wirsitz“ in der „Constituante“ einen Augenblick Gehör gefunden hat, um sogleich wieder abzutreten. — Soll keine Reaction stattfinden gegen die Frevel, die des Prinzen von Preußen Ehre und Eigenthum angetastet haben?“ Das war damals ziemlich die einzige Stimme, die sich in solcher Weise öffentlich vernehmen ließ. Wir haben uns seitdem nicht geändert. Es ist derselbe Geist der Treue, in dem wir damals für das königliche Haus auftraten und in den wir uns jetzt für die Ehre unseres himmlischen Königes erheben. Man strebe nicht darnach, diese Treue, wenn sie momentan dem einen oder dem anderen „constitutionellen“ Minister oder dem evangelischen Oberkirchenrath unbequem ist, im Lande zu knicken und zu brechen. Es können, ja es werden Zeiten kommen, wo man ihrer wieder ebenso dringend bedarf, wie im Jahre 48, in dem die treuen Pastoren unendlich viel für die gute Sache gethan haben, nächst dem Heere das Meiste. Es ist neulich im Abgeordnetenhause gesagt worden: „worauf man sich stützen soll, das muß Widerstandskraft haben,“ das wende man auch auf unsere „Partei“ an, wenn man uns einmal eine Partei nennen will, auf uns, deren höchstes Streben dahin geht, festgewurzelt zu sein in dem gesammten Worte Gottes, in Dem, der von diesem Worte bezeugt, und in der Kirche, die auf dieses Wort gegründet ist. Wir wurden vor dem Jahre 48 einmal von hoher Stelle die „Allzutreuen“ genannt. Durch dieses Jahr aber wurde der Werth einen Mann, dessen Namen in der Versammlung einen „guten Klang“ hatte, würde sich der Herr Minister solches nicht erlaubt haben.