# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1859_S374 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 374 Der evangelische Oberkirchenrath und die evangelische Kirchenzeitung. chen folgt die Heerde besser, als allen Treibern.“ Freilich wenn man der Ermahnung: werdet Vorbilder der Heerde, nicht folgt, wenn man daher die freien Sympathien der Kirche nicht auf seiner Seite hat, liegt die Versuchung gar nahe, daß man den Gehorsam für seine Anordnungen erzwingen will. Das ist die Genesis des furchtbaren Uebels der kirchlichen Büreaukratie, vor dessen Wiederkehr uns Gott in Gnaden bewahren möge! Was ist denn der letzte Grund der strengen Scheidung zwischen der Leitung der Kirche und der bürgerlichen Obrigkeit, welche die Schrift und nach ihr die Kirche aufstellt? Er liegt in dem Worte, welches derjenige, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden, kurz vor seinem Scheiden gesprochen hat: „ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Das Königthum, welches Christus sich vor Pilatus beilegt, Joh. 18, 37., ist kein bloßer Name, kein leerer Schemen, ist das allerrealste. Er lebt und regiert in seiner Kirche in Ewigkeit. Wo nur zwei oder drei in ihr versammelt sind in seinem Namen, da ist er mitten unter ihnen. Er wandelt mitten zwischen den sieben güldenen Leuchtern, wodurch die Gemeinden auf Erden bezeichnet werden, stets bereit zu lehren, zu mahnen, zu strafen, zu helfen. Er steht vor der Thür und klopfet an. So jemand seine Stimme höret und die Thür aufthut, zu dem geht er ein und hält das Abendmahl mit ihm. Mit den Abtrünnigen aber kriegt er durch das Schwert seines Mundes und über die Lauen und Todten kommt er wie ein Dieb. Er hat in seiner Kirche wohl Werkzeuge und Diener seiner Herrschaft, aber keine Stellvertreter, keine solchen, die sich zwischen ihn und seine Unterthanen stellen dürfen, keine, denen man aufs Wort glauben, denen man ohne Weiteres gehorchen muß. Von Stephanus heißt es, als er vor dem hohen Rathe gerichtet wurde und die Mitglieder desselben die Zähne über ihn zusammenbissen: „Als er aber voll Heiligen Geistes war, sahe er auf gen Himmel, und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesum stehen zur Rechten Gottes und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen.“ Stephanus repräsentirt hier die Kirche, sie ist nur insoweit Kirche, die wahrhaftige Vereinigung der Gläubigen mit dem in ihrer Mitte gegenwärtigen Herrn, als sie in dieser Beziehung in seinen Fußstapfen einhergeht. Wenn einer geistlichen Behörde irgend die Augen aufgethan werden, daß sie Jesum stehen sieht zur Rechten Gottes, so wird ihr die Selbstbezeichnung als Obrigkeit auf den Lippen ersterben. Wenn im Einklange mit dem Hochw. evangelischen Oberkirchenrath auch der Herr Minister des Cultus in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 8. April mit Beziehung auf die evangelische Kirchenzeitung von jenem „antirevolutionären, echt revolutionären Fanatismus“ geredet, wenn er in einer späteren Sitzung uns der „Auflehnung gegen die geordneten Auctoritäten in Kirche und Staat“ geziehen hat*), so sollten so harte Vorwürfe gewiß nie *) Die Aeußerung: „Dieses Gebahren glaube ich züchtigen zu müssen,“ notiren wir bloß. Sie zeigt, wie nahe die Gefahr liegt, das Maß zu überschreiten, wenn man im Thore seine Hülfe sieht, wenn man sicher ist, die Majorität auf seiner Seite zu haben. Gegen