# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1859_S373 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der evangelische Oberkirchenrath und die evangelische Kirchenzeitung. 373 einen geschaarten „Söhne der Propheten“. Da die legitimen Auctoritäten in der Kirche die Bahn der Wahrheit verlassen hatten, trat Luther auf und sagte ihnen an der Spitze freier Vereinigungen seiner Anhänger kühn ins Angesicht: „Ich habe meine Lehre erhalten von einem, der mehr vermag in seinem kleinen Finger, denn tausend Päpste, Könige, Fürsten und Doctoren, sie sollen sie mir auch lassen bleiben ewiglich.“ Es ist eine große Sache, um die legitimen Auctoritäten in der Kirche. Es würde aber heißen mit ihnen Götzendienst treiben, wenn man die Kirche auch dann, wenn sie irregehen, zum Schweigen verurtheilen wollte. Wir müssen aber besonders noch das ins Auge fassen, daß der Erlaß mit so nachdrücklicher Betonung von einem „Anstürmen gegen die Obrigkeit“, einer Auflehnung gegen die „von Gott geordneten Obrigkeiten“ redet ꝛc., wobei das Kirchenregiment und das bürgerliche unter dem gleichen Namen zusammengefaßt wird. Die Kirche hat stets Bedenken getragen, die bürgerliche Obrigkeit und das Kirchenregiment unter gleichem Gesichtspunct zu stellen und mit demselben Namen zu bezeichnen. Sie redet von einem magistratus politicus und von einem ministerium ecclesiasticum. „Die bürgerliche Gewalt — sagt Joh. Gerhard in Erläuterung dieser Bezeichnungen — ist herrschend und gebietend, die kirchliche ist handreichend und dienend. Jene hat die Vollmacht, neue Gesetze zu geben, die nur nicht mit dem Naturrechte in Widerstreit stehen dürfen, diese aber ist an die Vorschriften der göttlichen Gesetze gebunden.“ Der Grund dieser Scheu vor Gleichstellung der kirchlichen Auctorität mit der bürgerlichen, der sich selbst der Papst nicht völlig entzogen hat — er liebt es, sich den Knecht der Knechte Gottes zu nennen — liegt zunächst in den sehr entschiedenen Weisungen der heiligen Schrift. Man erwäge nur Matth. 20, 25—28., 23, 8—12. Dann 1 Petr. 5, 3.: „Nicht als solche, die übers Volk herrschen, sondern werdet Vorbilder der Heerde.“ Auf diesen Ausspruch des Apostels bezieht sich der heil. Bernhard, wenn er an den Papst Eugen schreibt: „Petrus konnte dir nicht geben, was er selbst nicht hatte. Was er hatte, das gab er, nämlich die Sorge für die Kirche. Gab er dir etwa die Herrschaft? Höre ihn selbst. Nicht als solche, die über das Volk herrschen u. s. w., spricht er.“ Luther sagt zu derselben Stelle: „Er ermahnt sie, daß sie nicht sollten thun, als wäre das Volk unter ihnen, daß sie Junker sein können und machen möchten, wie sie wollten. Denn wir haben Einen Herrn, der ist Christus, der unsere Seelen regieret. Die Bischöfe sollen nichts thun, denn daß sie weiden. Da hat nun St. Peter mit einem Worte umgestoßen und verdammt alles Regiment, das nun der Papst führet, und schleußt klar, daß sie nicht Macht haben, ein Wort zu gebieten, sondern daß sie allein Knechte sollen sein und sagen: das sagt der Herr Christus, darum sollst du das thun.“ Bengel endlich sagt: „Die Aeltesten maßten sich nachher die Herrschaft an.“ Daher wurde aus dem Senior ein Signore, besonders in Italien. Der Apostel spricht: „Sondern werdet Vorbilder der Heerde“: der reinste Gehorsam wird erlangt durch das Beispiel. Sol⸗