# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1859_S370 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 370 Vergleichung Luthers mit Arnd und August H. Francke in Absicht ꝛc. gelium, Glaube und Werke, Rechtfertigung und Heiligung vermenge, nur fehlt nicht nur das Luthersche Gewaltige, sondern auch das Klare und Lehrhafte von dem Unterschied dieser Dinge. Arnd gibt jedoch Beschreibungen vom Glauben, die zwar mangelhaft sind, die man aber in den Büchern der Pietisten vergeblich sucht. Er schreibt z. B.: „Ach sprichst du, wobei merke ich den Glauben? Antwort: bei drei Eigenschaften des wahren Glaubens. Die erste Eigenschaft ist, daß er allein auf Christum siehet, an ihm hanget, auf ihn bauet und trauet, Christum ihm zu eigen macht, sich mit Christo vereinigt, und stracks meinet, denkt, schleußt, Christus sei sein; darum ist dies des Glaubens Stimme: Mein HErr Christe, mein HErr und mein Gott, mein Erlöser und Seligmacher, du bist meine Gerechtigkeit, meine Erlösung, meine Heiligung; siehe, wann du das in deinem Herzen fühlst, so hast du den wahren Glauben. Zweitens so ist des Glaubens Eigenschaft, daß er ausschleußt alles, was nicht Gott und Christus selbst ist; darum ist aus dem Glauben ausgeschlossen alle Engel und Engelische Weisheit und Gerechtigkeit, aller Menschen Heiligkeit, Werke und Gerechtigkeit; der Glaube will und muß Christum allein haben und Gott in Christo; darum spricht der Glaube: HErr, wann ich nur dich habe, so frage ꝛc., das ist: Mein HErr Christe, ich kann und will ohne dich nicht gerecht und selig sein; du bist meine Gerechtigkeit, Seligkeit, Leben und Alles. Siehe, dabei spürest und kennest du den rechten Glauben. Drittens so ist des Glaubens Art, daß er eine neue Creatur aus dem Menschen machet und ist das neue geistliche Leben im Menschen und erneuert den Menschen täglich, reiniget das Herz, seufzet nach Gott und nach dem Ewigen und spricht: Ach, Herr Christe, bleib in mir und ich in dir; lebe in mir, erleuchte mich, tröste mich, stärke mich, erhalte mich, bewahre mich für Sünden und regiere mich durch deinen hl. Geist, daß ich mein Leben selig beschließe und fröhlich am jüngsten Tage auferstehe. Siehe, das ist der rechte Glaube; diesen Glauben sieht Gott und kennet ihn, höret sein Seufzen, seine innerliche geistliche Stimme und Sprache, ob er gleich kein Wort redet. Denn es stehet hie nicht, daß die Träger oder Kranke ein Wort geredt haben; dennoch habe der HErr ihren Glauben gesehen.“ Der Mangel dieser Beschreibung, die sonst ja gar herrlich ist, bestehet offenbar darin, daß Arnd das sich Gründen des Glaubens auf das leibliche, mündliche oder schriftliche Wort darin nicht mit aufgenommen hat. Was nun endlich die Predigt A. H. Francken's betrifft, so kann man zwar nicht sagen, daß er Unrichtiges über die Fähigkeit des Trostes und über die Kennzeichen eines zur Vergebung seiner Sünde Gekommenen lehre, allein, während Luther dies alles also vorträgt, daß nur wirklich Unbußfertige dadurch erschreckt werden, und die Hauptsache sein läßt, die Zuhörer zu nöthigen, daß sie sich bei dem Hochzeitsmahle der Gnade einfinden, so ist vielmehr bei Francke die Hauptsache durch die ganze Predigt, die Sicheren ihres Gnadenstandes ungewiß zu machen und in einen gewissen Kampf um Vergebung der Sünden hineinzutreiben, während der Trost ziemlich spärlich fließt, so daß selbst redliche Herzen mehr in die Sorge getrieben werden, sie