# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1859_S369 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vergleichung Luthers mit Arnd und August H. Francke in Absicht ꝛc. 369 nicht allein, daß er esse und trinke, sondern daß ich mit diesen Werken mit ihm zu schaffen gewinne und ihn zu Christo bringen möge. Diese Werke sind außerhalb dem Reich zu denen, die nicht im Reich sind, auf daß du sie auch zum Reich bringest. — Merkwürdig ist, wie Luther in der L. Predigt der Kirchenpostille über das Evangelium am 19. Sonnt. n. Tr. verfährt. Er sagt anfänglich: „Die Summa dieses Evangeliums ist der große, hohe Artikel des Glaubens, der da heißt: Vergebung der Sünden.“ Ehe aber Luther darauf eingeht, erklärt er: „Daß man's aber recht vernehme, muß man wohl und eigentlich wissen zu unterscheiden die zwei Regiment oder zweierlei Frömmigkeit. Eine hier auf Erden, welche Gott auch geordnet hat und unter die zehn Gebote in die andere Tafel gestellet und heißet eine weltliche oder menschliche Gerechtigkeit, und dienet dazu, daß man hier auf Erden unter einander lebe und brauche der Güter, die uns Gott gegeben hat. Denn er will's haben, daß auch dieses Leben fein friedlich .. regiert und zugebracht werde.“ Um nun den rechten Unterschied zwischen den zwei Gerechtigkeiten festzuhalten und die Zuhörer zu wahren, daß sie sie nicht vermengen, erörtert er, ehe er auf die Lehre von der Vergebung der Sünden übergeht, die Beschaffenheit eines rechtschaffenen christlichen Lebens ausführlich, als etwas für dieses Leben Nöthiges und von Gott Gebotenes und sucht Lust und Liebe dazu zu erwecken, worauf er dann in Einem Strom die Gerechtigkeit beschreibt und den Weg zu ihr zu gelangen zeigt, der Werke gänzlich schweigend, bis er endlich zum Schluß spricht: „Siehe, da hast du alles, so zu diesem Artikel gehöret von der christlichen Gerechtigkeit, die da stehet in der Vergebung der Sünden, durch Christum uns geschenket, und mit dem Glauben durch und mit dem Wort empfangen, rein und bloß, ohne alle unser Werk. Doch nicht also, daß ein Christ nicht gute Werke thun solle und müsse, sondern daß man sie nicht in des Glaubens Lehre menge und flechte, und mit dem schändlichen Wahn behänge, daß sie zur Gerechtigkeit vor Gott etwas vermögen, dadurch man beide, die Werk- und Glaubenslehre, beschmeißet und verderbet. Denn es ist alles darum zu thun, daß man diesen Artikel rein und lauter behalte, von alle unserm Thun abgeschieden; darnach aber, wenn wir diese Gerechtigkeit haben, sollen die Werke folgen und hienieden auf Erden bleiben, daß sie die weltliche Gerechtigkeit machen und erhalten, und also beide recht gehen, aber jegliches sonderlich in ihrem Wesen und Würden: jene vor Gott im Glauben, über und vor allen Werken; diese in Werken der Liebe gegen den Nächsten.“ In der Predigt der Hauspostille macht sich Luther mit der Buße und guten Werken fast gar nichts zu schaffen und bemüht sich nur, zu zeigen, wie zur Vergebung der Sünde Gnadenmittel und Glaube noth sei. Nur einmal, nachdem er die Lehre der Papisten gestraft hat, fährt er also fort: „Wahr ist's, ich soll reuen und mir meine Sünde herzlich lassen leid sein; aber dadurch komme ich nicht zu Vergebung der Sünde. Wodurch denn?“ u. s. w. Vergleicht man nun auch in dieser Beziehung die Predigten Arnd's über unser Evangelium, so kann man nicht sagen, daß er Gesetz und Evan⸗