# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1859_S367 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vergleichung Luthers mit Arnd und August H. Francke in Absicht ꝛc. 367 len Trost. Als das Schlimmste stellt er immer das dar, daß man dem Evangelio von der Vergebung nicht glaubt, daß man es hört und sich desselben nicht annimmt, so daß dadurch die Leute so erschreckt werden, daß, während der Heuchler darin seine Verdammniß hört, der Blöde dadurch Muth bekommt, sich die herrlichen evangelischen Verheißungen anzueignen. Luther beginnt z. B. seine erste Predigt sogleich mit den Worten: „Dies Evangelium, meine Freunde Christi, wie wir es alle Jahr haben und hören, also hoffe ich, ihr verstehet's auch und wisset's, was uns darinne wird fürgebildet. Wollte Gott, daß dem Wissen also nachfolgete das Leben; wie wir denn das mehrere Theil des Evangeliums alleine hören mit den Ohren, daß wir's wissen, und nicht, daß man darnach lebe, so es doch dahin soll gerichtet werden, daß wenig Wort, aber eitel Leben daraus würde. Wie sollen wir ihm aber thun? Wir können nicht mehr, denn predigen, nicht weiter heben noch tragen, müssen's predigen und so lange treiben, bis daß Gott auch einst komme, gebe uns seine Gnade dazu, daß der Worte wenig werden, und das Leben vorgehe und wachse.“ Erstlich versteht hier Luther ohne Zweifel unter Leben nicht sowohl die guten Werke und die Besserung des Wandels, als vielmehr den wahrhaften Herzensglauben, das sich Annehmen und Anwenden der Predigt, und sodann erklärt er, daß er als ein Prediger bei Mangel hieran von Seiten der Zuhörer nun nicht gedrungen werde, des Evangeliums zu schweigen und erst auf das Leben, auf Buße, auf Reue, auf Kampf und eifriges Leben zu dringen, sondern mit der evangelischen Predigt fortzufahren und Gott heimzugeben, ob und wenn dieser zum Wort die That d. i. die That des Glaubens geben werde. Denn nun fährt er also fort, daß er das Reich Christi als ein Reich voll von eitel Gnade beschreibt und diejenigen straft als falsche zu fliehende Propheten, welche sagen: „Wenn du das thust, so bist du ein Christ; thust du es nicht, so bist du keiner.“ Mitten in dieser tröstlichen Predigt hebt aber Luther den Finger auf und spricht: „Dabei merke nun, wie enge und wie weit das Reich Christi ist. Wenig ist ihr, die das Wort also fassen, daß es ihnen schmecket, die sich daraus richten können, und die da verstehen, was da gesagt sei: Dir sind deine Sünden vergeben. Wenn wir denn nun im Reich Christi sind, was gedenket er der Sünden? Sind denn immerdar Sünden da? Niemand gehöret in das Reich, es werde ihm denn durch das Evangelium seine Sünde geöffnet, sonst begegnen keinem diese Worte: deine Sünden sind dir vergeben. Alle hören das Evangelium wohl, aber es gehet ihnen nicht allen zu Herzen, denn sie fühlen nicht alle ihre Sünde; das Evangelium aber predigt, daß alles, was an uns ist, Sünde sei. Darum so beut es auch Trost an; die Vergebung der Sünden ist da; soll mir die Vergebung widerfahren, so muß da sein das Erkenntniß der Sünde“ u. s. w. Nach dieser Episode geht nun Luther zu seinem Gegenstand wieder zurück und preist, um die Verächter und Heuchler unbekümmert, den Schatz der Vergebung der Sünde, der in Christi Reich zu finden ist. Mitten in diesem Preis wendet er sich aber wieder an die Werkheiligen und malt sie so treffend und so abscheulich ab, daß sie wohl zur Buße