# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1859_S364 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 364 Vergleichung Luthers mit Arnd und August H. Francke in Absicht ꝛc. HErr hat befohlen zu predigen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden.“ Diese herrliche Stelle schließt Arnd jedoch so, daß der mächtige Strom des Trostes wieder etwas gedämmt und der Felsengrund wieder wenigstens dem Eindrucke nach etwas wankend gemacht wird. Er fährt nehmlich also fort: „Wo nun Buße ist, da soll auch Vergebung der Sünden sein; beides muß bei einander sein. Ein Prediger kann keinem unbußfertigen Herzen Sünde vergeben. Denn Gott vergibt sie nicht und ist wider Gottes Befehl.“ So würde Luther schwerlich die goldene Kette, an welcher die Heilsgüter und Wohlthaten wie Glieder zusammengereiht sind, schließen. Er würde im Gegentheil gezeigt haben, daß die Absolution zwar auch dann gültig sei, wenn sie einem Unbußfertigen gesprochen werde, daß aber derselbe um seines Unglaubens willen ihr nicht froh werde und erlange. Eine ähnliche schöne Darstellung wie die obige findet sich in Arnd's dritter Predigt. Da schreibt er: „Siehe, wann du nun deine Sünde recht erkannt hast aus obermeldeten Betrachtungen und Gesetz⸗Predigten, und du in deinem Herzen empfindest die heilsame Traurigkeit und Reue über deine Sünde, so sollst du dich wenden zu dem Erkenntniß unseres HErrn IEsu Christi. 1. Hat er uns das Herz seines himmlischen Vaters geoffenbart und seine große Liebe gegen das menschliche Geschlecht; solche Liebe Gottes hat kein größer Zeugniß, denn daß er die Welt geliebet hat, daß er seinen eingebornen Sohn gegeben, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. .. Aus dieser Liebe Gottes kommen so viele Verheißungen von Vergebung der Sünde Jes. 1, 18. und 43, 25.: Ich tilge deine Sünde. Aus der Verheißung kommt der theure Eid Ezech. 33, 11. Aus dem Eide kommt der Gnadenbund Jer. 31, 31 ff. Aus dem Bund der Tod Christi, als eine Bestätigung des Testaments. Aus dem Tode Christi die Siegel und Sacrament. Aus den Siegeln die Application und Aneignung: Bist du getauft, so gehörst du zu Gottes Liebe, Verheißung, Eid, Bund, Tod Christi und Nachtmahl. Steig nun wieder hinauf von der Taufe“ u. s. w. Eine durchaus andere Lehre von der Art und Weise, wie man zur Vergebung der Sünden kommen müsse, findet sich in den Pietisten. Sie lehren ja freilich auch, daß Wort, Sacrament und Glaube die Mittel sind, dazu zu gelangen, aber sie gehen dabei nicht von dem Grunde aus, daß allen Menschen die Vergebung erworben und daß dieselbe in das Wort und in die Sacramente gelegt sei und daher nun durch den Glauben daraus zu nehmen und mit denselben zu ergreifen sei. Sie lehren vielmehr, daß das Wort Gottes nur dazu diene, den Menschen aufzuschrecken, in einen Kampf des Gewissens zu versetzen und Fähigkeit zum Beten um Vergebung der Sünden zu erzeugen, und wenn dann auf das Gebet der heilige Geist die Versicherung derselben gewirkt habe, dann diene das Wort und die Sacramente dazu, die im Herzen empfangene Vergebung zu unterstützen. A. H. Francke sagt z. B. in der bereits angeführten Predigt kein Wort davon, daß derjenige, welcher durch das Gesetz zu einem rathlosen Sünder geworden ist, sich