# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1859_S357 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vergleichung Luthers mit Arnd und August H. Francke in Absicht ꝛc. 357 2. Was den zweiten Punct betrifft, in welchem das Eigenthümliche der lutherischen Predigt von Vergebung der Sünden besteht, wie nehmlich Luther den Weg und die Art und Weise zur Vergebung der Sünden zu kommen beschreibt, so geht das u. A. aus folgenden Stellen seiner ersten Predigt in der Kirchenp. über das Ev. am 19. Sonnt. n. Tr. hervor: „Diese Gewalt haben alle Menschen, welche Christen und getauft sind, denn damit preisen sie Christum und haben das Wort „„Sünde vergeben““ im Munde, daß sie sagen können und mögen, wenn sie wollen und so oft es vonnöthen: Siehe, Mensch, Gott beut dir seine Gnade an, schenket dir alle deine Sünde, bis getrost, dir sind alle deine Sünden vergeben, gläube es nur, so ists gewiß; und was nur einer will für Worte gebrauchen. Diese Stimme soll nicht aufhören unter den Christen bis an den jüngsten Tag: dir sind deine Sünden vergeben, bis fröhlich und getrost! Solches hat ein Christ immer im Munde und führt das Wort öffentlich, in welchem die Sünden werden vergeben. Also und auf diese Weise hat ein Christ Gewalt, die Sünden zu vergeben. Derhalben wenn ich zu dir sage: Dir sind deine Sünden vergeben — so halt es gewiß dafür, als saget dies Gott selbst. Denn wer wollte das thun, wenn Christus selbst nicht herabgestiegen wäre und hätte mirs in den Mund gelegt und gesagt, daß wir sollten einer dem andern die Sünde vergeben? als da er im Johanne Cap. 20 spricht: Nehmet hin den heil. Geist ꝛc. Und an einem andern Orte, Matth. 18 spricht er: Wo zween unter euch eins werden ꝛc.; denn wo zween oder drei versammelt sind in meinem Namen ꝛc. Das Wort thuts und schneidet hindurch. Wenn nun kein Mensch auf Erden wäre, der Sünde vergebe, und wären alleine Gesetze und Werke, o wie ein blöde und elend Ding wäre es mit dem armen betrübten Gewissen! Nun aber, so Gott einem jeglichen den Mund voll gibt, daß er sprechen kann zu einem andern: Dir sollen deine Sünden vergeben sein, du seist, wo du seist; so ist das güldene Jahr angegangen. Darauf sollen wir trotzen und pochen wider die Sünde, daß ich zu meinem Bruder, der in Angst und Noth der Sünde steckt, sagen kann: Bis fröhlich und getrost, mein Bruder, dir sind deine Sünden vergeben; wiewohl ich dir den heil. Geist und Glauben nicht geben kann, dennoch kann ich dirs verkündigen; gläubest du es, so hast du es. Welchen ers denn schenket, die loben und preisen Gott, wie sie auch hier thun im Evangelio. Das heißt: Gott hat den Menschen Macht gegeben, Sünde zu vergeben, und das ist das Reich Christi mehren, das Gewissen holen und aufrichten; das thun wir nun durchs Wort. Gott gebe, daß wirs also auch fassen.“ Hieraus ist ersichtlich, daß Luther die Erlangung der Vergebung der Sünden auf das Hören des Evangeliums oder der Absolution stellt, zugleich aber, um alles Eigenwirken auszuschließen, alles auf die Gabe Gottes nach seiner freien Erbarmung setzt. In der zweiten Predigt der Kirchenpostille schreibt Luther: „Das sei für das erste gesagt, was die christliche Gerechtigkeit sei und worin sie stehet. Fragst du nun weiter: woher sie komme oder wodurch sie zuwege gebracht oder