# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1859_S356 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 356 Vergleichung Luthers mit Arnd und August H. Francke in Absicht ꝛc. Verheißungen geschenkt; ich tilge deine Sünde. 2. Gottes Eid. 3. Gottes Gnadenbund. 4. Christi Tod; weil die Sünde durch Christi Tod vollkömmlich bezahlet, so will auch Gott der Sünde vergessen. Es stehet dreimal in der Schrift, daß Gott der Sünde nimmermehr will gedenken. 5. Christi ewiges und immerwährendes Priesteramt, Vorsprecher. 6. Daß Gott den Sündern Buße gesetzet: du nimmst Buße an für Sünde; darum lässet Gott in der ganzen Welt predigen Buße und Vergebung. Deß tröstet sich Manasse, daß Gott den Sündern Buße gesetzet. 7. Die Siegel des heil. Evangelii, die sind schöne Gnadenpredigten und Zeichen der Vergebung der Sünden: die heil. Sacramenta; die Exempel der armen Sünder Petri, Pauli, Davids, Manasse.“ Bei genauer Vergleichung erscheint Arnd besonders tröstlich für Angefochtene und insonderheit Trostbedürftige, während Luther jeden Menschen in jedem Zustand durch seine Predigt mitten in die Fülle des Evangeliums von der Vergebung seiner Sünden hinein führt. Anders steht es, wenn wir Luthern mit den Pietisten vergleichen, z. B. mit A. H. Francke. Dessen Hauptsorge ist nicht sowohl, seine Zuhörer der Vergebung der Sünden gewiß zu machen, als vielmehr die falsche Gewißheit ihnen zu nehmen; er zeigt nicht sowohl, wie leicht ein armer Sünder nun, nachdem Christus die Vergebung verdient hat, dieselbe erlangen könne, sondern wie viel das koste; nicht weil man so schwer sich zum Glauben bringen läßt, sondern weil so viel andere Dinge nöthig sind, ehe ein Mensch glauben darf. Zu diesem Zwecke exaggerirt er denn in seiner Postille von 1724 in der Predigt über das Ev. am 19. Sonnt. n. Tr. zuerst, was in dem Gichtbrüchigen vorher vorgegangen sei, insonderheit, daß er nicht geglaubt habe Hülfe zu finden. Er fährt daher fort: „So ist demnach vonnöthen, daß ihr euch selbst immerdar hütet vor einem solchen Sinn, der so geschwind fertig ist, sich mit der Gnade Gottes und der Vergebung der Sünden so gleich zu trösten; sintemal es viel seliger für euch sein wird, so ihr dem Strafamte des heil. Geistes fein Raum und Platz gebet in eurer Seele.“ An einer andern Stelle: „Es ist unser großer Schade, daß wir von unsrer Kindheit auf so leicht und so geschwind uns damit trösten, daß wir alle Kinder Gottes sind. Glaubet mir, lieben Menschen, das ist so leicht nicht gethan; oder wollt ihrs nicht glauben, so dürftet ihrs auf dem Todtenbette finden... Es gehöret dazu eine wahrhafte Arbeit der Seelen, ein ernster Kampf, daß der Mensch fühle, es erkenne, davon überzeugt sei, daß er bei seinem bisherigen Sündendienst und natürlichen unwiedergeborenen Zustand, darinnen er sich befunden, kein Kind Gottes gewesen.“ So wahr dies alles, recht verstanden, ist, so ist es doch nicht Lutherisch, daß die ganze Predigt den Charakter trägt, daß sie die Vergebung nicht als ein der Welt erworbenes Gut verkündigt, sondern den Glauben an die Vergebung ihrer Sünden den Zuhörern vor allen Dingen zu benehmen sucht und dieselbe nur als einen Beruhigungsgrund und Zielpunct derjenigen hinstellt, die sich vorher mit sich selbst abgerungen haben.