# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1859_S355 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vergleichung Luthers mit Arnd und August H. Francke in Absicht ꝛc. 355 wiederum Vergebung heben alle Sünde und Zorn auf; also daß dich weder Sünde in die Hölle stoßen, noch deine Frömmigkeit in Himmel heben kann .. Hier prüfe dich selbst, wie viel du davon kannst, und ob es so geringe und leichte Kunst sei, als die unerfahrnen Geister meinen; denn wenn du es könntest und gläubtest, so wären alle Unglück, Tod und Teufel nichts. Weil du dich aber noch so mit Sünden beißest, schreckest und zagest für Tod, Hölle und Gottes Gericht, so demüthige dich nur, und gib dem Wort die Ehre und sprich: du habest's noch nie verstanden. Kurz, greife nur jeglicher in seinen Busen, so wird er einen solchen Christen finden, der sich's dünken lässet, er wisse es, ehe er die ersten Buchstaben davon gelernt hat. Es ist wohl bald gehöret, gelesen und die Worte davon gebracht; aber in Brauch und Wesen zu bringen, daß es in uns lebe und das Gewissen sich darauf gründe und erwäge, das ist nicht Menschen Kunst. Darum sage ich und vermahne, die Christen wollen sein, daß sie immer damit umgehen, käuen, treiben und bläuen, daß wir doch einen Geschmack daran gewinnen.“ Man sieht, wenn Luther davon handelt, daß es so schwer sei die Vergebung der Sünden zu glauben, so thut er's nicht, um von diesem Glauben abzuschrecken und in eigenes Wirken hineinzutreiben, sondern die Zuhörer dazu zu bewegen, daß sie doch recht tief den Trost als ihnen gehörig zu Herzen fassen. Vergleicht man nun Luther mit Arnd und den Pietisten in Absicht auf diesen ersten Punct, so findet sich zwar erstlich, daß Arnd nicht mit solcher Freudigkeit und mit solchem Muth die Vergebung der Sünden anzupreisen versteht, jedoch findet sich in seiner Postille derselbe Grund. Er schreibt z. B. in seiner ersten Predigt, in welcher er das Thema behandelt: „Von der geistlichen Seelencur durch Vergebung der Sünde, wie der HErr dem Gichtbrüchigen geistlich an der Seelen geholfen durch die gnadenreiche und tröstliche Vergebung der Sünde,“ zum Schlusse: „So haben wir nun allhie die trostreiche Lehre von gnädiger Vergebung der Sünde, welches der Christen höchster Schatz ist in dieser Welt, wann gleich alles Zeitliche verschwindet. Ja, der höchste Schatz, den wir mit aus dieser Welt bringen. Nichts ist, das uns in unsern höchsten Nöthen und in Todesnoth also heftig trösten kann, als die heilwärtige Vergebung der Sünde; dieselbe aber ist eine Frucht des hohen, heiligen, theuren Verdiensts, Bluts und Todes IEsu Christi. Aus diesem Brunnen fleußt dieser Trost. Drei Ding sind, die einen sterbenden Menschen am meisten anfechten: die Sünde, der Zorn Gottes und das gestrenge Gericht Gottes und letzte Urtheil, dafür wir erscheinen müssen. Dawider merket die kräftige Arzenei: Wider die Sünde: deine Sünden sind dir vergeben; wider Gottes Zorn: Fili, mein Sohn, ich zürne nicht mit dir; wider das gestrenge Gericht Gottes: Confide, sei getrost, du sollst nicht ins Gericht kommen. Dies ist der rechte Arzt, Jes. 61, 1. 2.:. Der HErr hat mich gesandt, die zerbrochenen Herzen zu verbinden und zu trösten alle Traurigen. Darum merket die Gründe der Vergebung der Sünde: 1. Gottes Verheißung; durch Christum sind uns die allertheuersten.