# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1859_S354 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 354 Vergleichung Luthers mit Arnd und August H. Francke in Absicht ꝛc. nicht mit Werken umgehen; denn es reimet sich nicht damit, daß ich sage: Gehe heraus und lauf hin und wieder, büße deine Sünde; so und so mußt du das halten und machen, sollst du der Sünden los werden; sondern stracks ohne alle Werk und Gesetz aus lauter Gnaden sind dir deine Sünden verlassen. Darum so ist dies außerhalb dem Reich Christi, die Leute mit Gesetze dringen.. Wenn du mir ein Werk fürgibst, so ist es der h. Geist nicht; welcher also einhergehet, daß er mir aufs erste die Gnade Christi herbringet, und nicht zu den Werken führet; denn also spricht er: Dir sind deine Sünden vergeben, bis getrost, u. dergl. Worte; treibet nicht von ersten auf die Werke, sondern holet dich erstlich hierauf zu Gott durch seine süßen Worte und Gnade, zeiget dir so bald kein Werk; aber darnach gegen dem Nächsten wirst du Werke genug sinden .. Ich sage das, ob es schon ein Werk wäre, das Gott jetzt auf diese Stunde geböte, dennoch wollte ich nicht also darauf dringen und denjenigen verdammen, der nicht flugs nachfolget; wollte ihm irgend einen Deckel finden, daß er vielleicht noch schwach wäre, und das Gnadenreich über ihn sprengen. Wir werden es inne werden, daß das Werk in ihnen gegen Gott gerichtet ist und nicht hierunter gegen dem Nähesten gehe; machen eine Noth daraus und sagen: Wenn du das thust, so bist du ein Christ; thust du es nicht, so bist du keiner.. Das Reich Christi gehet also, daß wir alle unseren Ruhm und Trotz in die Gnade setzen; die andern Werke sollen frei sein, nicht darauf zwingen, noch daran wollen Christen sein, sondern mit den Werken hierunter kommen zu unserm Nächsten. Also sollten wir dies Evangelium hören, daß wir die Sprüche fasseten, daß es ins Herz geschrieben würde, daß dies Licht, diese Worte und Lampen recht in uns leuchtete, dadurch wir andere Lehre richten könnten. Also sagt er zum Gichtbrüchigen: Dir sind deine Sünden vergeben. Diese Worte u. dergl. gehören dahin, daß man sie ins Herz fasse, weil es noch nichts ist, denn alleine Gnade, kein Werk, damit das Gewissen gedrungen wird, etwas zu thun.“ In der zweiten Predigt der Kirchenpostille schreibt er: „Wir sollen Christi Reich also ansehen, als ein schön großes Gewölbe oder eine Decke, allenthalben über uns gezogen, und uns decket und schützet für Gottes Zorn; ja als einen großen weiten Himmel, da eitel Gnade und Vergebung leuchtet und die Welt und alle Dinge voll machet, daß alle Sünden dagegen kaum als ein Fünklein sein gegen dem großen weiten Meer; und ob sie gleich drücket, dennoch nicht schaden kann, sondern für der Gnade zerstäuben und zergehen muß. Wer das könnte, der möchte wohl Meister heißen; aber wir werden uns alle müssen demüthigen und nicht schämen daran zu lernen, so lange wir leben. Denn unsere Natur, wo sie eine Sünde weiß aufzubringen, kann sie eine Last, als der Himmel schwer, daraus machen; so bläset der Teufel zu, und machet aus einem Fünklein ein Feuer, das Himmel und Erde füllet. Hier muß das Blatt umgekehret sein, und frei geschlossen: Wenn die Sünde noch so groß und schwer wäre, so ist dieser Artikel viel höher, weiter und größer.. Wenn du diesen Artikel ansiehest, so hast du beides: Sünde nimmt alle deine Heiligkeit hinweg, wie fromm du bist auf Erden;