# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1859_S346 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 346 (Eingesandt.) Der evangelische Oberkirchenrath und die evangelische Kirchenzeitung. Der erstere hat am 7. April d. J. an sämmtliche Consistorien Preußens ein Schreiben erlassen, worin er mit Bezugnahme auf die Protestation der evangel. Kirchenzeitung warnt, Parteileidenschaften aufzurufen, um durch Protestationen und Manifestationen gegen die Obrigkeit anzustürmen und zur Widersetzlichkeit gegen dieselbe aufzureizen. Dr. Hengstenberg gibt in No. 42. seiner Kirchenzeitung darauf eine Erwiderung, die nach Inhalt und Form ein getreuer Reflex der petrinischen Ermahnung 1 Petr. 3, 15. 16. und ein wahres Muster der Verantwortung eines Christen seines Glaubens halber ist. Wir theilen unsern Lesern einige der schönsten Stellen daraus mit: Fand sich der Hochw. Oberkirchenrath gedrungen, öffentlich mit einer Warnung gegen die evangel. Kirchenzeitung aufzutreten, so hätte man jedenfalls doch einige Worte warmer Anerkennung für das Streben eines Blattes erwarten sollen, das nun schon seit zwei und dreißig Jahren der Sache der Kirche dient. Es ist ja für ein Christenherz so angenehm, wo man solchen, die irgend auf gemeinsamem Grunde stehen, entgegentreten muß, zugleich auch anzuerkennen, was man gewissenshalber anerkennen kann, und solche Stellung, wie sie durch Joh. 17. wahrlich mehr geboten wird, wie eine durch menschliche Mittel gemachte Union, haben wir uns stets einzuhalten bemüht. Wie lebhaft haben wir in einer ganzen langen Reihe von Artikeln anerkannt was der Hochw. evangelische Oberkirchenrath für die General⸗Kirchenvisitationen gethan hat, diese so reich gesegnete, mit dem Siegel des Herrn der Kirche bezeichnete Einrichtung, die jetzt zu unserm tiefsten schmerzlichsten Bedauern eine Beschränkung erleiden soll, ja die vielleicht dem gänzlichen Aufhören entgegengeht, über das sich Andere freuen würden, als die Engel im Himmel. Mit welcher Freudigkeit haben wir auch die gesegnete Arbeit des evangelischen Oberkirchenraths in der Diaspora des Inlandes und Auslandes der warmen Theilnahme unserer Leser empfohlen! Noch in unserem diesjährigen Vorworte besprachen wir in lebhafter Anerkennung das Verfahren des Oberkirchenraths gegen den Pastor Fritze in Ströbeck. So entschieden wir auch dem Hochw. Oberkirchenrath entgegentraten, wo nach unserer Ueberzeugung das Wort in Anwendung kam: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt, als mich, der ist mein nicht werth,“ so ist doch unsere Opposition immer nur eine partielle gewesen, nie eine systematische, eine solche, die, wie z. B. die der protestantischen Kirchenzeitung, blindlings gegen Alles gerichtet wäre, was von dieser für uns unter das vierte Gebot gestellten Behörde ausgeht. Und wo wir zustimmen konnten, da thaten wir es mit Freuden, wo wir opponiren mußten, deß gibt unser Herz uns Zeugniß, da thaten wir es mit tiefem Schmerze, gedrungen durch kein anderes Motiv, als durch das Wort, das uns auf der Seele brannte: „Wer sich mein und meiner Worte schämet, deß