# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1859_S342 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 342 Ueber Adventspredigten. wähnt, was aber immer wieder hervorzuheben ist, geprediget werden, wie sich Güte und Treue einander begegnen. Nun hat es zwar auch seinen Nutzen, wenn man in jeder Predigt nur eine Weissagung auslegt und ihre Erfüllung nachweist, allein es giebt eine noch zweckmäßigere Weise, für die wir ein Vorbild an der Osterpredigt unseres HErrn Christi haben, die er den beiden Jüngern auf dem Wege nach Emmaus gehalten hat, indem er anfing von Mose und allen Propheten und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren, wovon dann die Jünger bekannten: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Luc. 24, 27. 32. Diese Prophezeiungen von Christo hat der reich begabte Urbanus Regius seiner Hausfrau Anna in einem lieblichen Ostergespräch weitläufig ausgelegt, welches unter dem Titel: Dialogus von der herrlichen trostreichen Predigt Christi, mit einer Vorrede Dr. Luthers, in mehreren Auflagen erschienen ist, welcher Schrift ich sehr viel zu verdanken habe. Nachdem ich nämlich in den ersten dreizehn Jahren in jeder Adventspredigt nur einen Text, und namentlich eine Weissagung von Christo, behandelt hatte, kam ich durch das Lesen dieses Dialogs auf den Gedanken, die vornehmsten Weissagungen des ganzen Alten Testaments von Mose bis zu Maleachi auf die einzelnen Predigten zu vertheilen; allein wegen Schwierigkeit der Auswahl kam dieser Gedanke, ohngeachtet mancher Versuche, dennoch nicht zur Ausführung, und ich mußte mich daher begnügen, in den neun folgenden Jahren während jeder Adventszeit einige Weissagungen aus einem biblischen Buche z. B. aus den Büchern Mosis, aus den Psalmen oder aus jedem derselben eine zu erklären. Erst seit acht Jahren halte ich die Adventspredigten auf folgende Weise. Nach einer Einleitungspredigt am ersten Advent Nachmittags, behandle ich in der zweiten die Weissagungen aus Moses, in der dritten und vierten die aus der ersten und zweiten Hälfte der Psalmen, in der fünften die aus den großen Propheten und in der sechsten die aus den kleinen Propheten. Jeder dieser Predigten lege ich einen besondern Text unter, den ich kurz erläutere, worauf ich dann eine Weissagung nach der andern aus der Bibel vorlese und abwechselnd von Jahr zu Jahr die eine und die andere genauer, die übrigen aber nur summarisch erläutere. Für den Fall, daß eine dieser Adventspredigten ausfallen müßte, behalte ich mir Zeit zu einer Ersatzpredigt übrig. Daß diese Weise, in einer Predigt mehrere Bibelstellen vorzulesen und kurz zu erklären, früher in der Lutherischen Kirche nicht ungewöhnlich war, sieht man aus den Bestimmungen der trefflichen Pommer'schen Kirchenordnung, die für jede der sechs Adventspredigten eine Angabe der vornehmsten Weissagungen nach der Reihenfolge der Bücher des A. Testaments enthält und dann folgende Bemerkung hinzufügt: „Verständige, gottesfürchtige Pastores werden wohl wissen, wie sie diese Prophezeiungen aus den gemeldten Capiteln nehmen, eine nach der andern dem Volke vorlesen und sie aufs kürzeste summarie erklären, oder dem Volke solchen Text allein deutlich vorlesen sollen und dabei Unterricht thun, wie Christus Gottes Sohn von An⸗