# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1859_S341 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Adventspredigten. 341 glaubens willen. Es muß alles hangen von Anbeginn der Welt bis ans Ende, an dieser leiblichen Zukunft, durch welches Anhangen die Knechterei aufhört, wenn und wo und in welchem solches Anhangen geschieht. Darum wird einem jeglichen seine Zeit erfüllet, wenn er anhebt an Christum zu glauben als an den, der da kommen sollte vor Zeiten und nun kommen ist.“ (W. A. 12, 305 fl.) Folglich ist allen Ungläubigen unter Juden und Christen ihre ganze Lebenszeit eigentlich eine Wartezeit, um ihres Unglaubens willen; wiederum war den Gläubigen des Alten Testaments ihre ganze Lebenszeit eine Zeit der Erfüllung, gleichwie sie jetzt noch allen Gläubigen eine solche ist, obgleich das Heil hinsichtlich seines vollkommenen Schauens und ungestörten Besitzes erst im ewigen Leben durch Christi andere Zukunft erfüllt wird, laut seiner Worte: Sehet auf und hebet eure Häupter auf, darum daß sich eure Erlösung nahet. Luc. 21, 28. Demgemäß bezeichnet Dr. Luther den Zweck der Adventszeit kurz und klar, wie man es nicht leicht anderwärts finden wird, mit folgenden Worten: „Dieweil das Heil vorzeiten verheißen und geglaubt ist worden, nun aber erfüllet und angesangen, so hält man noch jetzt das Gedächtniß der alten Verheißung und damals zukünftigen Heils; denn weil wir gleichsam zwischen beiden Adventen leben, sollen wir billig loben Gottes Barmherzigkeit, der es weiland verheißen, und Gottes Wahrheit, der seine Verheißung gehalten hat und endlich im ewigen Leben erfüllen will; denn dies ist die Zeit, in welcher die Güte der Verheißung und Wahrheit der Erfüllung einander begegnen, Ps. 85, 11. und begreift also die jetzige Zeit in sich beide, die zukünftige und die vergangene.“ (Ebds. 1406 fl.) So sagt er auch von den früheren Ceremonien des Advents: „sie wären aufs beste und guter christlicher Meinung eingesetzt und geordnet, Gott zu danken für die Menschwerdung seines lieben Sohnes, unseres HErrn Christi.“ (22, 800.) Diese Güte und Treue Gottes besingen ferner die ältesten Adventslieder z. B.: Nun komm der Heiden Heiland ꝛc., Von Adam her so lange Zeit ꝛc., Kommst du nun Jesu ꝛc., Gott sey Dank in aller Welt ꝛc. Vornämlich aber gewährt uns das Evangelium am ersten Adventssonntage, wie das offene Portal eines erhabenen Domes, eine vollkommene Ueberschau aller der herrlichen Dinge, welche in der Adventszeit geprediget werden sollen; denn es verkündigt uns, daß alles, was bei dem Einzuge Christi in Jerusalem geschah, darum geschah, auf daß erfüllt würde, das gesagt ist durch den Propheten Zacharias 9, 9.: Du Tochter Zion, freue dich sehr ꝛc., nächstdem richtet es auch unsern Blick auf die ganze Kirche Gottes im Alten und Neuen Testament; denn nach der geistlichen Deutung Dr. Luthers bedeuten hier die Schaaren, die vorher gehen, alle Christen und Heiligen vor Christi Geburt, die aber nachfolgen, bedeuten alle Heiligen nach Christi Geburt, sie glauben und hangen alle an einem Christo. Jene haben seiner zukünftig gewartet, diese haben ihn in vergangenen Zeiten empfangen, darum singen sie auch allesammt ein Lieblein, loben und benedeien Gott in Christo.“ (11, 61.) Demnach soll, abgesehen von den vier Adventsevangelien, in den Nach⸗