# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1859_S330 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 330 Wird Röm. 11, 25. 26. 27. eine noch zu erwartende solenne ꝛc. lingsbrod heilig war, und wie die Zweige heilig seien, wenn die Wurzel heilig ist, so könne Gott die Nachkommen eines Abraham, mit dem er seinen Gnadenbund aufgerichtet, nicht schlechterdings verworfen haben (V. 16.). Zwar seien freilich etliche der Zweige des Oelbaums Israels zerbrochen und eine Anzahl Heiden als ein wilder Oelbaum in denselben dafür eingepfropft; das berechtige aber die letztern nicht, sich wider die ersteren zu rühmen (V. 17. 18.). Wolle der Heide sagen, die Zweige seien zerbrochen, daß er hinein gepfropft würde, so sei dies an sich freilich richtig; aber der Jude sei, nicht aus absolutem Haß Gottes, sondern um seines Unglaubens willen verworfen; das könne daher auch dem Heiden und zwar um so eher widerfahren, als derselbe nicht zu den natürlichen Zweigen gehöre (V. 19—22.); sowie der Jude, wenn er nicht im Unglauben bleibe, wieder werde eingepfropft werden, und zwar um so eher, als ein natürlicher Zweig, da sogar der Heide als wilder Zweig in den guten Oelbaum wider die Natur gepfropft worden sei (V. 23. 24.). Nachdem nun der Apostel so a priori bewiesen hat, daß Gott das Volk Israel nicht absolut verworfen und die Heiden absolut angenommen habe, fährt er fort: „Ich will euch nicht verhalten, l. Br., dieses Geheimniß, auf daß ihr nicht stolz seid. Blindheit ist Israel eines Theils widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden eingegangen sei und also das ganze Israel selig werde ꝛc.“ und will damit sagen: Wisset, ihr gewesenen Heiden, es ist nicht nur, wie ich gezeigt habe, undenkbar, daß Gott sein Volk gänzlich verstoßen haben sollte, mir ist auch ein Geheimniß geoffenbart, welches aller eurer Ueberhebung über die Juden für immer ein Ziel setzt; dieses Geheimniß besteht nehmlich darin, daß das Volk der Juden nie ganz in Verstockung fallen, daß seine Verstockung immer eine nur theilweise bleiben werde, so daß, so lange Heiden bekehrt werden, auch Juden werden bekehrt werden, so daß, so lange die Gnadenzeit der Heiden dauern wird, auch die Gnadenzeit der Juden währen und also nie eine Zeit kommen werde, in welcher nur Heiden in das Reich Christi eingehen. Mögen die Juden immerhin ihren eigenen Messias gekreuzigt und verworfen haben, mögen sie jetzt mit ganz geringen Ausnahmen gegen diejenigen, welche an ihren Messias glauben, wüthen und toben, mögen sie überall das Haupthinderniß der Ausbreitung des messianischen Reiches sein; mag es daher unmöglich scheinen, daß nicht einmal Gottes Geduld ein Ende nehme, mag es die Gerechtigkeit Gottes zu erfordern scheinen, daß Gott endlich alle verwerfe und ihnen die Gnadenthür zuschließe: so wird sich Gott doch nie seine Gaben und Berufung reuen lassen; er wird seine Verheißung halten; er wird daher erstlich dafür sorgen, daß es immer bis zum jüngsten Tage ein jüdisches Volk gibt, und sodann, daß aus demselben immer bis zum jüngsten Tage etliche bekehrt, begnadigt und selig werden. Und so, auf diese herrliche, bewunderungs⸗ und anbetungswürdige Weise wird aus Gottes unbegreiflicher Treue, Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit, Geduld und Langmuth das ganze, von ihm zuvor versehene (V. 2.) Israel selig werden, keine, auch nicht eine, Seele ausgenommen. Wollt ihr nun noch ferner stolz sein, ihr Heidenchristen?