# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1859_S328 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 328 Wird Röm. 11, 25. 26. 27. eine noch zu erwartende solenne ꝛc. halten haben, und Ich sie zwingen mußte, spricht der HErr. Sondern das soll der Bund sein.. Ich will ihnen ihre Missethat vergeben und ihrer Sünden nicht mehr gedenken.“ Wer in diesen Worten nicht eine allgemeine Verheißung des neutestamentlichen Gnadenbundes sieht, der sieht nichts. So vortrefflich dieses und das erstere Citat es bestätigt, daß, so gewiß Gottes Gaben und Berufung ihn nicht gereuen mögen (worauf der Apostel unmittelbar nach unserer Stelle V. 29. hinweist), eben so gewiß Israel durch alle Zeiten hindurch einen heiligen Samen der Auserwählten haben müsse; so ungereimt ist es, aus diesen Stellen das Geheimniß erweisen zu wollen, daß in den letzten Tagen im engeren Sinne des Wortes ganz Israel werde bekehrt werden. Es ist dies alles so sonnenhell, daß man es auch fast allen unsern gegnerischen Auslegern wohl anmerkt, wie ihnen die angebliche Bestätigung des von ihnen angenommenen Geheimnisses aus den Propheten von Seiten des Apostels im Wege liegt. Rationalisten, wie ein Meyer und ein Rückert, wissen sich freilich zu helfen. Sie schieben, ohne sich den Kopf weiter zu zerbrechen, die Schuld des unpassenden prophetischen Belegs auf den heiligen Schreiber selbst. Ersterer wagt es daher, geradezu zu schreiben: „Für das „„ganz Israel wird selig werden““ findet Paulus einen oraculösen Beleg in Jes. 59, 20. Nicht aber, als ob P. aus Jes. a. a. O. seine Prophetie abstrahirt hätte, denn das konnte er nicht abstrahiren. Vielmehr hat er, nachdem er in Offenbarung das ausgesprochene Geheimniß erkannt hat, nun auch für den in „„ganz Israel wird selig werden““ enthaltenen Bestandtheil desselben ein Orakel im A. T. entdeckt, welche Entdeckung daher lediglich seiner eigenen Rabbinischen Individualität zuzuschreiben ist. Der Grundtext weissagt nur für die vom Abfall sich bekehrenden Israeliten die Messianische Rettung, also grade keine allgemeine Rettung Israels.“ Rückert schreibt: „Daß diese Stelle für uns das nicht beweise, was sie beweisen soll, liegt vor Augen; selbst in der Form, wie sie hier gegeben ist, kann sie dies nicht. Doch ist die Anführungsart des Apostels zu bekannt, um uns dabei aufhalten zu dürfen.“ Diese Lästerungen sind guten Theils eine traurige Folge der falschen Auslegung unserer Stelle selbst von Seiten Rechtgläubiger. Mit Freuden ergreifen Ungläubige die Gelegenheit, die heiligen Menschen Gottes, welche geschrieben haben, getrieben von dem hl. Geiste, der Verkehrtheit zu zeihen, wenn Rechtgläubige mit Zwang und Künstelei einen Sinn aus einer Schriftstelle zu Tage zu fördern suchen, der nicht darin liegt. Die Schrift selbst widerspricht sich nie und enthält nichts Ungereimtes, aber jeder fremde Menschengedanke, der der Schrift eingepfropft werden soll, kommt sogleich in Widerspruch mit der göttlichen Wahrheit und erscheint in der Schrift als eine Ungereimtheit. Quenstedt schreibt daher: „Die vom Apostel zum Beweis seines Thema's angeführten Zeugnisse können durchaus nicht von einer Bekehrung der Israeliten in der allerletzten Zeit der Welt verstanden werden, sondern reden ganz offenbar von der ersten Zukunft Christi Jes. 59, 20. und von den Zeiten des N. T. Jer. 31, 34., welcher Grund schon allein unsere Meinung unüberwindlich befestigt.“ (Theol. did. — pol. P. IV. c. 19. f. 1817.)