# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1859_S327 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wird Röm. 11, 25. 26. 27. eine noch zu erwartende solenne ꝛc. 327 welche eine Anzahl Interpreten der verflossenen Decennien den Aposteln in den Mund legte, einmal zusammengestellt werden, gerechtes Erstaunen müßte die Zeitgenossen ergreifen.“ (S. Vorrede zur 5. Auflage von 1844.) III. Ein dritter Hauptgrund, warum wir die jetzt gäng und gebe gewordene Auslegung unserer Stelle für irrig halten müssen, liegt in den Stellen des A. T., welche der hl. Apostel zur Bestätigung des von ihm eröffneten Geheimnisses anführt. Es sind dies nehmlich Stellen, welche ganz offenbar nicht von einer besondern allgemeinen Bekehrung der Juden kurz vor dem jüngsten Tage mit Ausschluß der Bekehrungen derselben zur Zeit der Apostel und in den folgenden Jahrhunderten reden, sondern von dem Heile im Allgemeinen, welches dem jüdischen Volke mit der Erscheinung des Messias für alle Zeiten bis an den jüngsten Tag aufgehen werde, von der ganzen, Israel bestimmten, neutestamentlichen Gnade. Citirte der heil. Apostel Stellen, wie diese: Hos. 3, 4. 5., Deut. 4, 27—31., so wäre zwar auch damit die Auslegung unserer Gegner keinesweges gerechtfertigt, sie hätte aber dann wenigstens einen Schein von Berechtigung. Allein das vom Apostel gewählte Citat benimmt ihr auch jeden Schein von Berechtigung. Man vergleiche nur die angeführten Stellen. Jes. 59, 20. heißt es: „Denen zu Zion wird ein Erlöser kommen, und denen, die sich bekehren von den Sünden in Jacob, spricht der HErr.“ Es ist dies eine so allgemeine Verheißung der Zukunft des Messias, daß sie nicht allgemeiner sein könnte. Es findet sich hier kein Buchstabe, der darauf hinwiese, daß hier von einer Heimsuchung in der Zeit unmittelbar vor dem jüngsten Tage die Rede sei.*) Dem heil. Apostel in den Mund legen, daß er mit dieser Weissagung das Geheimniß bestätigt habe, daß die Juden, nachdem sie den bereits erschienenen Messias würden verworfen haben, endlich in der allerletzten Zeit eine ganz außerordentliche Gnade erfahren und zum größten Theile bekehrt werden würden, ist reine Willkür und eine dem heiligen Schreiber angethane arge Unehre. Gewisse Chiliasten haben zwar vorgegeben, unter dem Erlöser sei ja hier nicht Christus, sondern eine andere Person zu verstehen, allein es ist klar, daß dies nur eine schlechte Nothhülfe ist und daß ein „Goel“, wie er hier beschrieben wird, kein anderer sein kann, als Christus selbst. Daher auch Olshausen schreibt: „Daß Paulus eben nur Christus als den diese Erlösung Israels vollziehenden denkt, und nicht etwa meint, wie Schwärmer geglaubt haben, daß für Israel am Ende der Tage noch ein besonderer Erlöser kommen solle, bedarf keines Beweises.“ Die andere von Paulus angeführte Stelle Jer. 31, 31 ff. lautet: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HErr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen. Nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern machte, da ich sie bei der Hand nahm, daß ich sie aus Egyptenland führte; welchen Bund sie nicht ge⸗ *) Ganz abgesehen von dem Zusammenhange, der es ebenso außer allem Zweifel stellt, daß hier von dem Beginn der neutestamentlichen Zeit mit der Erscheinung Christi und mit der Predigt der Apostel die Rede ist.