# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1859_S325 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wird Röm. 11, 25. 26. 27. eine noch zu erwartende solenne ꝛc. 325 bleiben, Gott wird seine diesem Volke gegebene Verheißung durch keine nunmehrige absolute Verwerfung aufheben, sondern dieselbe pünctlich erfüllen, sein ganzes erwähltes Israel wird selig werden. — Bei dieser Auslegung wird jedes Wort unseres Textes in seiner Prägnanz genommen. Israel wird nehmlich wirklich für das leibliche Israel, ganz Israel wirklich für ein bestimmtes Ganzes, nehmlich für die ganze „Wahl“ (V. 7.), also für auf diese Weise, selig werden für das ewige Leben erlangen, die Fülle der Heiden für die volle Zahl der Heiden, nehmlich der zum ewigen Leben verordneten, genommen. Auch die Partikel ἄχρις οὗ (bis) behält ihre natürliche Bedeutung zur Bezeichnung des Endpunctes einer Thatsache; denn der Endpunct der bloß theilweisen Verstockung und somit auch theilweisen Bekehrung Israels tritt nach unserem Verständniß der apostolischen Worte erst mit dem Endpuncte der Heidenbekehrung ein. Es sollen nach dem vom Apostel aufgeschlossenen Mysterium so lange Juden bekehrt werden, so lange Heiden sich bekehren. Die Gnadenthür soll nicht nur beiden bis ans Ende offen stehen, sondern von beiden soll auch immer eine Zahl in das Reich Gottes wirklich eingehen. Wenn Philippi schreibt: „ἄχρις οὗ mit dem Conjunctiv Aoristi (donec, usque dum intraverit) führt stets eine zukünftige Begebenheit ein, mit deren Eintritt eine bis dahin statt findende Thatsache aufhören soll; nach dem Eingange des Heidenpleromas soll also die Verstockung Israels aufhören“ — so ist das nicht gegen unsere Auslegung, da allerdings nach dem Eingehen der Heidenfülle d. i. nach dem jüngsten Tage von einer ferneren theilweisen Verstockung Israels so wenig mehr die Rede sein kann, als von einem Verkündigen des Todes des HErrn nach seinem Kommen, vgl. 1 Cor. 11, 26. Diejenigen hingegen, welche auf eine solenne Judenbekehrung warten, nehmen in unleidlicher Willkür das Wort ganz Israel für sehr viele Israeliten*), die Partikel also für darnach, das Wort selig werden für Bekenner der christlichen Religion werden**), die Fülle der Heiden für einen großen Theil aus der Heidenschaft†), oder, wie *) So Spener („ein merklich großes Theil“, s. Spener's Pia desideria) und viele Andere. **) So schon Calixt: „Und so wird ganz Israel selig werden, und wird geschehen, daß, wie ganz Deutschland z. B. christlich heißt, es so auch von ganz Israel heißt, es hat Christum aufgenommen.“ S. die Schrift vom jüngsten Gericht. Aehnlich Philippi: „Wiederaufnahme des Volks Israel in die Theokratie“ (!), wie sich noch heute sagen lasse, „daß das ganze, christliche Europa der σωτηρία theilhaftig geworden sei.“ †) So Balduin. Unter πλήρωμα τῶν ἐθνῶν kann aber unmöglich etwas anderes als die ganze Heidenschaft verstanden werden, wie V. 12 unter dem πλ. τοῦ Ἰσραήλ die volle Zahl Israels. Harleß schreibt zu Ephes. 1, 23.: „Ich betrachte es als ein unzweifelhaftes Resultat der geführten Untersuchung über πλήρωμα, daß es im N. T. nur im activen Sinne gebraucht werde, so daß der damit verbundene Genitiv das erfüllte Object bezeichne, daher Röm. 11, 25. τὸ πλ. τῶν ἐθνῶν: was den numerischen Begriff von ἔθνη (Heiden) vollmacht, die Gesammtheit der Heiden.“ So auch Meyer zu u. St. Auch unsere Symbole erklären πλ. für tota congregatio, s. die lat. Apologie de ecclesia p. 145. Nun kann aber schlechterdings nicht gemeint sein, daß alle Heiden ohne Ausnahme, Mann für Mann werden bekehrt werden, man müßte denn mit den Apokatastasianern wider