# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1859_S324 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 324 Wird Röm. 11, 25. 26. 27. eine noch zu erwartende solenne ꝛc. sondern in der Sache, von welcher die Rede ist, muß also anderwärts her erwiesen werden. Der gelehrte Philolog H. A. W. Meyer schreibt daher in seinem kritisch exegetischen Commentar über das N. T. zu unserer Stelle: „Καὶ οὕτω und auf diese Weise, so daß Israels theilweise Verstockung bis zum Eingange der Heidengesammtheit gedauert hat. Daß οὕτω gleich τότε (dann) sei (Tholuck u. B.), ist falsch, auch in Stellen wie Act. 7, 8.; 20, 11.; 1 Thess. 4, 17.“, (welche Stellen Philippi, wie oben bemerkt, irrig als Beweisstellen dafür anführt, daß unsere Partikel auch das zeitliche Folgen anzeige). Auch das Wörtlein οὕτω nimmt daher denen, welche aus unserer Stelle eine noch zu erwartende solenne Judenbekehrung erweisen wollen, den Ruhm, daß sie sich dabei streng an die Worte der Schrift halten. Thäten sie dies so würden sie auf ein ganz anderes Resultat kommen. Wenn der Apostel schreibt: „Blindheit ist Israel eines Theils widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden eingegangen sei, und also das ganze Israel selig werde“, so kann dies vielmehr nichts anderes heißen, als: So oder auf diese Weise wird ganz Israel selig werden, daß dem Israel, so lange bis die Fülle der Heiden eingegangen sei, Blindheit oder Verstockung zum Theil, nicht durchgängig, widerfahren ist. Die Partikel so fordert durchaus, daß der Schreiber im Vorhergehenden oder im Folgenden die Art und Weise angegeben habe, wie die Sache geschehe oder geschehen sei oder geschehen werde; da sich nun also in unserer Stelle nur mit der größten Härte auf die folgenden Worte: „Wie geschrieben steht“, beziehen läßt*), so bleibt nichts übrig, als in den unmittelbar vorhergehenden Worten die Beschreibung der Art und Weise zu suchen, auf welche das geschieht, was Paulus mit den Worten sagt: daß ganz Israel selig werden werde. Mit dem Wörtlein also hat der Apostel alle selbstgemachten Gedanken über das Seligwerden von ganz Israel abgeschnitten und den Leser auf seine eigenen vorhergehenden Worte hingewiesen. Der Sinn seiner Worte ist daher, um noch einen Schritt weiter zu gehen, dieser: Die Verstockung Israels ist nur eine theilweise, und zwar so lange eine blos theilweise, bis die Fülle der Heiden eingegangen sein wird, d. h. bis die ganze von Gott auserwählte Zahl der Heiden in das Reich Christi eingegangen sein wird, also bis an den jüngsten Tag; und so und auf diese Weise wird dann ganz Israel selig werden, d. h. alle von Gott auserwählten Juden; denn da auch nach der Verwerfung Christi durch das jüdische Volk die Heiden keinen Vorzug haben vor den Juden, da vielmehr, so lange Heiden in das Reich Gottes eingehen, auch fort und fort Juden, weil von ihnen nur einem Theile Verstockung widerfahren ist, in dasselbe eingehen werden, so wird kein von Gott zum ewigen Leben erwählter Jude dahinten *) Meyer schreibt: „Glöckler findet das Correlat von οὕτω im folgenden καθώς. Aber das: und also das ganze Israel selig werde, würde dann zu abgerissen vom Vorigen dastehen; auch pflegt Paulus sonst nicht: also, wie geschrieben steht, zu citiren.“