# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1859_S323 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wird Röm. 11, 25. 26. 27. eine noch zu erwartende solenne ꝛc. 323 II. Ein zweiter Grund, warum die jetzt fast allgemein gewordene Auslegung unserer Stelle dem wahren Sinne des heiligen Geistes ohne Zweifel entgegen ist, liegt in dem Wörtlein „also“, griechisch: οὕτω. Diejenigen, welche aus unserem Texte eine noch zu erwartende solenne Judenbekehrung erweisen wollen, übersetzen nehmlich die Partikel οὕτω gewöhnlich als eine Zeitpartikel, und müssen das thun, um den von ihnen gewünschten Sinn darin zu finden. Selbst der sonst so vortreffliche Schriftausleger Friedrich Balduin übersetzt dieselbe: „tum demum“ (alsdann erst); unter den neueren Exegeten in seinem Commentar zum Römerbrief Krehl: „hierauf oder nach dem.“ Andere zwar getrauen sich nicht der griechischen Sprache zum Troß die Partikel mit „darnach“ geradezu zu übersetzen, aber ihrer vorgefaßten Meinung zu Gunsten nehmen sie den Begriff einer Zeitbestimmung, nehmlich des zeitlichen darauf Folgens, in ihre Uebersetzung mit auf. Rückert übersetzt: „Und nach Erfüllung dieser Bedingung, oder: wenn dies wird geschehen sein;“ Olshausen: „Nach Eintritt dieser Verhältnisse.“ Philippi: „So d. i. (?) wenn dies geschehen, nämlich wenn das Heidenpleroma eingegangen sein wird, vgl. 5, 12.; Apg. 7, 8. 20, 11.; 1 Cor. 11, 28. 14, 25.; 1 Thess. 4, 17.; Hebr. 6, 15.“ Philippi setzt hinzu: „Es ist also nicht nothwendig zu erklären auf diese Weise, nämlich so daß Israels theilweise Verhärtung bis zum Eingange des Heidenpleromas gewährt hat.“ — Wer gibt aber diesen Exegeten das Recht, οὕτω in einem anderen Sinn zu nehmen, als der griechische Sprachgebrauch, ebenso wie der deutsche in der Partikel so und also, zuläßt? Es ist wohl richtig, daß die Partikel οὕτω Sätze einführt, welche den Begriff der zeitlichen Folge zulassen, aber damit ist noch keineswegs bewiesen, daß jene Partikel die zeitliche Folge im Satze andeute. Wo auch immer unsere Partikel vorkommt, immer hat sie die Bedeutung von: Auf diese Weise, auf solche Art. Kann der Uebersetzer in vielen Stellen noch den Begriff sodann, darnach noch mit hinzunehmen, so kann er das Recht hierzu nicht aus der Bedeutung der Partikel, sondern er muß es anderwärts her erweisen. Und damit ist es denn klar, wenn die Ausleger meinen, der Apostel wolle sagen, wenn die Fülle der Heiden werde eingegangen sein, dann werde noch eine große Judenbekehrung folgen, so müssen sie diese Meinung aus anderen Stellen erweisen, in unserer Stelle lesen wir davon nichts. Was die Bedeutung unserer Partikel betrifft, so hat schon der accurate Bengel gemerkt, daß die Uebersetzung derselben mit „dann“ unhaltbar sei. Er schreibt: „Non dicit: et tunc; sed majore vi: et sic“ (Paulus sagt nicht: und dann; sondern mit größerem Nachdruck: und so). Er fährt zwar fort: „quo ipso τὸ tunc includitur“ (worin eben das Dann eingeschlossen ist); allein, so wahr es ist, wie gesagt, daß der Begriff von Dann in dem Begriff des So eingeschlossen sein oder vielmehr hinzugedacht werden kann, so wahr und gewiß ist es zugleich: daß jener Begriff in diesem eingeschlossen sei oder hinzugedacht werden kann, dies hat nicht in der Bedeutung des Wörtleins so seinen Grund,