# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1859_S319 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 319 nicht um dieser Lektüre willen nach Cayenne befördert zu werden. Die Elsasser wollten es Wucherer „nahezu zur Sünde rechnen, daß Wucherer gegen ihre Obrigkeit also aufträte.“ Die Gemeinde der Irvingianer in Berlin hat, wie die Nat.⸗Z. schreibt, so sehr an Gliedern zugenommen, daß sie daran denkt, sich eine Kirche zu bauen. Die Baptisten in Deutschland (zunächst in Hamburg) haben vom 22. bis 25. April ihr fünfundzwanzigjähriges Jubiläum feierlich begangen. Es war nehmlich am 22. April 1834, als sich Oncken mit noch sieben anderen taufen ließ, womit der Grund zu der baptistischen Secte in Deutschland gelegt worden ist. Romanisiren. Unter dem Titel: „Vom Katholisiren“, ist vor kurzem in Sachsen eine Schrift erschienen. Verfasser ist C. M. Zimmermann, Pf. in Döbeln. Bei Gelegenheit einer Anzeige dieser Schrift im Sächs. Kirchen⸗ und Schulblatt vom 28. Juli wird u. A. Folgendes über das Romanisiren geschrieben: „Man kann romanisiren nach zwei Seiten, nach kirchlicher und nach rationalistischer, durch falsches Betonen kirchlicher Objectivität und Autorität und durch pelagianisches Betonen der eigenen Tugend. Es gibt romanisirende Neigung hie und da auch nach jener Seite, besonders in lutherischen Kreisen innerhalb der Union. Man stellt etwa die Rechtfertigung zurück gegen die Sacramente; oder fordert den Episkopat als eine „göttliche Institution die zur wahren Kirche gehört“; oder fordert bei Strafe der Excommunication Gehorsam gegen das Amt in Allem was nicht wider Gottes Wort sei, auch in äußerlichen Dingen; oder ist nahe daran alles kirchliche Handeln, wie z. B. die Confirmation, unbedingt wirkungskräftig machen zu wollen; oder an der Schönheit und dem Alterthum kirchlicher Ordnung mehr Gefallen zu finden als an der nüchternen Wahrheit; oder man scheidet in der Ethik die ordinäre Berufsarbeit von dem besonderen Thun, durch das man Gott diene, wozu man durch jene nur eben „Zeit und Freiheit“ gewinne und dergl. Aber das Alles sind nur einzelne Neigungen, denen man wohl um der evangelischen Wahrheit willen widerstehen muß, die aber wohl nicht eine so zusammenhängende Richtung bilden, daß die Hauptkraft des Kampfes vor Allem hiegegen gerichtet sein müßte. Den Gegensatz dazu bildet eine Richtung, welche sich mit Bewußtsein antikatholisch nennt und sich darauf etwas zu Gute thut und doch gründlich romanisirt — das ist die rationalistische. Seit Sartorius in den zwanziger Jahren die Verwandtschaft des Rationalismus und Romanismus — damals eine Thorheit in den Augen der Stimmführer — ausgesprochen und nachgewiesen, ist diese Behauptung zu immer allgemeinerer Anerkennung gekommen. Die Verwandtschaft liegt vor Allem im pelagianischen Zug, der beiden Seiten eigen ist und welcher das Selbstwerk des Menschen betont auf Kosten der ausschließlichen Begründung des Heils in der objectiven Gnade Gottes. Dieses Romanisiren ist es vornämlich, welches in der angeführten Schrift durch die einzelnen Lehren und Bethätigungen kirchlichen Lebens hindurch verfolgt wird in einer Weise, die wohl geeignet ist, den Gegenstand etwa in Thesen formuliren zu lassen, um diese dann Conferenzen, wie z. B. der bevorstehenden Dresdner Pastoralconferenz, zur Besprechung zu unterbreiten — eine Absicht, die sich auch in der Widmung dieser Schrift ausspricht.“ Dr. von Harleß hat während der letzten Kriegsbewegungen in Deutschland ein Schriftchen herausgegeben mit dem Titel: „Wie Geistliche sich in Kriegszeiten verhalten sollen. Eine Stimme Luthers an die Zeitgenossen“ (bei Teubner in Leipzig); die drei Hauptfragen, die darin besprochen werden, sind: 1. was Gott in den Zeichen der Zeit uns predige; 2. wie zu dieser Frage die Pflicht des einzelnen Berufs im allgemeinen zu stehen komme; und 3. wie wir im sonderlichen und einzelnen unseres Berufes also warten, daß wir nicht die Schranken überspringen, sondern Maß halten, Gottes Wort recht theilen und in der Regel bleiben, welche nach eines jeglichen Gabe und Aufgabe ihm gestellt ist. Im Büchlein heißt es u. A.: „Zum Kriege an sich zu rufen, ist nicht unsere Sache; ist aber der Ruf zum Kriege erschallt, dann ist es unsere Sache, zu bezeugen, daß ohne sittlich⸗religiöse Erhebung die nationale Erhebung wurmstichig sei, und daß die rechte Erhebung nicht in Selbsterhöhung, sondern in Selbstdemüthigung besteht.... Es wäre übel bestellt mit dem Gedanken an eine uns innewohnende nationale Herrlichkeit, deren Besitz sittlich wie politisch gar manchem Zweifel unterliegt. Daran aber ist vor Gott und Menschen erlaubt zu denken, daß, um die Gewaltigen vom Stuhle zu stürzen, Gott die Niedrigen erhöht. Und das können wir nicht bedenken, ohne selbst niedriger zu denken. Wehe uns, so wir vergessen wollten, vor Gott uns selbst zu niedrigen.“ „Den Gedanken aber hieran predigen uns laut die Fügungen, unter welchen es jetzt zum