# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1859_S308 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 308 Wird Röm. 11, 25. 26. 27. eine noch zu erwartende solenne ꝛc. Briefen St. Pauli, von denen er schreibt: „In welchen sind etliche Dinge schwer zu verstehen.“ 2 Pet. 3, 16. Gott hat, indem Er Seinem heiligen Worte diese Beschaffenheit geben ließ, außer Zweifel seine heiligen und weisen Ursachen gehabt, die wir zwar nie alle ergründen werden, von denen aber einige so offen liegen, daß sie Jedermann leicht erkennt. Dahin gehören jedenfalls diejenigen, auf welche der heilige Augustinus hinweist, wenn er schreibt: „Der heilige Geist hat die heiligen Schriften auf eine herrliche und heilsame Weise also eingerichtet, daß er durch die helleren Stellen den Hunger stillen, durch die dunkleren aber den Ekel verscheuchen wollte. Denn nicht leicht wird etwas aus jenen dunkleren Stellen hervorgeholt, was nicht anderwärts völlig verständlich ausgesprochen werden sollte.“*) Und an einer anderen Stelle: „Mit dem Deutlichen weidet er, mit dem Dunklen übt er.“†) Noch ausführlicher spricht sich hierüber Quenstedt aus. Er schreibt in seiner Theologia didactico-polemica: „Gott hat nicht alles und jedes in der hl. Schrift in gleicher Weise klar und deutlich darlegen, sondern einiges in einem mehr versteckten Styl lehren wollen: 1. damit unser Fleiß im Lesen der Schrift geweckt würde; 2. damit der Ekel und die Verachtung der göttlichen Dinge abgewendet würde (denn mit Leichtigkeit Erforschtes wird meistentheils werthlos geachtet); 3. damit die menschliche Vermessenheit und Hoffarth durch die (nöthige) Mühe gebändigt würde; 4. damit wir der uns angebornen Blindheit erinnert würden; 5. damit wir nur mit Ehrfurcht, mit Heiligung unserer selbst und mit vorgängigem Gebet an die Lesung der Schrift gehen; und 6. endlich, damit eine desto heftigere Sehnsucht nach dem anderen Leben und nach der oberen Akademie in uns angezündet würde; denn haben wir an dem, was dunkel ist, die Unvollkommenheit der Erkenntniß dieses Lebens wahrgenommen, so streben wir um so brünstiger nach jenem anderen und seligen Leben, wo das Vollkommene kommen und das Stückwerk aufhören wird, 1 Cor. 13, 10.“ (Part I. cap. 4. sect. 2. quaest. 12. fol. 178.) Nur zu oft geschieht es jedoch, leider! daß die Dunkelheit gewisser Stellen dazu nicht dient, wozu die himmlische Weisheit die Schrift damit bekleidet hat. Zahllose Lehrer und Ausleger fallen auf ein falsches und schädliches Verständniß vieler der dunkleren Stellen der Schrift. Schon Petrus, wenn er von den Paulinischen Briefen bezeugt hat: „In welchen sind etliche Dinge schwer zu verstehen“, setzt hinzu: „Welche verwirren (στρεβλοῦσιν=verdrehen) die Ungelehrigen und Leichtfertigen, wie auch die andern Schriften, zu ihrer eigenen Verdammniß.“ 2 Pet. 3, 16. Während aber viele, welche der Belehrung Gottes in seinem Worte nicht offen sind, theils aus völligem *) Magnifice et salubriter Spiritus Sanctus scripturas sanctas ita modificavit, ut locis apertioribus fami occurreret, obscurioribus autem fastidia detergeret. Nihil enim fere de obscurioribus illis eruitur, quod non planissime dictum alibi reperiatur. (De doctrina christ. lib. 2. cap. 7.) †) Pascit manifestis, exercet obscuris. (Tract. 45 in Joh. 10.)