# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1859_S301 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Correspondenz nach Deutschland. 301 welchen Mangel in der Darlegung der Lehre und durch welche einseitige Behauptungen gegenüber unsern Gegnern wir doch diese Besorgniß erweckt haben könnten, so müssen wir zur Ehre Gottes und zum Steuer der Wahrheit sagen, daß uns unser Gewissen Zeugniß gibt, nie wissentlich und willentlich auch nur durch schiefe, einseitige, ungebührliche Darlegung die Wahrheit gebeugt oder in etwas verrückt zu haben, sondern daß uns auch bis heute unsere Gegner dies nicht in irgend einem Stück in Wahrheit haben nachweisen können. Wohl müssen wir in Bekämpfung der hierarchischen Gegensätze, die sich hier geltend machen, immer und immer wieder dieselben Wahrheiten bezeugen, ja sie besonders hervorheben, aber damit thun wir nur Gottes Willen und unsere Pflicht, thun nur, was in ähnlichen Fällen die Propheten, was Jesus und die Apostel, was alle treuen Lehrer und absonderlich Luther je und je gethan haben, was letzterer in der Vorrede zu seinem kleinen Katechismus allen treuen Pfarrherren zur Pflicht gemacht hat, nämlich gerade das Stück der Lehre, welches absonderlich noth thut, auch mit besonderem Fleiß zu treiben. Es ist auch freilich bei unsern Gegnern nicht etwa, wie bei Ihnen, liebende Besorgniß, wir möchten in der Hitze des Streits zu weit nach der andern Seite hin gehen, wenn sie immer schreien, daß wir in Betonung der Rechte des allgemeinen Priesterthums extrem würden, sondern unvermögend, der ihnen vorgehaltenen Wahrheit siegreich zu begegnen, häufen sie diesen unbegründeten Vorwurf auf uns, um die Aufmerksamkeit von ihrer kläglichen Niederlage abzulenken und ihren längst überwundenen Irrthum immer und immer wieder mit dreister Stirn behaupten zu können. Sie werden dies, wenn Sie etwa selbst mehr und mehr in ähnliche Kämpfe verwickelt werden sollten, bald aus eigner Erfahrung kennen lernen und sehen, daß man derlei zähen Gegnern immer und immer wieder zurufen muß: ihr greift mit frevelnder Hand in die heiligen Rechte der Christen. Aber lassen Sie sich durch das Geschrei solcher Leute nicht den Blick trüben, sondern fahren Sie fort, sich von allen, auch den letzten Consequenzen der falschen Lehre über Kirche und Amt los zu machen. Wir sind ja für jede brüderliche Ermahnung, doch mit Vorsicht zu machen, daß wir in der Hitze des Streits nicht zu weit gehen, nur von Herzen dankbar. Wenn Sie aber, von irrigen Voraussetzungen und unklaren Anschauungen mißleitet, mehr als dies thun, wenn Sie abermals das Bedenken aussprechen, daß wir in diesem Stück wirklich schon zu weit gegangen sein und uns einer einseitigen Hervorhebung der Rechte des allgemeinen geistlichen Priesterthums gegenüber andern Theilen der Lehre schuldig gemacht haben dürften, und wenn Sie sich dabei zunächst auf die Antrittspredigt des Hrn. P. Beyer in Altenburg berufen, so sollte es uns freilich leicht sein zu beweisen, theils wie P. Beyer, trotzdem daß er sich dies, seinem Texte gemäß, gar nicht zur Aufgabe gestellt hatte, wir auch keine Veranlassung haben, unsern Gemeinden, die gar nicht anders wissen und glauben, die Lehre von der göttlichen Stiftung des Predigtamtes selbst da, wo es der Text nicht erheischt, doch immer zu predigen, gleichwohl das, was Sie vermissen, wirklich und wiederholt, wenn auch mit