# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1859_S300 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 300 Correspondenz nach Deutschland. gar wohl abfühlten, wie Sie vielfach durch eine sonst so ehrenwerthe und Gott gefällige, in Sachen des Glaubens und der Lehre aber, die ja nicht unser sind, übel angebrachte und Gott mißfällige Pietät gegen angesehene Männer der Kirche Deutschlands behindert wurden, mit derjenigen Bestimmtheit und Entschiedenheit zu urtheilen, die das Bekenntniß göttlicher Wahrheit, zumal in Zeiten des Kampfes, erfordert, und nehmen Sie unsere früheren Zeilen ganz in dem Sinn auf, daß wir in herzlicher brüderlicher Liebe unser Scherflein dazu beitragen wollten, jenes Hinderniß zu beseitigen und Ihnen, ob Gott wollte, die Lehrgegensätze unserer Zeit mit ihren Consequenzen schärfer zum Bewußtsein zu bringen. Nun, der HErr, der wunderbare Gott, hatte, noch ehe unsere Zeilen an Sie gelangen konnten, selbst schon zu einem großen Theil gethan, was wir wollten; hatte Sie durch traurige Vorkommnisse in der lutherischen Kirche Deutschlands, die auch unsere Herzen tief betrüben, bereits überzeugt, daß es sich in dem Kampf unserer Tage um Principien⸗Fragen, um Artikel unseres kirchlichen Bekenntnisses handle, die wir in ihrer ganzen, ungeschmälerten Geltung behaupten müssen. Dafür sei dem treuen Gott und Vater, der sich unser aller so herzlich annimmt, von Grund unserer Seelen Lob und Dank gesagt. Er tröste Sie reichlich mit dem süßen Trost seines heilwärtigen Evangelii über den Schmerz, daß Sie erkennen müssen, in diesem Stück früher gefehlt zu haben. Das offenherzige Bekenntniß dieses Fehls aber hat uns, die wir meist alle vor längerer oder kürzerer Zeit mehr oder minder selbst an dem gleichen Gebrechen krankten, beschämend gedemüthigt und Sie unseren Herzen nur noch theurer und werther gemacht. — Wenn Sie denn im Verlauf Ihres Briefes sagen, daß Sie mit Hülfe unserer Erklärung nun auch Thesis VII., Theil II. des Walther'schen Buches recht verstünden, ihr beipflichteten, ja ganz die Wichtigkeit und Bedeutung anerkenneten, die wir derselben für die Lehre vom Amt beilegen und überdies versichern, daß Sie in Allem, was wir über Kirche und Amt in unserm Brief geschrieben haben, nicht Einen Satz wüßten, darinnen Sie nicht ganz unserer Meinung seien: so konnte uns dies unumwundene Zeugniß von Ihrer Uebereinstimmung mit uns natürlich nur von Herzen erfreuen und uns mit Dank gegen Gott erfüllen. Fragen Sie doch darauf hin selbst: was könnte mich nach dem Gesagten noch abhalten, mit Euch ganz Ein Herz und Eine Seele zu sein? — Gleichwohl haben Sie noch einige Bedenken gegen uns, nicht zwar in Bezug auf die Principien der Lehre, wohl aber in Bezug auf unsere Praxis, und sprechen dieselben frei und offen aus. Für Letzteres danken wir Ihnen herzlich und ersuchen Sie dringend, sich davon ja nie durch irgend etwas abwendig machen zu lassen, da dies der einzig sichere Weg zu einer endlichen und völligen Verständigung ist, die wir ja beide von Herzen wünschen. Ihre Bedenken sind aber im Grund noch die alten und zwar im Allgemeinen ist es zunächst wieder die Besorgniß, daß wir einseitig das allgemeine Priesterthum aller Gläubigen gegenüber anderen Theilen der Lehre zu sehr hervorheben dürften. Wenn wir uns nun noch so sehr fragen, durch