# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1859_S288 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 288 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. man von der ersteren abgefallen ist, will man von der letzteren nichts wissen, die die Treue gegen erstere auf die Probe stellt. Nichtsdestoweniger fand auf dieses Gutachten das Ministerium es bedenklich, die angesuchte Erlaubniß zur Benutzung des Lehrbuches zu ertheilen. Lippe. Hier hat ein römisch⸗kath. Glied der Ritterschaft gegen die gesetzliche Einführung des Heidelberger Katechismus protestirt, weil in der Antwort auf die 80. Frage die Messe (ganz richtig) eine vermaledeite Abgötterei genannt wird. Der Cultusminister des Landes hat deshalb den Predigern Anweisung gegeben, daß sie beim Unterricht diese Antwort umgehen sollen! In den Löhe'schen Mittheilungen aus und über Nord-Amerika, No. 6. d. J., lesen wir einen Brief eines Chiliasten der Synode von Jowa: „In der Nähe von Schieferdecker bekommen wir eine Gemeinde von Oesterreichern, die der Würtenberg⸗Bengelschen Richtung sind, und von Missouri um des Chiliasmus willen verwaist gelassen wurden.“ (Soll heißen: welche, von Schieferdecker indirect aufgewiegelt, einen Missourischen Prediger verjagt haben, in dessen Stelle wir nun eilends geschlüpft sind.) „Schieferdecker selbst wird sich anschließen, wenn er mit uns persönlich zusammengekommen ist, wie er sagt.“ (So viel wir wissen, ist die Sache anders. Die Schieferdecker Treugebliebenen sind meistens Leute, die schon früher Feinde der Synode, als solcher, waren, die daher demselben durchaus nicht erlauben wollen, daß er ihnen das „Synodaljoch,“ das sie mit so guter Manier abgeschüttelt haben, wieder auf den Hals lege.) „Aus Missouri sind neuerdings zwei Pastoren um des Antichiliasmus der Missourier willen ausgetreten, Kilian in Texas, Harms bei Schieferdecker.“ (Das ist einer von den vielen Bären, welche jetzt die chiliastischen Jowaer ihren deutschen Geldsendern zu schuldigem Danke und Troste aufbinden.) „Past. Dörfler kehrt aus der Buffalosynode zu uns zurück. Buffalo wünschte es wegen des Chiliasmus.“ (Sehr euphemistischer Bericht!) „Alles regt und rührt sich und ist in Gährung. Dazu kommt nun auch unser Synodalbericht.“ (Man sieht, diese Schwarmgeister freuen sich, daß sie so wichtige Personen sind, die die Kirche beunruhigen können. Sie sollten aber bedenken, daß auch ein loser Knabe Feuer anlegen und Verwirrung und Herzeleid genug anrichten kann. Gebe Gott, daß diese unerfahrenen, leichtfertigen Menschen schon hier mit Leid einsehen lernen, wie furchtbar die Schuld ist, die sie durch ihre Rottereien gehäuft haben.) Dr. Ernst Sartorius, Generalsuperintendent zu Königsberg, bekanntlich einer der eifrigsten Mitarbeiter an der Berliner Ev. Kirchenzeitung, starb im Juni dieses Jahres, wie genannte Zeitschrift in der Nummer vom 15. Juni berichtet. Ps. 51, 17. Es müssen einem rechten gottesfürchtigen Diener des Worts fürwahr die Haare allezeit gen Berge stehen, so oft er auf den Predigtstuhl steiget, und ihm hoch vonnöthen ist, daß er sage mit dem lieben David Ps. 51, 17.: HErr, thue auf meine Lippen, alsdenn wird meine Zunge dein Lob verkündigen. Und wohl dem, deß Mund und Zunge also gereiniget und poliret wird. Dieser mag sich mit dem Apostel hier rühmen einer neuen und gelehrten Zunge; als sich denn Christus derselben rühmet Es. 50, 4. (Luther in der Pr. von dem herrlichen Mandat Christi. IX, 2701.) Anecdoten für Pfarrer. „Wie viel bringt Ihnen Ihre Pfarre ein?“ fragte ein Bischof bei Bereisung seines Sprengels einen Landpfarrer. — „Eben so viel, als Ew. Excellenz Ihr Bisthum,“ antwortete der Pfarrer, „entweder die ewige Seligkeit oder die Hölle, je nachdem wir das Amt verwalten, das uns Gott anvertraut hat.“ Der Satyriker Piron hörte einst eine Predigt, die mit zunehmend mächtiger Gesticulation der Arme und des Oberkörpers vorgetragen wurde. Da er nun die Ursache bald genug merkte, sagte er zu seinem Nachbar: Sehen Sie nur, wie er sich durch Schwimmen zu retten sucht. —