# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1859_S285 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 285 Schriftstelle für sie aufbringen kann. Wo giebt es denn eine solche für den Chiliasmus? Etwa Offb. 20, 4.? Hat jemand schon den sichern Schlüssel zu der Offb. Johannis gefunden? Allen Respect vor den Bemühungen neuerer Schrifterklärer! Doch das redet uns niemand ein, daß die räthselhaften Weissagungen schon mit Glaubensgewißheit gedeutet werden können, weder im Ganzen noch im Einzelnen. Vermuthungen, Wahrscheinlichkeiten sind es, bis wohin man es gebracht hat, nichts mehr. Daß Offb. 20. ein tausendjähriges Reich und eine erste Auferstehung gelehrt wird, kann niemand leugnen. Was aber darunter zu verstehen ist, weiß bis jetzt niemand, wenn er sich auch durch die ganze Offenbarung hindurchphantasirt hat. Und doch sollte eine Lehre des Fortschritts, eine kirchliche Lehre daher genommen werden können? Ist denn das ohne Glaubensgewißheit möglich, oder wird man so zuversichtlich sein, eine solche mit Glaubensgewißheit aus einer dunkeln Stelle zu schöpfen? Nie wird sich die Kirche dazu entschließen, auch nur Eine ihrer Lehren auf einen solchen Sand zu gründen. Es ist sehr zu bedauern, daß in diesen Neuerungen das Haupthinderniß liegt, weßhalb sich die Jowaer den übrigen Lutheranern nicht anschließen sollen oder wollen. Es ist zu besorgen, daß aus diesem Verhältniß über kurz oder lang ein entschieden feindseliges wird. In der Absicht, Fortschritte in der Lehre zu machen, wird man den Fortschritt der lutherischen Kirche in Amerika hindern, und der Segen, welchen die Jowaer von Neuen⸗Dettelsau mitgebracht haben, wird durch den viel größern Unsegen der kirchlichen Spaltung und der eigenwilligen Neuerungen bedeutend verkümmert werden, wenn nicht gar die Synode durch ihre Fortschritte auf gefährliche Bahnen gezogen wird. Es ist das Eigenthümliche und Verhängnißvolle der amerikanischen Entwickelung, daß sie die mitgebrachten falschen Keime rasch zeitigt und zur gefährlichen Herrschaft bringt. Nirgends ist Behutsamkeit nöthiger als dort. Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Amerika. Im Luth. Observer vom 8. Juli vertheidigt ein Correspondent das öffentliche Vorbeten auch der Weiber in den gottesdienstlichen Versammlungen. Er macht dabei die Instanz: dann dürften auch „ihre süßen Engels⸗Stimmen in unseren öffentlichen Versammlungen nicht gehört werden.“ — In demselben Blatt vom 15. Juli schreibt ein Einsender: „Die Versammlung (der Generalsynode) zu Pittsburg hat das Band unserer Union gefestigt und gezeigt, daß uns keine die Lehre oder die Disciplin oder die Verfahrungsart betreffende Frage je auseinander reißen kann. Wir sind Eins und untrennbar. Unsere Union ist auf gegenseitige Concession basirt. Wir haben eine Lection gelernt, welche unsere Väter nicht lernen konnten: zu geben und zu nehmen.“ Vortrefflich! Allerdings verstanden es die ehrlichen Väter noch nicht, Gottes Wort und Wahrheit um irdischen Friedens willen zu verschachern; vielmehr sahen sie es für eine Sache des Antichrists an, von Gottes Geboten gegenseitig zu dispensiren. Weiter unten schreibt derselbe Einsender: „Herr Ludwig unterschreibt gewissenhaft die ungeänderte Augsb. Conf. und spricht jedermann das Recht ab sich Lutheraner zu nennen, der nicht dasselbe thut. Hat