# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1859_S284 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 284 Aus der Kirche. ihrer Behauptung ist es ihnen nicht um Neuerungen, sondern um Fortschritt zu thun. Darauf geht besonders ihre Meinung, daß die Symbole nicht mehr haben festsetzen können, als was durch den Kampf der Zeit hindurchgegangen ist. Nur für ihre Zeit haben sie die Lehre zum Abschlusse gebracht. Andere Zeiten bringen aber anderes und Neues hervor und verlangen deshalb neue Bestimmungen. Wollte man die Kirche in die Formeln alter Lehrbestimmungen bannen, so müßte sie stehen bleiben, wo sie steht. An einen Fortschritt wäre nicht mehr zu denken. Wo aber kein Fortschritt ist, da ist der Tod. Wir lassen uns das sehr gern gefallen, behalten uns indeß das Recht vor, die Fortschritte zu prüfen. Wir werden uns den Baum besehen, ob er neue Schüsse gethan hat, oder ob man seine edlen Zweige gekappt und Pfropfreiser von Wildlingen eingefügt hat. Wollen wir von theologischen und wissenschaftlichen Fortschritten absehen und nur die eigentlichen kirchlichen Fortschritte in Frage ziehen, so bestehen diese darin, daß eine neue Lehre gewonnen wird, welche für den Bestand und das Wohlsein der Kirche so wie des Lebens in ihr von Bedeutung sind. Es muß aber stark bezweifelt werden, daß unsre Zeit zu diesen letztern Fortschritten wirklichen Beruf hat. Es fehlt schon die nothwendigste Voraussetzung eines kräftigen kirchlichen Lebens, aus deren Grunde eine gesunde Fortentwickelung hervorgehen kann. Wir sind noch nicht einmal so weit, daß wir die festen und unentbehrlichen Grundlagen der Kirche wieder zur Geltung gebracht haben. Wo soll da ein Fortschritt herkommen, wenn wir alle Hände voll damit zu thun haben, nur erst das schon längst Gewonnene uns anzueignen und der Kirche zu ihrem alten Besitze zu helfen? Wir sehen daher auch, daß das, was man bis jetzt für Fortschritt ausgegeben hat, nur dahin gediehen ist, die Verwirrung und Parteiung zu mehren, und weit entfernt, die Kirche zu bauen, der Kirche an ihrem Wachsthume in der Einheit hinderlich ist. Die Erfahrung spricht nicht dafür, daß wir in der Zeit des Fortschrittes leben. Gott kann freilich Männer erwecken, welche mitten in der Verwirrung Ordnung schaffen und den Bau mit starkem Geiste weiter führen. Wir müssen aber doch warten, bis sie erscheinen und ihren Beruf erweisen. Von den jetzt Lebenden wird es keinem ohne Zeichen und Wunder gelingen, die verwirrte Zeit zu beherrschen und zu vereinigen. Verwundern muß man sich aber, daß die Lehren über Kirche und Amt, wie über das tausendjährige Reich, wie sie Löhe aufgestellt hat, zu diesen Fortschritten gehören sollen. Was ihre Lehre über Kirche und Amt anbetrifft, so fehlt ihr schon ein nothwendiges Erforderniß, Kirchenlehre zu werden, nämlich die Einfalt, die Klarheit und Festigkeit. Man befindet sich bei der Lehre in einem gewissen Halbdunkel, welches auf eine Mischung von Licht und Finsterniß hinweist. Mit den lutherischen Symbolen stimmt sie wenigstens nicht. Noch merkwürdiger ist es aber, daß selbst die Lehre vom tausendjährigen Reiche zu einer solchen Lehre gemacht wird, welche in den bedeutsamen Lehrgehalt der Kirche übergehen soll. Wie ist das möglich? Das erste Erforderniß für jede kirchliche Lehre ist, daß man eine klare unzweideutige