# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1859_S282 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 282 Aus der Kirche. will, der denkt sich eine Kirche, welche aus Eingeben des heiligen Geistes durch sich selbst auf die Wahrheit kommt, wohl in der Schrift, aber nicht in der Lehre irre gehen kann. Das wäre noch etwas mehr, als die Katholiken behaupten, welche ihre Kirche weder in der Lehre, noch in der Schriftauslegung irre gehen lassen. Aber soll denn alles, was von Schriftauslegung in den Symbolen vorkommt, bindend sein? Gewiß nicht. Deshalb unterschied man ehemals schon in der Schrift die Stellen, welche ausdrücklich von einer Lehre handeln, von solchen Stellen, welche untergeordnete Bedeutung haben und nur zur Erläuterung der Hauptstellen dienen oder von diesen Licht empfangen. Es kann gar nicht schwer werden, hiernach auszumitteln, wie weit die Schrifterklärung in den Symbolen bindend sein soll. Eine richtige Auffassung der Symbole geht daher nicht, wie die Jowaer thun, von einzelnen abgezogenen Lehrsätzen, sondern von dem Schriftbeweise aus, und bestimmt darnach das Uebrige. Das wäre historisch und lutherisch zugleich. Für's andere muß der Schriftbeweis im Ganzen des Schriftzusammenhanges angesehen werden. Unsere Kirche geht bei ihrem Schriftbeweise nicht bloß von einzelnen Stellen aus, um die Lehre herauszuziehen, als wollte sie dieselbe erst finden. Sie hat schon aus dem Schriftganzen den Schlüssel gefunden, mit welchem man die einzelnen Stellen eröffnen muß, was sie damit bekennt, daß sie Schrift durch Schrift erklären will. Auch darüber lassen die Symbole keinen Zweifel. Es ist die Glaubensgerechtigkeit, von welcher ihre Schriftauslegung beherrscht wird, nach welcher sie jeden Lehrsatz richten und gestalten. Man verstehe das aber nicht im Sinne mancher neueren Theologen, welche nicht die lutherische, sondern ihre eigene verdünnte Rechtfertigungslehre zum Maßstabe nehmen. Die Rechtfertigungslehre der Symbole entfaltet sich in den Lehren von der Sünde, von Gesetz und Evangelium, von der Heilsordnung, von der Person und dem Werke Christi und von den Heilsmitteln. Genau geredet dient jede wesentliche Lehre eine neue Seite der Rechtfertigung an das Licht zu bringen. Für die Auffassung der Symbole ist es daher unerläßlich, ihre Schriftauslegung vom Standpunkte der Rechtfertigung aus zu betrachten. Thut man das, so wird man bald finden, wie zusammenhängend und in sich geschlossen und einig die Anschauung der Symbole ist. Ist man mit ihnen in dieser Hauptsache einig, so fühlt man das Bedürfniß nicht mehr, einen Extract zu machen, welcher für den Fünftelsaft der Symbole gelten soll. Daß die Jowaer davon gar nicht reden, diesen Hauptpunkt nicht einmal berühren, das ist ein übles Zeichen. Sie scheinen durch eine andere Thür in die Symbole hineingehen zu wollen. Wenn ferner der Bericht zu verstehen giebt, daß die Symbole ein Kind ihrer Zeit sind, so ist das insofern richtig, als sie aus den Kämpfen der Zeit geboren sind. Es kann hier Irrthümliches in der Auffassung der gegnerischen Lehre mit unterlaufen, wie denn die Darstellung der Lehre A. Osianders schon früher in Anspruch genommen ist. Es ist das aber von gar keiner Bedeutung. Wir wollen aus den Symbolen keine Dogmengeschichte studiren. Die Form, in welcher eine Lehre verworfen wird, kann uns richtig zeigen, wie man nicht