# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1859_S279 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber den Kastenunterschied in Ostindien. 279 licher Liebe handelt, da werden wir sie auch, dafern sie nur sonst die rechte Herzensstellung haben, bereit finden. Z. B. auf meiner letzten Reise von Trankebar nach Madras wurde ich von einem Scorpion gestochen. Mein tamulischer Gehülfe bemerkte es, und ehe ich noch ein Wort darüber geäußert hatte, eilte er auf mich zu, ergriff mit großer Hast meinen verletzten Finger und sog etwa eine Viertelstunde lang das Gist aus demselben, wodurch sich der Schmerz sehr linderte, allen übeln Folgen aber vorgebeugt wurde. Mit mir essen würde der Mann allerdings nicht, denn eines Theils würde er nicht begreifen, wie er mir damit ein Zeichen der Liebe geben könnte, andern Theils würde er nicht gegen Brauch und Gewohnheit seines Volkes verstoßen wollen. Daß er aber weder in dem Vorurtheil, er verunreinige sich durch Gemeinschaft mit mir, befangen, noch daß Mangel an Liebe und Dankbarkeit ihn abhält: das zeigte er hiermit, denn er scheute sich nicht, in noch viel innigere Berührung mit mir zu treten, ja selbst mein Blut einzusaugen, da es sich hier wirklich um eine Wohlthat und einen Liebesdienst handelte. In ähnlicher Weise muß man auch vorsichtig in seinem Urtheile sein über die Versagung der Tischgemeinschaft unter den Eingebornen selbst. Auch hier würde man ihnen oft mit Unrecht Hochmuth oder Lieblosigkeit vorwerfen, während es sich nur um Sitte und Gewohnheit handelt. Ein Beispiel, wie zwischen zwei in herzlichster Liebe Verbundenen doch keine Tischgemeinschaft stattfindet, möge dies anschaulich machen. — Die Mutter unseres Munschi Samuel wurde sammt ihrem Mann erst in reiferen Jahren vom verstorbenen Mis. Bärenbruck in Mayaveram getauft. Da beide Eheleute Sivaiten gewesen, also an Fleischspeisen durchaus nicht gewöhnt waren, so läßt sich leicht denken, daß sie nun auch im Alter einen Widerwillen gegen Fleisch behielten. Der Mann ist nun schon vor mehreren Jahren gestorben, aber die alte Mutter hat diesen Widerwillen bis auf den heutigen Tag nicht überwunden. Ihr Sohn Samuel indeß, der schon in früher Jugend in eine christliche Kostschule kam, hat sich darin an Fleischspeisen — mit Ausnahme des Rindfleisches — gewöhnt. Seit vielen Jahren nun leben Sohn und Mutter wieder zusammen in einem Hause und ist das innigste Verhältniß zwischen ihnen, aber bis auf diese Stunde kocht und ißt die Mutter ihre Pflanzenkost für sich allein, während auch der Sohn mit seiner Familie abgesondert von der Mutter seine Speisen bereiten läßt und verzehrt. Ja es würde die alte Mutter durchaus nicht einmal ein Kochgefäß ihres Sohnes, in dem möglicher Weise einmal Fleisch zubereitet sein könnte, für sich benutzen. Und doch ist es schon aus dem mit einander zusammen Wohnen und dem sonstigen guten Verhältniß zwischen Mutter und Sohn ersichtlich, daß weder abergläubische, heidnische Scheu oder Gehässigkeit, sondern nur durch die angestammte Gewohnheit erregter natürlicher Widerwille die Abgeschlossenheit veranlaßt. mal mehr kosten würde, als jetzt, indem die europäischen Artikel in Indien unverhältnißmäßig theuer sind, und daß somit nicht daran zu denken wäre, daß eine indische Gemeinde je ihren Pastor versorgen könnte. Anm. d. Red.