# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1859_S278 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 278 Ueber den Kastenunterschied in Ostindien. „verstanden in Uebereinstimmung mit der in den übrigen Symbolen davon gegebenen Entwicklung.“ Und dies ist gerade der Fall mit unsern skandinavischen Generalsynodisten oder unsern Landsleuten von der nördlichen Illinois⸗Synode, welche sich selbst in gewissem Grade zu dem symbolgläubigen „Flügel“ rechnen. Wir werden dies im nächsten Abschnitt weiter besprechen. Ueber den Kastenunterschied in Ostindien. Einige Züge aus der Gemeinde, mitgeth. v. Miss. Kremmer. (Zusammengestellt aus und nach einem Bericht desselben, December 1858.) Versagung der Tischgemeinschaft ist an sich nicht schon Versagung der Liebesgemeinschaft. Für den Nicht⸗Indier klingt es sehr hart, wenn es heißt: Leute aus verschiedener Kaste essen nicht mit einander, und noch härter, wenn er dazu erfährt, daß auch mit dem Europäer, weil derselbe ja zu keiner Kaste gehört, die Indier nicht essen. Nach europäischen Anschauungen fühlt man sich versucht, in solcher Verweigerung gemeinschaftlichen Essens nichts als eine recht schroffe Bezeigung von Lieblosigkeit und Verachtung zu erblicken. Aber in Indien ist es doch anders: hier wird durch die Speisegemeinschaft die bestimmte Stelle bezeichnet, die ein jeder in dem so eigenthümlich geordneten Volke einnimmt; diese Stelle aufgeben heißt demnach sein bürgerliches Ansehen innerhalb seines Volkes aufgeben. Obwohl nun jeder Hindu, auch der vornehmste Brahmine, sich durch den Umgang mit Europäern nur geehrt fühlt, so vermeidet er dennoch Tischgemeinschaft mit ihnen — also gewiß nicht, weil er sie nicht achtet, sondern hauptsächlich wegen des Aergernisses, das er durch solchen Verstoß gegen die allgemeine Sitte und Gewohnheit seinen Landsleuten geben würde. Darum würden wir auch sehr Unrecht thun, wenn wir den Katecheten und sonstigen Gehülfen der Missionare ohne Weiteres Aberglauben oder Lieblosigkeit gegen diese ihre europäischen Vorgesetzten, Lehrer und oft geradezu Freunde vorwerfen wollten, weil sie nicht mit denselben zu essen pflegen.*) Wo es sich um einen wirklichen Erweis christ⸗ *) Durchgreifende Speisegemeinschaft zwischen dem europäischen Missionar und dem indischen Gehülfen ist auch sonst — d. h. ganz abgesehen von der indischen Kasten⸗Sitte — nicht wohl thunlich. Der Hindu sitzt bekanntlich beim Essen mit untergeschlagenen Beinen auf der Erde, und bedient sich nach morgenländischer Sitte der Finger als Eßwerkzeuge; und dazu kommt dann noch, daß auch seine Speisezeiten nicht mit den europäischen in Indien zusammentreffen, und daß — was wichtiger ist — seine Speisen selbst so verschieden sind, daß ein Europäer mit seinem von Jugend auf ganz anders gewöhnten Magen dabei schwer bestehen möchte. Durchgreifendes Zusammenessen zwischen beiden Theilen könnte nur dann stattfinden, wenn entweder der europäische Missionar sich ganz hinduisiren, oder der indische Gehülfe sich ganz europäisiren könnte und dürfte. Gegen das Erstere aber ist der Umstand, daß das selbst mit Lebensgefahr verbunden sein würde und ganz gegen das apostolische „Allen Alles werden“ wäre: denn um den indischen Heiden Alles zu werden, muß man eben vor allen Dingen nicht Indier werden, sondern in seinem eignen „Geschlechte“ (so bezeichnet der Hindu die Kaste) d. i. Europäer bleiben. Gegen das Letztere aber ist außerdem der Umstand, daß dann der Unterhalt eines solchen indischen Gehülfen mindestens fünf⸗