# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1859_S277 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Urtheil eines Norwegischen Lutheraners über die Generalsynode. 277 daß sie tolerant sein soll, wo sie die views (Ansichten!) des Kirketidende nicht völlig verstehen oder theilen kann, dann will das Kirketidende dienstehrerbietigst alle Lügen und Irrthümer der Generalsynode dulden und „ernstlich und aufrichtig fortfahren, mit den amerikanischen Brüdern zusammen zu arbeiten.“ O Humbug! Heißt das seinem Herrn und Meister nachfolgen — sich damit begnügen lassen, daß die Wahrheit geduldet wird? Wäre der Herr gekreuzigt worden, wenn er bloß Duldung von den Pharisäern gefordert hätte, „wo sie seine views nicht völlig verstehen oder theilen könnten?“ Ging er etwa im übrigen Glaubensgemeinschaft mit ihnen ein und gelobte, „ernstlich und aufrichtig mit ihnen zusammen zu arbeiten?“ Nein, hätte er „dear brethren!“ zu ihnen allen gesagt und im übrigen seine Lehre bloß als „peculiar views“ angesehen und sie ungestört die ihrige haben lassen, so hätten sie ihn vielleicht auch zum Präsidenten einer Districtssynagoge oder zum Professor an einer der Districtsuniversitäten gemacht (— denn zum Generalpräsidenten oder zum Generalprofessor werden sie wohl einen „free — born“ Amerikaner gehabt haben wollen) und sie würden ihn sicherlich den „most evangelical and faithful man“ genannt haben. Aber der Herr wollte seine Lehre nicht als bloße views betrachten, die alles andere als „gleich berechtigt“ neben sich vertragen könnten, sondern er sah seine Lehre als die einzige Wahrheit an, die ein verzehrendes Feuer gegen alles andre ist. Dies bezeugte er rückhaltslos, daß diese „andern“ Kinder der Lüge wären, von dem Vater dem Teufel (Joh. 8, 44.). Darum kreuzigten sie ihn. Und damit man hierin des Herrn Fußtapfen nachfolge, soll man bei einer solchen entschiedenen Bloßstellung aller Lüge bald der Gemeinschaft seiner Leiden theilhaftig werden. Alle Welt kann uns dulden, wenn wir die Wahrheit bloß als unsre „views“ verkündigen und ehrerbietigst allen andern das Recht geben, ihre „views“ zu haben. Da kann man Frieden und Ehre haben. Sagt man dagegen: die Lehre, welche wir führen, ist Wahrheit, und die Wahrheit ist nur eine und alles andre ist Lüge und dessen Vertreter sind Apostel der Lüge, so ist es mit der Freundschaft aus. Das Kirketidende scheint darum das leichte, aber keineswegs das rechte Theil erwählt zu haben. Für Leute, welche meinen, daß alles ungefähr gleich gut ist, „wenn es nicht allzu toll ist,“ ist es natürlich nicht so gefährlich, daß die Generalsynode reformirte Lehre führt, sondern dies ist für sie eher eine Empfehlung der Generalsynode, daß sie solchergestalt fast alle Art von Lehre duldet; aber denen, welche dagegen die Augsburgische Confession als eine rechte und richtige Auslegung des Worts ansehen, und sie darum unbedingt annehmen, muß es als ein Widerspruch erscheinen, daß die Generalsynode sich lutherisch nennt und doch grundgesetzmäßig die Verwerfung und Verleugnung der lutherischen Lehre fast in den allerwichtigsten Stücken zuläßt. Nun weiß ich wohl, daß nicht bloß einzelne Lehrer, sondern auch ganze Districtssynoden dies Wesen oder richtiger Unwesen der Religionsmengerei mißbilligen, und selbst nach der Augsburgischen Confession lehren und glauben, ja die unbedingte Annahme derselben fordern, sogar mit dem Zusatz: