# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1859_S268 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 268 Unterschied zwischen der lutherischen und reformirten Kirche. Betreff der Person Christi selbst; der Gegensatz beider Kirchen in dieser Beziehung ist bekannt. Sie ist es aber auch nicht insofern, als deren Bedeutung verkannt und sie für uns zu einer vorübergehenden oder vorübergegangenen wird. Zwar ist Christus nach der reformirten Lehre auch jetzt noch Gottmensch, doch nur droben im Himmel, nicht hier unten auf Erden; wer mit Ihm Gemeinschaft haben will, muß sich zu Ihm geistig erheben, die Menschheit auf Erden ist also nach Seiner Himmelfahrt (im Sinne obiger Grundlehre) ebenso gottverlassen wie vor seiner Geburt; Seine Menschwerdung ist für sie ebenso eine vorübergegangene wie die Erscheinung des Sterns, der bei Seiner Geburt über Bethlehem stund. So wird die höchste That Gottes zu einer zeitlich vorübergehenden und verschwindenden, weil ihre Bedeutung an ihr selbst nicht verstanden ist. Ueberhaupt fällt nach calvinistischer Lehre das Hauptgewicht auf die ewige Erwählung, nicht auf die Erscheinung Christi. Wie anders nach der Tiefe lutherischer Lehre, wornach Christus und Gott in Christo fortwährend und überall gegenwärtig ist im Wort und Sacrament. Luther hat der Sache tief auf den Grund gesehen. Er schreibt zu 1 Joh. 4, 2 f.: „Der Geist der Sakramentirer leugnet gröblich, daß Christus in's Fleisch kommen sei, wenn sie sagen, das Fleisch Christi nütze Nichts; deßgleichen der Geist müsse Alles thun, die Taufe sei Nichts. Deßwegen ist er nicht von Gott, Christus ist in's Fleisch kommen, daß Er bei uns zugegen sei in der Taufe und im heil. Abendmahl. Ein jeglicher Christ nun, der dahin geht, daß er lehre, Christus thue durch die Sakramente Alles, der ist von Gott, der hört gerne von Christo und dankt dafür; denn der versteht, daß Christus seine sei und sei ins Fleisch kommen.“ Sollte nun diese Differenz wirklich eine so unbedeutende sein? Gleichwie nun diese den andern Hauptartikel christlichen Glaubens betrifft, so die andere den dritten, den vom heiligen Geiste. Nach Luther ist der heilige Geist nur einer, Seine Sprache nur eine; und zwar ist Er kein anderer als der, welcher in der Schrift zu uns redet; der Geist läßt sich vom Worte nicht trennen. Anders nach der reformirten Kirche. Zuerst werden die klaren Einsetzungsworte des heiligen Abendmahls nach Maßgabe der Vernunft ihres Wortsinns entkleidet; dann stellen Zwingli und Calvin, jeder seine eigene Lehre vom Abendmahl auf. Und das alles soll der eine heilige Geist lehren? Oder sollen wir darin nur menschliche Meinungen erkennen? Dann tritt die menschliche Vernunft und Meinung an die Stelle des heiligen Geistes, wie schon der Landgraf von Hessen gegen Oekolampad bemerkte: Die von Wittenberg stehen doch auf gewissem Text, ihr habt nur Glossen und Deutungen. Die Kirche stünde so auf menschlicher Meinung, statt auf Gottes Wort, d. i. sie hörte auf Kirche zu sein. Schwerlich war es von den Schweizern also gemeint. Luther läßt sich über diese Vielzüngigkeit des heiligen Geistes in seiner Schrift: „Kurz Bekenntniß vom heil. Sakrament“ vom Jahr 1545 in treffender Weise also aus: „Erstlich wurden sie gewarnt flugs im Anfang von dem heil. Geist, da