# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1859_S266 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 266 Das zwanzigste Capitel der Offenbarung St. Johannis. „der Theil hat an der ersten Auferstehung“ — der mit in die Reihe kommt, die Christum zum Vorgänger hat. Ein Großes wäre es, wenn nur die Kunde von der Einen Auferstehung Christi erschölle. Nun wird so davon gepredigt, daß Jeder, der die Predigt annimmt, durch seinen Glauben Antheil daran bekommt. Da jubelt dann in immer größerem Chor ein seliger Kreis: Die Eine ist die Erste! Die „erste“ verheißt eine zweite, deine und meine. — Nun ist das Geheimniß offenbar worden. Selig wollte alle Welt durch ihr Leben werden, und ein Geschlecht röchelte dem andern im Tode zu: wir sind's nicht worden, unsere Hoffnung war eine Lüge. Heilig sollte alle Welt durch ihre Werke werden, und ein Gleißner gestand es im Vertrauen dem andern, daß seine Heiligkeit Betrug, daß unter der Maske der Tugend das Herz ein Lasterpfuhl sei. Was man so lange mit Mühe vergebens gesucht hatte, wurde mit der „ersten Auferstehung“ umsonst angeboten. Selig und heilig war Jeder, der das Zeugniß von der Auferstehung Christi empfing. Und dennoch war es zugleich nöthig, die „erste“ als die Verheißung einer zweiten zu verkündigen. Denn — ein neuer Beweis, daß kein sichtbares Friedensreich in diesen tausend Jahren zu suchen ist — wer ihrer theilhaftig ward — schon der Ausdruck „Theil hat an der ꝛc.“ führt auf Christi Auferstehung — bekam nach dem Wort des HErrn: „in der Welt habt ihr Angst“ so viel zu leiden, daß er diese Seligkeit schwerlich erkannt hätte, wenn sein Ziel nicht ferner gesteckt und in einer Auferstehung, die noch kommen sollte diese „erste“ als ein bloßer Durchgang vorgestellt worden wäre. „über solche hat der andere Tod keine Macht.“ — Bis zum ersten Tode würde man lieber der Hoffnung entbehren, die uns in Christo gegeben wird, weil sie der Anfechtung zu viel bringt. Wenn daher trotz des „Selig und heilig ist“ ꝛc., das wir eben vernommen haben, der Muth noch matt bleiben sollte, so wird jetzt der Seele im heiligen Schrecken ein neuer Antrieb gegeben. Welche nämlich um des zukünftigen Lebens willen nicht „die Elendesten unter allen Menschen“ sein wollen, werden in diesen Worten daran gemahnt, daß noch „der andere Tod“, d. i. wie es V. 14. erklärt, die ewige Verdammniß im höllischen Pfuhl derer wartet, welche eine solche Seligkeit nicht achten. „sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein; und mit ihm regieren tausend Jahre.“ — Hier wird der Trost hinzugefügt, den schon in diesem Leben ein Christ hat. Nicht allein darf er auf eine andere, vollkommenere Auferstehung hoffen als die, zu der er hier im Glauben schon erweckt wird, wenn er Christi Auferstehung ergreift, und vor der Verdammniß nicht erschrecken; sondern auch im Leibe dieses Todes trägt sein Leiden reiche Frucht: denn „sie werden Priester Gottes und Christi sein“ — sie müssen sich wohl opfern, aber sie opfern sich selbst Gott und zwar nicht einem Gott, der außer der Welt thronte und die Pein der Menschenkinder ohne Erbarmen anschaute, sondern einem solchen, der in Christo Fleisch geworden ist, gelitten hat und allen, die da leiden, die Kraft seines Leidens und Sterbens zugutekommen