# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1859_S260 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 260 Das zwanzigste Capitel der Offenbarung St. Johannis. Gipfel gleitet der Pfad ab. Wie denn das „gegeben“ in dieser Verbindung auch erlassen heißt (vergl. den deutschen Sprachgebrauch: einem die Strafe schenken), so kam es mit der Zeit dahin, daß man das heilige Straf- und Richteramt der Apostel mit ihnen selber zu Grabe trug. In ihrem Namen begnadigten die, welche auf ihren Stühlen saßen, die Feinde des Kreuzes Christi. Das hieß dann auch: das Gericht (d. h. die Verurtheilung, Strafe, Fluch und Verdammniß) ward ihnen (den Aposteln und ihren Stühlen) gegeben (sie mußten es leiden), d. h. man richtete sie. Zu Luthers Zeit konnte man's greifen. In der That waren nun oben auf die apostolischen Stühle gesetzt worden, die hier zu nennen Scham und Entsetzen sich sträuben. Ja, wo bleibt denn da das tausendjährige Reich? Es wäre freilich nichts mehr davon übrig, wenn Gott für die Seinen weiter keine Wohnung hätte, als den Abtritt der Erde. Aber der gesagt hat: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen“, weiß noch Rath, als schon der Antichrist selbst im Tempel Gottes gegen dessen Kinder die Tatzen erhebt. Er nimmt eben diejenigen, von denen das tausendjährige Reich seinen Namen bekommen hat zu Sich, öffnet ihnen das Asyl des Himmels. Summa: von Anfang bis zu Ende ist das tausendjährige Reich nichts weiter als eine Procession derer, welche die Erde und ihre Herrlichkeit verschmähten in den Tempel, dessen Thür Christi Auferstehung gesprengt hatte. Was hat man auf Erden mehr davon gesehen als den Schatten? Als es am schönsten stand, köpften die römischen Kaiser die Bürger desselben, und als sie Lazarum in ihren Purpur hüllen wollten, war der von Engeln schon abgeholt worden; statt seiner ließ sich eine Brut in den Palast tragen, die bald nach altem Brauch, im Dienst des höllischen Drachen das Scepter handhaben lernte, auf das sie sich lehnen durfte. Eben dies nun, daß Gott für's tausendjährige Reich auf Erden keinen Boden finden konnte, sondern es in den Himmel retten mußte, drücken die folgenden Worte aus: „und die Seelen der Enthaupteten um des Zeugnisses JEsu und um des Wortes Gottes willen“ —: Diejenigen, welche das tausendjährige Reich auf der Erde suchen, wo sie es bis an den jüngsten Tag nicht finden werden, mögen doch diese Stelle ansehen. Denn wenn sie ausdrücklich nur „die Seelen der Enthaupteten“ erscheinen läßt, so ist doch das ein Beweis genug, daß hier eben so wenig an sichtbare Herrlichkeit der Kirche auf Erden, wie an eine Auferstehung des Leibes zu denken sei. Sondern auch in diesen tausend Jahren wird nach unsrer Weissagung das Evangelium im Kampf stehen, und das eben die Herrlichkeit der Kirche sein, daß sich Streiter für die Wahrheit finden und ihre Kampfesbühne die Augen der Engel und Menschen auf sich zieht, während ja oft Jahrhunderte vergehen, ohne daß die Welt im Großen und Ganzen etwas von diesem Kampf gewahr wird. Die Weissagung wäre ja auch überflüssig, wenn die Kuhaugen der Vernunft den Sieg erkennen, wenn Menschen mit ihren Sinnen den Frieden empfinden