# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1859_S258 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 258 Das zwanzigste Capitel der Offenbarung St. Johannis. nommen die Herrschaft der Kirche war, so ist es dann doch eine unleugbare Thatsache, daß bischöfliche Gewalt, und wenigstens dem Namen nach, die Gemeine selbst zu jener Zeit ein Ansehen erlangte, das die Thronen und Herrschaften der Erde überstrahlte. Und der Mißbrauch der geistlichen Macht, die hier hinter dem Vorhange gezeigt wird, soll wohl mit gerügt werden, wenn sie einen Namen bekommt, den sonst die Königssitze der Fürsten dieser Welt führen. Ja, es liegt sehr nahe, das dicht vorhergehende „muß — los werden“ mit unserer Stelle in Verbindung zu setzen und die bittere Mandel an diesem Strauch zu pflücken: Weil das geistliche Auge in diesen tausend Jahren durch die „Stühle“, womit die neuen Herren der Warnung des alten Meisters spotteten (vgl. Luc. 22, 25. 26.) zu sehr beleidigt wurde, so konnte es nicht länger mehr bestehen; Gott mußte seine Hand von einem Reich abziehen, das den Kiel der Arche mit Pfählen vertauschte, die Menschenhände in die Sandbank eingerammelt hatten. Vorweg sei hier bemerkt, daß überhaupt der Schilderung des tausendjährigen Reichs ein heiliger Spott beigemischt ist. Gott hielt den Teufel fest und schützte die Bekenner des HErrn. Aber was ward daraus? Trotz alles Friedens, den man auch auf der Welt bei Christo genoß, gerieth es so, daß man, um es grade heraus zu sagen, selbst den Teufel losbat und den alten lieben Herrn mit Gewalt aus dem Abgrund holte. Das tausendjährige Reich hat demnach keine andere Bedeutung in der Geschichte des Reiches Gottes, als durch ein augenfälliges Zeichen die Ehre dessen zu retten, dem Juden und Heiden die Gottheit streitig machten. Kurz: auch dies Gesicht hat eine größere Perspective, als daß wir sie mit einer einzigen Deutung der Worte, die wir vor uns haben, ermessen könnten. Wenn der Blick über tausend Jahre hinschweift, kann er ja unmöglich da seinen Ruhepunkt finden, wohin er zuerst fällt. Diese tausend Jahre gehen nun noch dazu bergab. Es ist Eine Linie, die das Auge durchmißt; aber unten ist alles niedrig, während oben alles hoch war. Das können wir an dieser Stelle deutlich sehen. Die Stühle haben erst sehr hoch gestanden. Eine Stadt auf dem Berge ist die verfolgte apostolische Gemeine gewesen. Und siehe, da grade setzte die Vernunft sie tief unten ins Thal. Sie stiegen vor der Welt hoch empor, und nun sah das Auge Gottes sie hinabsinken. „und sie setzten sich darauf“ —: Diese Uebersetzung hatte zu Luthers Zeit und hat auch noch immer ihr volles Recht: sie ist der Finger des heiligen Geistes, wie er uns den Weg zeigt. Eigentlich aber lauten die Worte so, daß wir sie unmöglich in deutscher Zunge getreu wiedergeben können, nämlich: „und sie setzten auf dieselben.“ Jeder sieht, was das für ein Unterschied ist. Bleibt man beim Text, so fällt der Blick auf Andere als diejenigen, welche die Stühle einnehmen; hingegen unsere Uebersetzung läßt das Auge bloß auf den letzteren ruhen. Nun haben diese Worte, wie die vorigen, durch Schuld der Abtrünnigen einen doppelten Sinn bekommen, einen guten und einen bösen. Erstlich heißen sie so viel als: man richtete das heilige Predigtamt auf, d. h. man nahm das Christenthum an. Wer hätte ge⸗