# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 09 29_S18 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) machen, in ihren Gemeinden die Beichtanmel⸗ dungen einzuführen, die zur Ausrichtung der rechten kirchlichen Seelſorge unentbehrlich ſind und, wenn ſie mit Liebe und Weisheit von den Seelſorgern benützt werden, einen großen Segen für ſie ſelber abwerfen und ihnen reiche Gelegen⸗ heit geben, immer mehr auch in ihren Predigten Väter in Chriſto zu werden, indeß ſie zugleich ihren Kirchkindern auf das Mannigfaltigſte zu Nutz kommen. Sechstens hängt mit der öffentlichen Anerken⸗ nung der kirchlichen Symbole nicht minder genau zuſammen, daß die Prediger der Ohio⸗Synode hin⸗ fort keine zeitweiſe von der Gemeinde gedungene und gemiethete Menſchenknechte mehr ſein dürfen; denn der auch mittelbar d. i. durch Menſchen ge⸗ ſchehende Beruf zur Uebernahme des heiligen Predigtamts iſt ein göttlicher und enthält als ſolcher auch die Anforderung, 1. an den Prediger, ſein ganzes Leben im Dienſte der berufenden Ge— meinde zu verzehren, und 2. an die Gemeinde, ihren berufenen Hirten zeitlebens zu hören, ſofern er in reiner Lehre und unſträflichem Wandel ver⸗ harrt und ſein Amt nach allen Seiten mit Eifer und Treue ausrichtet. Dagegen müßte freilich auch dem Leichtſinn gar mancher Prediger gewehrt ſein, ihre Gemeinden, um ſich äußerlich zu verbeſſern, flugs zu verlaſſen, und ſich ledigen Gemeinden förmlich anzubieten und ſich klärlich als Bauchdiener und Miethlinge auszuweiſen; denn ſelbſt im Falle einer ordent⸗ lichen Berufung von einer etwa vacant gewordenen Gemeinde an den bei einer andern Gemeinde amtirenden Prediger gehört die Bewilligung der letzteren dazu, daß der Paſtor den neuen Beruf annehme. Dieſes abſcheuliche und unwürdige zeitweiſe Miethen und Dingen lutheriſcher Gemeinden und das nicht minder ſchändliche Sichmiethen⸗ und Dingenlaſſen lutheriſcher Prediger iſt einer der ärgſten Schandflecke der meiſten hieſigen luthe⸗ riſchen Gemeinden und Synodalverfaſſungen; und nicht zum geringen Theil wird hierdurch die unkirchliche Mißgeſtalt der Gemeinden mit erzeugt und erhalten. Denn wie ſollte eine geſunde kirch⸗ liche Geſtalt hindurch dringen, wo die Gemeinden durch ein falſches Uebergreifen der bürgerlichen Demokratie in das Kirchenregiment gewohnt ſind, den Diener der heiligen Kirche, der durch Wort und Sacrament an Gottes Statt mit ihnen han⸗ delt, nicht als Gottes Knecht, nicht als Botſchafter an Chriſti Statt, ſondern als ihren Miethsknecht, als ihren Predigthalter und Sacramentsver⸗ walter anzuſehen, den ſie nach abgelaufener Mieth⸗ zeit nach Belieben behalten oder fortſchicken kön— nen? Wie ſollten ſolche Gemeinden eine ehr⸗ erbietige Scheu vor dem heiligen Predigtamt und um deßwillen auch vor dem Träger desſelben haben und, ſofern dieſer öffentlich und ſonderlich Gottes Wort rein und lauter handelt und einen heiligen gottſeligen Wandel führt, ihn auch als einen Engel Gottes betrachten und ſeinem, d. i. Gottes, Wort mit Dank und Liebe gehorchen? Desgleichen umgekehrt — wie ſollten ſolche Söldlinge und Miethsknechte, wenn ſie wider 18 göttliche und menſchliche Ordnung ſich zeitweiſe dingen laſſen und ihr Amt von Menſchengunſt erkaufen — wie ſollten ſie da den heiligen Muth und die göttliche Freudigkeit haben, das Straf⸗ amt des Geſetzes nicht blos in der Predigt, ſon⸗ dern auch in der Privatſeelſorge, ohne Anſehen der Perſon, kräftig und durchdringend zu treiben, da nun einmal leider faſt in allen Gemeinden mehr zu ſtrafen, als zu tröſten iſt? Dieſem Uebel⸗ ſtande aber müßte zunächſt von der Synode abge⸗ holfen werden. Will ſie nicht ſelber zuerſt nach wie vor die Würde des heiligen Predigtamts in den Koth treten, ſo muß ſie keinen Prediger unter ſich dul⸗ den oder in ihren Verband aufnehmen, der ſich jene ſchimpflichen Bedingungen des zeitweiſen Gedungenſeins gefallen läßt und keine ordentliche Berufung von ſeinen Gemeinden, die freilich zu⸗ nächſt ſorgfältig hierüber zu unterweiſen ſind, zu erlangen vermag. Und jeder die Herrlichkeit ſeines Amtes erkennende und geiſtlich geſinnte Prediger müßte jedenfalls ſolche Gemeinde verlaſſen, die, trotz aller gründlichen und mehrmaligen Beleh⸗ rung, die alte Unart und Unordnung des Mie⸗ thens feſthalten und ihrem Prediger keinen ordent⸗ lichen Beruf ertheilen wollte. Dagegen aber wäre auch die Synode gehalten, einen ſiebenten Uebelſtand gründlich zu beſeitigen. Dieſer betrifft nämlich die Oberflächlichkeit in der Prüfung ihrer Candidaten. Denn wie iſt es möglich, durch eine etwa zwei- bis dreiſtündige Prüfung über vielleicht fünf bis ſechs und noch mehr Candidaten ein Urtheil zu gewinnen, ob ſie nach Geſinnung, Kenntniſſen, Lehrtüchtigkeit, Gaben zur Seelſorge und zum Kirchenregiment genugſam geſchickt ſind, das ſo ſchwere, verant⸗ wortungsvolle, hier zu Lande mit ſo beſondern Schwierigkeiten verbundene heilige Predigtamt zu übernehmen? Wollte die Synode in dieſem leicht⸗ fertigen Verfahren beharren, was auch ſchnur⸗ ſtracks ihrem neuen Sichbekennen zu den ſymbo⸗ liſchen Büchern zuwider iſt, ſo würde ſie theil— haftig aller der Sünden, welche unlautere und untüchtige Leute, deren Beſchaffenheit bei jener oberflächlichen Prüfung nicht hinreichend erkannt wurde, in ihrer Amtsverwaltung begehen. Nein! ſie prüfe gründlich und ſorgfältig, nicht bald durch dieſe, bald durch jene, ſondern durch eine ſtehende Prüfungs⸗Commiſſion aus den frömmſten, ge⸗ lehrteſten und erfahrenſten Predigern ihres Ver⸗ bandes mündlich und ſchriftlich, laſſe die Candi⸗ daten auch predigen und katechiſiren, ſehe genau auf die beigebrachten Sittenzeugniſſe, ertheile ihnen aber nach wohlbeſtandenem Examen und bei vorliegender ſchriftlicher ordentlicher (alſo nicht mieth⸗ und zeitweiſer) Berufung alsbald die kirchliche Ordination und laſſe das willkürliche und doch durchaus keine Sicherſtellung weder der Synode noch der Gemeinde gewährende Aus⸗ kunftsmittel der jährigen Licenzen ganz und gar weg. Achtens hängt aber mit dem Bekenntniß zu den kirchlichen Symbolen nicht minder genau die Verpflichtung der Synoden zuſammen, für die Aufrichtung ordentlicher Gemeindeſchulen zu ſor⸗ gen, worin die Kinder, ſei es durch die Prediger! ſelbſt oder durch gläubige und tüchtige Schullehrtr vornehmlich in bibliſcher Geſchichte, im Katechis⸗ mus, im Lernen und Singen der edelſten Ken⸗ lieder unſerer Kirche ſorgfältig unterwieſen werden.! Denn das ſieht jeder leicht ein, daß das bischen Stück⸗ und Flickwerk der hieſigen Sonntags⸗ ſchulen, wo bald dieſe, bald jene Leute den Kin⸗ dern bald dieſes, bald jenes beibringen, die Ju⸗ gend nicht in geſunder Erkenntniß kirchlich heran⸗ ziehen und in „den Worten des Glaubens und der heilſamen Lehre“ nicht begründen und herauf bilden, auch keinen kirchlichen Sinn, Geſchmack und Gewöhnung beibringen können. Und was für nachhaltige Frucht iſt da für die Erhaltung und Kräftigung der Kirche geſchafft, wenn, wäh⸗ rend an den Eltern gearbeitet wird, die Kinder inzwiſchen verwildern, in Haus und Schnle nicht in die Erkenniniß und Zucht des göttlichen Wor⸗ tes gebracht, ſtatt deſſen aber fleiſchlich amerikani⸗ ſirt werden und auch in kirchlicher Hinſicht der engliſchen Sprache zur Beute fallen, ſtatt für das Deutſche als ihre Haus- und Kirchenſprache eine Vorliebe zu behalten.“) Und hiermit ſteht denn auch, neuntens, die Einführung ſonntäglicher Katechiſationen zu⸗ nächſt der Kinder, Confirmanden und Neu⸗Con⸗ firmirten, wo möglich auch der Aelteren, im ge⸗ nauen Zuſammenhang, worin auch die wichtig⸗ ſten Irrlehren der vornehmſten Glaubenspartheien und Secten zu behandeln ſind. Endlich aber wäre der Ohio-Synode dringend anzurathen, auf dem Grund des Bekenntniſſes eine neue Synodal⸗Conſtitution zu entwerſen, darin den erwähnten Mißſtänden und Mängeln gründlich abgeholfen und auch das ſo überaus wichtige Ueberwachungs-Amt durch den auf län⸗ gere Zeit gewählten Präſes eingerichtet wäre; denn iſt dieſer ein recht gottſeliger, kirchlichgeſinn⸗ ter, erkenntniß⸗ und erfahrungsreicher, mit der Gabe der Leitung und Weisheit beſonders aus⸗ gerüſteter Knecht Gottes, ſo kann ein unaus⸗ ſprechlicher Segen für die Kirche in jenem Syno⸗ dalbezirk durch ihn erwachſen, theils, indem er durch amtliche Beſuchsreiſen vornehmlich die Amts⸗ führung der Synodalen in ihren Gemeinden auf evangeliſch⸗väterliche Weiſe und nach einer von der Synode ihm geſtellten Inſtruction in näheren Augenſchein nimmt, theils indem er auch ſchrift⸗ lich zumal für ſchwierigere Fälle der Seelſorge und Kirchenzucht Rath ertheilt. Der gnädige und barmherzige Gott wolle dem⸗ gemäß der werthen Ohio-Synode Luſt, Licht, Eifer und Geſchick reichlich verleihen, auf dem Grunde der von ihr neulich ſo entſchieden ausge⸗ ſprochenen öffentlichen und feierlichen Verpflich⸗ tung zu den ſymboliſchen Büchern die denſelben gemäße und im Obigen kürzlich angedeutete con⸗ *) Es iſt damit nicht gemeint, als ob die deutſchen Kin⸗ der nicht auch zu ſeiner Zeit die engliſche Sprache reden, leſen und ſchreiben lernen, und das Gute hier zu Landt ſich nicht antignen ſollten; nur das leichtferrige Wegwerfen ihrer Sprache, Sitte und Volksthümlichkeit und das nicht minder leichifertige Annehmen deſſen, mit der engliſchen Sprache, was hier zu Lande ſchlechter iſt als in Deutſch⸗ land, iſt oben getadelt und fleiſchlich amerikaniſirt genannt.