# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1859_S256 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 256 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. Nummer vom 9. Juni d. J.: „Also: Watson behauptet, daß die Wassertaufe die Thüre zur Kirche sei. Ein Glaubensartikel in der Zuchtordnung der bischöflichen Methodisten⸗ Kirche sagt (aber): Die sichtbare Kirche Christi ist die Gemeine der wahren Gläubigen. So glaubten wir auch immer aus dem Worte Gottes zu erkennen, daß Niemand, der die Jahre der Unschuld (?) überschritten, ein Glied der Kirche Christi werden könne, ohne von neuem geboren zu werden oder ein wahrer Gläubiger zu sein. Nun wird uns aber von Watson u. Co. die Wassertaufe dargestellt als die Thüre. Zwar wollen sie nicht zugeben, daß diese die Wiedergeburt sei; wenn aber die Forderungen des göttlichen Worts Buße, Glauben an Christo und eine neue Creatur unumgänglich nothwendig machen, muß dann nicht nach der Behauptung Watson's die Wassertaufe, die doch die Thüre sein soll, dieses schaffen? Im Evangelium ist Christus, der die Thüre ist, der alleinige Gegenstand der Seligkeit. Ist aber die Wassertaufe die Thüre: ist sie dann nicht folglich auch die große Sache der Selig⸗ keit.“ — So treibt denn der Vereinigte Bruder den Methodisten in die Enge, der sich hiernach offenbar mit seinen aus der Episkopalkirche herübergenommenen orthodoxen Ausdrücken, hinter welchen er den Lutheranern gegenüber seinen Unglauben verstecken will, gegen seine ehrlicheren Unglaubensbrüder nicht halten kann. Aus der Generalsynode. Im April-Heft meldeten wir die Absetzung des Irrlehrers Joel Swartz durch die englische Ohio-Districtssynode. Aus dem Missionary ersehen wir, daß die zur Generalsynode gehörende Miami-Synode genannten Herrn Swartz bei Gelegenheit ihrer Versammlung zu Lancaster, O., am 4. Mai aufgenommen hat, mit der Erklärung: sie sei nach gründlicher Untersuchung der Sache zu der Ueberzeugung ge⸗ langt, Herr Swartz habe nur folgende Irrthümer verworfen: 1. Die Billigung der Ceremonieen der Messe, 2. die Ohrenbeichte oder Absolution, 3. die Ableugnung der göttlichen Verbindlichkeit des christlichen Sabbaths, 4. die Tauf⸗Wiedergeburt ex opere operato, 5. die grobe und materielle Gegenwart des Leibes und Blutes Christi in dem heil. Abend⸗ mahl — während er die Grundlehren des Wortes Gottes als in der Augsburger Confession gelehrt festhalte; und daß Herr Swartz in seiner Praxis nichts weiter gethan, als daß er „Prayermeetings“ eingerichtet, „protracted Meetings“ gehalten, an „Unionmeetings“ theil⸗ genommen und mit anderen evangelischen Predigern die Canzel gewechselt habe. Da er nun bereit sei, die Lehrbasis zu unterschreiben und seine Praxis derjenigen zu conformiren, welche in der Miami⸗Synode vorherrsche, so betrachte sie Swartz's Entsetzung als durchaus unver⸗ antwortlich und durch die betreffenden Thatsachen völlig ungerechtfertigt. — Diese Sache bedarf keines Commentars trotz aller jesuitischen Winkelzüge, die die „Ehrw.“ Synode macht. Union. Die Pastoren des westlichen Districts der „deutschen vereinigt⸗evangelischen Synode von Nord⸗America“ sind aus derselben ausgetreten und haben sich hierauf als „vereinigt⸗evangelische Synode des Nordwestens“ constituirt. Als Motive wird angegeben: „weil sie überzeugt sind, daß mit Recht der Vorwurf des Rationalismus auf ihnen ruhe, so lange sie in genanntem Verbande verbleiben.“ Mitunterzeichnet ist auch Herr Hartmann aus Chicago. Die Hoffnung Herrn Dr. Harkey's, durch diese Unionsleute das unirte Ele⸗ ment in der Generalsynode stärken zu können, scheint hiermit etwas in die Ferne gerückt zu sein. Eine Merkwürdigkeit an der neuen Synode ist, daß dieselbe den bekannten „Allianz“⸗ Glauben zu ihrer Basis gemacht hat, daß sie selbst erklärt, vereinigt⸗evangelisch sein zu wollen (nur daß sie nicht sagt, was sie mit dem Evangelium vereinigen will) und daß sie zur Hebung ihres Kirchenwahnes Geldstrafen für ihre Glieder eingeführt hat. Der früher von der alten Synode herausgegebene „Hausfreund“ ist nun Organ der neuen. Die Synode von Pennsylvanien versammelte sich am 20. Juni u. ff. Tage. Der (wiedererwählte) Präsident Welden sprach in seinem Bericht u. A. seine Mißbilligung der Aufnahme der Melanchthon⸗Synode in die Generalsynode aus, weil erstere lutherischem Glauben und Bekenntniß entgegen sei. Dies veranlaßte den Ehrw. Jul. Ehrhardt, der über den Bericht des Präsidenten zu berichten hatte, eine Reihe von Resolutionen der Synode vorzulegen, in welchen die fernere treue Anhänglichkeit an die kirchlichen Symbole von Sei⸗ ten der Synode ihren officiellen Ausdruck finden sollte. Der Präsident der Generalsynode, Schäffer, erklärte dies für überflüssig und so legte man denn die Resolutionen auf den Tisch, nachdem ein Herr Martz, Pastor von Harrisburg, eine „beredte Ansprache“ über Gewis⸗ sensfreiheit an die Synode gerichtet hatte. Methodismus. Der Redacteur des „Fröhlichen Botschafters“ von Dayton, O., citirte neulich den 13. Artikel des Glaubensbekenntnisses der Methodisten also: „Die sichtbare Kirche Christi ist die Gemeine der wahren Gläubigen.“ Deswegen beschuldigte der Editor des methodistischen Apologeten ersteren, er verdrehe zu seiner Beweisführung den 13. Glau⸗ bensartikel und schmuggle das Wort „wahren“ ein. Hierauf weist nun der Redacteur des „Fröhlichen Botschafters“ nach, daß dieses Wort in einer älteren Ausgabe der Glau⸗ bensartikel der Methodisten (er führt eine von 1808 an) sich finde, aber allerdings in der neuen (von Nast besorgten?) fehle.