# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1859_S254 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 254 Lesefrüchte. forthin sein Leben zu bessern gedenke?“ Man vergesse ja nicht, daß in unsern Zeiten viele „lutherische“ Prediger römische Vorstellungen vom geistlichen Amte haben; der römische Amtsbegriff hängt aber unzertrennlich mit dem römischen Beichtbegriff zusammen; einer zieht den andern unwillkührlich nach sich. Eine carnificina conscientiarum, wie die römische Ohrenbeichte, hat aber die evangelische Privatbeichte weder nach Luthers, noch nach der augeburgischen Confession Sinn und Meinung jemals werden sollen. VII. In der Schrift von Dr. A. Frantz, Superintendent in Sangerhausen: „Die Prätensionen der exacten Naturwissenschaften“ vom vorigen Jahre, wird, wie wir aus einer Recension derselben von Rudelbach ersehen, u. A. auch das Copernicanische System verworfen. Rudelbach schreibt: „Als einen der schwersten Uebergriffe betrachtet Frantz die Copernicanische Hypothese von dem Weltsystem, macht mit andern Forschern (unter welchen bekanntlich auch Schelling und Hegel) auf die hohe Bedeutung der Erde aufmerksam, und bringt den Fingerzeig Tycho Brahes auf die zur Bewegung untaugliche Masse der Erde zur Geltung, während er in den Gestirnen Lichtkörper sieht, deren Stoff nicht Erde, sondern Licht.“ VIII. In einer Recension der Schrift: „Natur-Astronomie für jeden gesunden Menschenverstand. Von J. W. Schmitz“ — schreibt Ströbel: — Er (Schmitz) schreibt „für jeden gesunden Menschenverstand“, das kann nach dem Inhalte des Büchleins nur heißen: für jeden aufgeklärten Schildbürger, der, um ja nicht hinter dem Fortschritt und Zeitgeist zurückzubleiben, auf alles eigene Nachdenken verzichtet und als ein gelehriger Staar die Worte seines Lehrmeisters mechanisch nachbetet. Nur die größte nichtastronomische Stupidität läßt sich noch durch Behauptungen imponiren, wie etwa: „Heute, wo das Fernrohr die Unendlichkeit des Weltalls entdeckt hat, steht die Idee der täglichen Umdrehung des endlosen Weltalls um die schwebende Erdkugel unter jeder Stufe des menschlichen Verstandes.“ Wer das glaubt, der muß auch behaupten: „Die Planeten bewegen sich von Westen nach Osten um die Sonne und drehen sich in ihrem Laufe auch von Westen nach Osten um: also gleich wie eine fortrollende Kugel sich in der Richtung umwälzt, wohin sie läuft. So wälzt die Erde sich in einem Kreise um die Sonne“ u. s. w. Es ist aber ein totaler, selbst von Schmitz (§ 54.) deutlich genug angedeuteter Unsinn, daß eine beständig von West nach Ost sich umdrehende und fortrollende Kugel einen Kreis um einen andern Körper beschreiben könne. Gewiß nicht aus „Leichtgläubigkeit“ (S. 67.), sondern um nur diesen Unsinn los zu werden, läßt Weinbach (Neues Weltsystem, wie es ist) die Erde sich bloß um ihre Axe, nicht zugleich auch um die Sonne bewegen. — Mir ist durch das Schmitz'sche Büchlein aufs neue bestätigt worden, daß die Copernikanische Theorie von Nichtastronomen lediglich aus Feindschaft gegen die heil. Schrift vertheidigt wird. So steht's wenigstens heut zu Tage — und früher war's wohl nur nicht viel anders. IX. In Münkels Neuem Zeitblatt lesen wir: Die Baptisten haben mit großem Jubel die Rede des Cultusministers von Bethmann⸗Hollweg über Religionsfreiheit auf dem preußischen Landtage gehört. Sie sehen die Zeit nicht mehr ferne, wo sie öffentlich in Preußen anerkannt werden. Ihr Muth ist dadurch sehr gehoben, und sie fassen Hoffnung, daß sie nach solchen Vorgängen den Weg überall in deutschen Landen werden gebahnt finden. Mecklenburg ist ihnen zwar noch zu zähe; sie haben Lärm geschlagen in ihrem Organe, der N. Ev. K.⸗Z., es hat nicht geholfen, und sie fürchten, daß auch die Vermittelung der Evangelischen Alliance nicht helfen wird. Dafür hoffen