# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1859_S252 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 252 Lesefrüchte. ntags⸗Evangelien des Kirchenjahrs. Von verschiedenen evangelischen Geistlichen in Bayern mitgetheilt und zum Besten der protestantischen Gemeinde Landshut herausgegeben,“ wovon eine dritte Auflage erschienen ist (!) — lesen wir, wie Männer, welche im Rufe altlutherischer Orthodoxie stehen, so arg romanisiren, selbst in der Lehre von der Rechtfertigung (!), daß man sich nur wundern muß, wie solche Männer theils es in der lutherischen Kirche selbst aushalten, theils darin anerkannt werden können. In der bezeichneten Recension (von H. O. Köhler) heißt es, wie folgt: Das wirkliche Irrthümliche und Gefährliche, das uns in zwei Predigten entgegengetreten ist, darf nicht verschwiegen werden. Beidemal ist es Hinneigung zu römischen Gedanken, was um so mehr zu verwundern ist, als der nachbarliche Gegensatz der lutherischen und römischen Kirche in Bayern solche Verirrungen unmöglich machen sollte. In der Predigt am Sonntage Reminiscere (cananäisches Weib) bringt Kraußold geflissentlich die Unterscheidungslehre in Betreff des Glaubens vor, aber in mißverständlicher Weise. „Es gibt einen Glauben, der nichts wirkt und nichts erlangt. Jakobus nennt ihn den todten Glauben. Und wenn, wie ihr wißt, zwischen den zwei Kirchen des Abendlandes die Frage und der Streit ist, ob der Mensch durch den Glauben allein gerecht und selig werde oder nicht; und die eine, die evangelische Kirche sagt: Allein durch den Glauben, und die andere: Nein, nicht allein, so kommt es nur zuletzt darauf an, was du unter Glauben verstehst, und sie haben am Ende in gewissem Betracht alle Beide Recht.“ Wenn der Glaube nichts anderes und weiteres ist, als ein bloßes Fürwahrhalten, ohne daß das Herz weiter dabei betheiligt ist, ein Ueberzeugtsein von der Wahrheit einer Thatsache in der Erkenntniß, ohne daß des Herzens Zuversicht dabei ist: ein solcher Glaube kann in der That weder gerecht noch selig machen. Niemals aber haben beide Kirchen Recht, auch nicht in gewissem Betrachte. Denn es kann die Meinung der römischen Kirche nie recht dadurch werden, daß sie erst den Inhalt des Glaubens entleert und dann gegen seine rechtfertigende Kraft protestirt. Das ist ja gerade die erste Lüge, daß sie aus dem Glauben die fiducia hinauswirft, und es kann dies nicht so entschuldigt werden, als sei dies eine andere Terminologie. Man kannte in Trient wohl unsere Lehre vom Glauben, aber man verdammte sie (Sess. VI, can. 12): „Si quis dixerit fidem justificantem nihil aliud esse quam fiduciam divinae misericordiae, peccata remittentis propter Christum; vel eam fiduciam solam esse qua justificamur: anathema sit.“ So stand die Sache nicht, daß die römische Kirche den Reformatoren zugerufen hätte: nicht allein durch die notitia werden wir gerecht, sondern auch durch die fiducia, sondern: nicht allein durch die fiducia, sondern auch durch die Werke. Die Werke sinds, die noch hinzukommen sollen zum Glauben, bevor er gerecht machen kann; und wie kann man da sagen, daß dies in gewissem Betracht recht sei? Also kurz: Der Spruch der evangelischen Kirche kann wohl in die Lüge verdreht werden, aber der Spruch der römischen Kirche bleibt immer falsch. — Die andere Predigt, die wir tadeln müssen, ist die von Edelmann (auch in Baireuth) am zweiten Ostertage,