# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1859_S251 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lesefrüchte. 251 noch zwischen Himmel und Erde tausenderlei vor, was Madame Philosophia, die kluge Gottesvormünderin, nicht einmal ahnt, geschweige kennt oder versteht. Auch wissen wir aus den Erfahrungen unserer Zeit fast noch gründlicher, als die Väter, daß, wer dem hohlen Geplärr dieser wetterwendisch declamirenden „„freien Wissenschaft““ Beifall zollt, nur noch durch liebenswürdige Inconsequenz, wie unser wegen seiner milden Weise hochachtbare Verfasser, dem Atheismus entgehen kann; denn ein Gott, dessen Macht nicht weiter reicht, als das menschliche „„Denkvermögen““, ist eben schon gar kein Gott, kein Unendlicher, Unbegreiflicher, von dem man mit Wahrheit singen könnte: Ganz unermeßlich ist deine Macht! — sondern ein von endlichen, geschöpflichen, anthropomorphistischen Schranken umschriebenes Wesen, etwa ein in höchster Potenzirung gedachter Mensch, oder etwas dergleichen, und der rationalistische Denkglaube an einen solchen von der Menschenvernunft gezimmerten, gegängelten, geschulmeisterten Fetisch ist nur die lächerlich⸗verzagte Species des vielgestaltigen Atheismus. In Summa: Es ist verwegene Thorheit für den Menschen wie für den Engel, bestimmen zu wollen, was sein Schöpfer thun oder nicht thun könne, sprechen oder nicht sprechen dürfe. Aus dem Bereiche seiner natürlichen Kräfte heraus kann ein geschaffener Geist mit Grund der Wahrheit niemals mehr behaupten, als so viel: Wenn ich Gott wäre, so könnte ich dieses thun, jenes nicht thun; wäre ich Christus, ich würde dies und das nicht sagen, sondern so spräch' ich, wenn ich Christus wär'. Daß jede weitergehende geschöpfliche Behauptung sich in Sophisterei und Selbst[unleserlich] verlaufe und zuletzt zum Kinderspott werde, ist ein eisernes [unleserlich] Schöpfungsordnung, das erst neulich wieder an der dünkelhaften „[unleserlich] Philosophie““ aufs glänzendste zum Vollzug gekommen ist und welche [unleserlich] „„freie Wissenschaft““ jemals hinwegzaubern wird.“ IV. Wie schon unter No. II. bemerkt worden, macht sich jetzt eine sogenannte streng sprachliche Interpretation der heil. Schrift sehr breit und gebehrdet sich, als ob sie erst jetzt den wahren Schriftsinn zu Tage fördere. Ein Chorage der Vertreter dieser Richtung ist ohne Zweifel der vielgepriesene Exeget H. A. W. Meyer. Gegen dessen „dünkelhafte fragmentarische Auslegung von 1 Thess. 4, 15 f.“, schreibt Ströbel, „führt Hölemann (in seinem Schriftchen: Die Stellung St. Pauli zu der Frage um die Zeit der Wiederkunft Christi) siegreich den Satz durch: Die heil. Schrift ist grammatisch, immer aber zugleich canonisch d. h. aus sich selbst zu erklären, und nicht das einzelne Schriftstück allein aus sich, sondern immer auch zugleich aus und nach dem größeren Schriftganzen. Dabei macht er (Hölemann) zugleich auf Meyer's Exegese die arithmetische Gegenprobe: er zeigt an ihrer consequenten Fortführung, daß sie sich hermeneutisch verrechnen müsse.“ Man vergleiche hierbei, was Luther in der Vorrede seiner Auslegung der letzten Worte Davids von dem Vorzug der wahren Glaubenserkenntniß vor der bloßen Sprachkenntniß zu rechter Exegese schreibt. (III, 2780 ff.) V. In einer in Rudelbachs Zeitschrift (im 3. Heft d. J.) befindlichen Recension folgender Predigtsammlung: „Predigten über die Sonn⸗ und Fest⸗