# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1859_S250 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 250 Lesefrüchte. I. Auch der Jenaische Rationalist Rückert nimmt in seiner neulich veröffentlichten Prorectoratsrede: „Die Aufgabe der Jenaischen Theologie im vierten Jahrhundert der Hochschule“ — den Namen „Rechtfertigung durch den Glauben“ zum Aushängeschild. Hierzu bemerkt Rudelbach im dritten Heft seiner Zeitschrift von gegenwärtigem Jahre: „Was das eingeschobene Princip, Jenaisch ausgelegt, betrifft, so ist es genug, Luthers Wort in Gedanken zu behalten: Justus ex fide vivit, sed ex fide crucifixi.“ II. In einer Recension der Uebersetzung und Auslegung der Psalmen von Dr. Herm. Hupfeld (Professor in Halle) schreibt ebendaselbst Paulus Cassel: „Sicherlich kann man es nicht genug preisen, daß die Sprache des Alten Testaments in rühmlicher Weise von der neueren Wissenschaft angebaut wird; aber es ist nicht zu leugnen, daß die rein grammatische Philologie auch in anderen Sphären mit einem Hochmuth gepaart zu sein pflegt, der eine wirklich lehrreiche psychologische Erscheinung abgibt. Es überwältigen die auswendigen Erfolge am Leibe des Wortes die Eitelkeit des Menschen so sehr, wie es die Chemie in der Naturforschung thut. Sie fangen an vornehm auf den Geist dessen herabzublicken, um dessen willen sie sind und arbeiten. Man erreicht die Idealität der Psalmen nicht, ohne nicht in sie hineinzuwachsen mit seinem innersten Leben. Die Wahrheit, die man dann findet, verfehlt nicht den Segen auf die eigene Natur. Es wird ihm sein Lernen und Lehren ein Weg zum Heil und zur Fröhlichkeit auch im Kampfe (Ps. 35, 9.); in welcher Weise und mit welchen Mitteln wir auch heute an die Commentirung der Psalmen gehen, wir haben gar keine Ursache selbstgerecht und stolz zu sein. Denn der factische Fortschritt, den die Exegese nicht blos für das Volk und die Kirche (was doch eigentlich die Hauptsache ist), sondern auch für die Wissenschaft gemacht hat, ist doch im Ganzen sehr gering; namentlich wenn wir es mit dem vergleichen, was wir von den Alten empfangen haben.“ III. In einer Recension der Schrift des Jenaischen Rückert: „Das Abendmahl“, worin der Verfasser zu zeigen versucht, daß selbst die göttliche Macht nicht groß genug sei, um zu machen, daß im heil. Abendmahl der Leib und das Blut Christi wirklich und wahrhaftig gegenwärtig sei und genossen werde, schreibt Ströbel Folgendes: „Man sieht, die alte Wettermacherin, Frau Vernunft, nimmt in diesem Buche das Maul gehörig voll. Nicht genug, sich zur Meisterin, Deuterin, Richterin über Gottes Worte und Geheimnisse aufzuwerfen, sie steckt auch der göttlichen Allmacht Grenzen, gar enge, schmale Grenzen. Sie achtet sich für competent und befähigt, darüber zu wachen, daß Gott nichts denke oder spreche, was sie nicht vorher censirt, nichts beschließe noch ausführe, was sie nicht approbirt, nichts stifte und ordne, was sie nicht ratificirt hat. Solche kritisirende Oberaufsicht über den König Himmels und der Erde zu führen, ist von Alters her ihre Art und Brauch, darum ficht es uns wenig an, ändert auch nicht das Geringste an dem göttlich geordneten Laufe der Dinge. Trotz aller vernunftpolizeilichen Controle geht den⸗