# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1859_S241 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das zwanzigste Capitel der Offenbarung St. Johannis. 241 ob Eine Zeit, so lange die Kirche steht, noch darauf Anspruch machen kann, den Tagen der Apostel an die Seite gesetzt zu werden? Wenn Etwas mit dem Finger, den der HErr in der Geschichte ausstreckt, gedeutet worden ist, so ist es dies Wort. In der That, der Anfang der „tausend Jahre“ ergibt sich so von selbst, daß man sich nur wundern muß, wie kluge Leute auf die Gedanken kommen konnten, noch anderswo beginnen zu wollen, als wo der HErr sichtbarlich begonnen hat. Daß aber dann, wenn Menschen an zu rathen fangen, der Verirrungen kein Ende ist, läßt sich denken. Daher die tausenderlei Meinungen von den tausend Jahren. Aber was heißt nun: „und band ihn — tausend Jahre“? Es heißt nicht: machte ihm völlig den Garaus; sonst stände da: tödtete ihn. Der Teufel blieb noch in seinem Bereich; aber darin blieb er gebunden. (N. B. daß seine Behausung keine steinerne Mauern hat, also an örtliche Grenzen eines Bezirks nicht zu denken ist, worin der Feind verwiesen worden wäre, bedarf doch wohl keiner Erwähnung. Wer es zugibt, darf dann aber Luther nicht damit kommen, daß ja doch selbst innerhalb der sichtbaren Kirche — von der unsichtbaren, also von der Kirche im eigentlichen Sinne des Worts, wird man es nicht behaupten können — jene tausend Jahre hindurch der Teufel noch so viele Macht gehabt hätte.) Er hatte z. B. die Macht, über die Söhne des Hohenpriesters Sceva herzufallen (Apost. 19, 16.); aber dem Apostel Paulus durfte er kein Haar krümmen. Wo war früher Jemand gewesen, der ihm das bieten durfte? Jetzt fand er Widerstand und zwar wirksamen Widerstand. Ueber die ganze Erde hin schritten die Knechte des HErrn und kein Ort war, wo ihnen Satanas nicht hätte weichen müssen, wenn Menschen da waren, die wollten. Die Klage verstummte freilich darum nicht: „Wie oft habe ich euch versammeln wollen —, aber ihr habt nicht gewollt!“ Indessen war es nur eine Klage über das Widerstreben der Menschen, die geladen wurden, daß sie des Teufels Herrschaft lieber hatten, als Christi sanftes Joch. Und das ist's, was hier in Betracht kommt. Man möchte freilich einwenden, das wäre auch früher im Grunde die einzige Ursache gewesen, warum Satanas sein Reich behalten hätte. Denn es ist ja wahr, daß von Adam an allen Völkern die Wahrheit bezeugt wurde und ihr Widerstreben nur Schuld daran war, wenn sie nicht mit jenem Beamten zu Damaskus auch mitten unter den Heiden den Gott Israels anbeteten. Aber erstens ist schon daran erinnert worden, daß die Erfüllung mehr ist, als die Weissagung, gleichwie es etwas Anderes ist, wenn der Baum mit Früchten prangt, als wenn sich im Winter der Saft ins innerste Mark zurückzieht, wiewohl der Baum derselbe bleibt. Eben die neue Gestalt, in welcher das Reich Gottes im Neuen Bunde auf der Welt erscheint, entscheidet hier. Man denke doch nur an solche Sprüche, wie: „Gehet hin in alle Welt“ ꝛc. „Gott hat die Zeit der Unwissenheit übersehen, nun aber gebeut er allen Menschen, an allen Enden Buße zu thun.“ Werfen die nicht volles Licht auf unsre Stelle? Und sind diese Worte bloße Worte geblieben? Zeugt nicht der Erdkreis von ihrer Kraft? Warum unterscheidet man sonst einen