# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1859_S236 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 236 Das zwanzigste Capitel der Offenbarung St. Johannis. und verstehen können, wenn wir nicht mit demselben als einem vom Schiff losgerissenen Brett in eine Fluth irriger Lehren versinken wollen, kein Anderer als Christus selbst. Daß Er noch da ist, daß sein Fuß gespürt, ja seine Ge⸗ stalt immer völliger enthüllt wird, krönt alles, was sich bis daher mit seiner Kirche zugetragen hat. Wie es daher Capitel 12. der größeste Triumph der Wahrheit über die Lüge des Papstthums war, daß die Kirche wieder in der⸗ selben Gestalt, wie zu der Apostel Zeit, ans Licht trat, so steigt jetzt das Ho⸗ sanna, das bisher den Sturz des Antichrists besungen hat, zum höchsten Ju⸗ belton, zum wahren „Hosanna in der Höhe“ auf. „JEsus Christus, ge⸗ stern und heute, und derselbe in alle Ewigkeit“ ist nun gleichsam der volle Accord, worin zusammenklingt, was wir einzeln schon oft hörten. Erst kam die Kirche mit ihren Dienern, V. 11—19. Sie hat doch nichts thun können, ohne ihr Haupt. Aber sie stand im Kampf und war so zu sagen des HErrn Harnisch, hinter dem er sich verbarg. Nun tritt Er selbst hervor. Da wirft, was sein ist, die Kronen in den Staub und beugt sich vor ihm, wie sich ein Heer nach erfochtenem Siege um seinen Führer schaart, während es doch in der Schlacht selber die Augen auf sich zog. Der HErr also ist der Engel, den St. Johannes sieht. Wie aber? „Und ich sahe einen Engel vom Himmel fahren.“ Lesen wir ein wenig weiter, so ist es, als sollten wir hier erst recht den Artikel von der Höllenfahrt Christi lernen. Aber wozu dann der Beisatz: „vom Himmel?“ Der richtet unsern Blick auf ein ferneres Ziel, zeigt, daß Christus, nachdem er gen Him⸗ mel aufgefahren sei, noch immer in der Kraft seiner Höllenfahrt auf Erden und in der Hölle zu schaffen gehabt habe. Den Blendwerken des Teufels, die allezeit das Werk des HErrn in Wolken der Lüge und Lästerung einge⸗ hüllt und mit List und Gewalt gedämpft hatten, wird mit diesem Wort ihre Beweiskraft genommen. „Vom Himmel“ fährt er herab: also hat sein Reich darum nicht aufgehört, daß es auf Erden bestürmt, ja so weit man sehen kann, gestürmt wird; es steht im Kampf, ist auch nach der Auferstehung des HErrn eine stete Höllenfahrt Christi. Ja, so wenig streiten die Anfechtungen, die es der Vernunft verdecken, gegen sein Bestehen, daß es vielmehr seine Art ist, sich allezeit mit Christo in den Himmel zurückzuziehen, dort im unsichtba⸗ ren Wesen des Glaubens seinen Wandel, seinen Hort und seine Heimath zu haben. Daraus erklärt es sich dann auch von selbst, warum man davon auf der Welt so wenig entdecken kann. Man verachtet es, weil es hier keine Zu⸗ flucht hat. Und siehe, während die Seufzer derer, welche ihm angehören, in der Luft zu verhallen scheinen, antwortet ihnen der HErr vom Himmel und fährt herab, die Seinen zu segnen und die Feinde zu schrecken. Dazu ge⸗ hören freilich Augen. Wer sie aber hat, dem ist der Verderber nicht mehr furchtbar: die ganze Weltgeschichte verwandelt sich vor seinem Blick in dies Eine Schauspiel, daß er den Engel des Bundes, den man sich in der Welt so fern denkt, vom Himmel herabfahren sieht, nicht mehr im Traum nur, wie Jakob zu Bethel, sondern mit wachenden Augen, Joh. 1, 51. „Der hatte den Schlüssel zum Abgrund“ —: wer hat den anders, als Christus selbst?