# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1859_S235 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das zwanzigste Capitel der Offenbarung St. Johannis. 235 Das 20. Capitel hat demnach zwei Theile: im ersten, V. 1—10. wird gleichsam der Vorhang aufgerollt; im zweiten, V. 11—15. erscheint, was hinter ihm verborgen war. V. 1—10. Wie die Zeit, die sich von Capitel 1. bis zum Schluß des 19. Capitels nach und nach wie ein Vorhang, der herabfällt vor unsern Au⸗ gen, ausgebreitet hat, plötzlich von Anfang bis zu Ende wieder zusammen⸗ gerollt wird. Daraus folgt schon, daß hier Vieles wie in einem Knäuel mit kurzen Worten zusammengefaßt ist. Wir müssen uns, um uns in diese Darstellungs⸗ weise unsers Buchs zu schicken, daran erinnern, daß wir, wie gesagt, nicht das erste Mal auf solche Art überrascht und in dem Lauf, den uns die Zeitenuhr vorschreibt, aufgehalten werden. Im 12. Capitel z. B. widerfuhr uns das Nämliche. Die Weissagung ließ uns, ehe sie weiter fortschritt, in die ganze Vergangenheit zurückblicken. Capitel 13. war es wieder so. Darf es uns nun wundern, wenn jetzt bei dem Uebergang aus aller Zeit in die selige Ewig⸗ keit gleichfalls ein wenig Halt gemacht und eine Rundschau angestellt wird, zumal man den Vorhang nicht so geschwind fallen sieht, sondern „der Bräu⸗ tigam“, wie wir Matth. 25, 5. lesen, ein wenig auf sich warten läßt? St. Johannes holt also jetzt, wie man zu sagen pflegt, ein wenig weit aus und geht in seiner Betrachtung bis in den Anfang des Neuen Testaments zurück. Denn enger dürfen wir seine folgende Rede nicht spannen, weil sie, wie gesagt, der letzte Rückblick ist, den er vor dem Ende thut. Auch ergibt es sich, wie wir sehen werden, aus ihrem Inhalt. Obgleich es deß gar nicht bedürfte, weil alles Frühere in einer Summa zusammengefaßt wird, der ganze Strom gleichsam in den Ocean fällt, und daher auf das Einzelne, auch das Nächstvorhergehende keine Rücksicht genom⸗ men zu werden braucht, so muß es uns doch zu besonderer Freude gereichen, daß das folgende Résumé zugleich in der engsten Verbindung mit der eben geendeten Siegesfeier der Reformation steht. Blicken wir nämlich sogleich einmal in V. 9. hinein, so sehen wir dort Luthers gewaltiges Zeugniß als das Feuer auf Eliä Altar lodern. Daraus erhellt, daß in ähnlicher Weise wie Capitel 12., die Geschichte der Kirche Neues Testaments nur um deß willen wieder so weit zurückgeführt wird, damit die Reformation noch einmal zum Schluß als Erneuerung des seit Pfingsten über die ganze Erde ausge⸗ breiteten Reichs Christi des Auferstandenen erscheine, und die Kirche aller Zeiten in dieser Gestalt ihrem Bräutigam entgegengehe. Ein herrliches Siegel unsrer Kirche! Was wird damit anders gesagt, als: sie braucht die Wieder⸗ kunft Christi und das Gericht nicht zu fürchten; sie besteht, wie sie immer be⸗ standen hat, auch im Lichte der Ewigkeit, ja sie begrüßt in demselben als das Feuer, das vom Himmel gefallen ist (V. 9.), ihren Ursprung? V. 1. „Und ich sahe einen Engel vom Himmel fahren, der hatte den Schlüssel zum Abgrund, und eine große Kette in seiner Hand.“ Der Engel ist, wie sich nach dem, was oben gesagt worden ist, aus dem Zusammenhange ergibt, in welchem wir dies schwere Capitel nur auffassen