# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1859_S234 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 234 Das zwanzigste Capitel der Offenbarung St. Johannis. vom tausendjährigen Reich vernarrt sind, verdenken, daß ich mich vorsehe, zumal das alte verblichene Gemälde ihrer Leidenschaft erst vor Kurzem frisch überpinselt worden ist und auch die sanfte Berührung meiner schwachen Hand nicht verträgt? Der geehrte Leserkreis des „Lutheraners“ wenigstens wird, hoffe ich, Nachsicht mit mir haben, wenn ich aus diesem Grunde im Folgenden noch einige Worte über das berüchtigte Capitel unsers Buchs verliere. Um uns in dies Capitel zurechtzufinden, ist alles daran gelegen, daß wir auf die Verbindung merken, in welcher es mit dem vorigen steht. Das ließ aber unsern Blick auf den fernsten Grenzen des Gesichtskreises ruhen, in den schon Cap. 11, 18. die Bewegung eingerahmt hatte, die bisher unsre Augen⸗ weide gewesen ist. Die Morgenröthe des jüngsten Tages hat nun jeden an⸗ dern Gegenstand verdrängt, gleich wie man beim Anbruch des Tages am ganzen Himmel nur die Strahlen, die ihn verkündigen, der Beachtung werth hält. Die Zeit ist abgelaufen. Was von ihr noch vorkommt, kann nur das⸗ selbe sein, was uns schon gezeigt worden ist. Daß wir jetzt einen solchen Rückblick auf frühere Gesichte erwarten dürfen, versteht sich von selbst. Was für einen Ansatz mußten wir nicht im 12. Capitel nehmen, um nur über die Kluft des Papstthums wieder in das Kanaan zu gelangen, das böse Väter ohne Gottes Geheiß mit der Knechtschaft Aegyptens vertauscht hatten, ob⸗ gleich es schon manchem Moses vom Berge gezeigt worden war! Und in die Ewigkeit sollte es mit einem Sprunge gehen? Folgen wir diesem Wink, den uns die Offenbarung selbst über den Schlüssel zu unserm geheimnißvollen Capitel gibt. Wenn sie ihn nicht lüftet, werden wir ja doch den Schleier, der sie uns verbirgt, nicht zurückschlagen können. Suchen wir daher nichts Neues, sondern etwas, das wo möglich noch älter ist, als was Capitel 12. wieder vor unsere Augen trat. Denn damals be⸗ durfte nur die Kirche, die wieder auferstehen sollte, einen Schleppträger. Und nun will der HErr selbst wiederkommen! Weil man sich aber dergleichen Sachen am besten in Bildern vorstellt, so wollen wir unsere Phantasie zu Hülfe nehmen und an ein Schauspiel den⸗ ken. St. Paulus hat es ja auch nicht verschmäht, als eine Biene, die den Honig des Wortes bereiten sollte, was von Heiden gemißbraucht wurde, in den süßen Teig der geistlichen Betrachtung zu verwandeln (vgl. 1 Cor. 9, 25.). — Wie nämlich in dem Augenblick, da das Spiel beginnen soll, der Vorhang aufgerollt wird, der bisher vor der Bühne herabgehangen hat, so faßt in die⸗ sem Capitel der heilige Seher zu Anfang die ganze Zeit des Neuen Testa⸗ ments, der dies Buch ja bloß gewidmet ist, also zusammen, daß sie sich, im Einklange mit Capitel 12, wie ein Triumphbogen über dem Helden wölbt, von dem Jakob gezeuget hat, daß er kommen würde, damit ihm die Völker anhingen. Und wie in demselben Augenblick die Zuschauer auf die offene Bühne sehen, so enthüllt uns das Ende unsers Capitels die Majestät, in wel⸗ cher „des Menschen Sohn“ am jüngsten Tage erscheinen wird, wenn er wie⸗ derkommet, zu richten die Lebendigen und die Todten.