# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1859_S227 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 227 Nummer ihrer Blätter. Lesen die Redacteure von gelehrten Männern oder Schriften der⸗ selben, die fast allgemein gelobt werden, so halten sie es für ihre Pflicht, sogleich in das Lob einzustimmen, um nicht für Dummköpfe zu gelten; wenn gleich die Gelobten die ärgsten Rationalisten, offenbare Feinde der christlichen Religion und Umsturzleute in Kirche und Staat sind. Einen merkwürdigen Beleg für die fabelhafte Ignoranz, die unter den Secten herrscht, gibt die neueste Nummer (vom 26. Mai) des „fröhlichen Botschafters“, eines Organs der s. g. Vereinigten Brüder, von Dayton. Darin wird ganz arglos ein gottloses Lied eines Swedenborgianers mitgetheilt, worin die heil. Dreieinigkeit mit unverblümten Worten geleugnet wird. Es heißt z. B. darin: „Wir glauben dir, Herr Jesu Christ, daß du der Vater selber bist. Wir glauben dir, Herr Jesu Christ, daß Ein Gott und Er Einer ist, — dreieinig auf dem höchsten Thron; in einer einzigen Person.“ Chiliasmus. Auch die Chambersburger Reformirte Kirchenzeitung gibt sich dazu her, chiliastisch⸗kirchenpolitische Kannegießereien sich aufhalsen zu lassen und zu verhausiren. So lesen wir z. B. in der Nummer vom 1. Juni: „Wenn der Abfall vom Christenthum da ist, sagt Paulus 2 Thess. 2., wird aufkommen (dieser Ausdruck ist sehr bedeutsam) ein frecher und tückischer König ꝛc., welcher sich endlich als Antichristus wider den Fürsten aller Fürsten auflehnen wird.. Das nun ist das Werk unserer Zeit.. Eine große welt⸗ liche Macht, auf Revolution und Widerchristenthum gegründet, wird sich, in Erfüllung der heil. Schrift, in den nächsten Jahren erheben durch den Sohn des Verderbens, welcher der Engel des Abgrunds ist und von welchem die Weissagung Offenb. 9, 11. sagt, er heiße auf hebräisch Abaddon, im Griechischen aber heißt er Apollyon. Hier möchte man fragen: Wie heißt derselbe Name oder Mann auf — deutsch?“ — Man sieht, der Schreiber will hiermit offenbar auf Louis Napoleon als auf den muthmaßlichen Antichrist anspielen. Die Ref. Kirchenzeitung sollte sich doch schämen, solches albernes leichtfertiges Gefasel als Auslegung der göttlichen Prophetie aufzunehmen. Liebevolles Urtheil aus der Generalsynode. — Der Lutheran Observer schreibt in einem Aufsatze über die Generalsynode, daß die Prediger derselben vor Arbeit zur Gründung und Befestigung des Reiches Gottes in den Herzen keine Zeit hätten, sich in Streit um subtile Lehrfragen einzulassen, und daß eine solche selige Arbeit das Herz mit der Liebe Gottes in so reichem Maße erfülle, daß sie lieber Brüder aufnehmen als zurückstoßen woll⸗ ten, welche in kirchlicher Hinsicht strenger oder freier sind, als sie selbst. Was aber trotz aller schöner Worte das eigentlich für eine Liebe ist, welche diese Männer von der Generalsynode als Frucht ihrer stumpfen Gleichgiltigkeit in Betreff der Lehre und ihrer gewissenlosen Ver⸗ mengung von Wahrheit und Lüge erfüllt, ersieht der Leser aus folgenden Worten, die der Observer unmittelbar auf Obiges folgen läßt: „Es ist wahr, daß es einige kleine Partheien gibt, welche sich Lutheraner nennen, aber sie sind nicht von uns, und es ist keine Hoffnung vorhanden, daß die Missourier oder Buffaloer und andere kleine Gemeinschaften jemals weiser werden in ihrem Geschlecht. Aber es steht zu erwarten, daß ihre Kinder und Kindes⸗ kinder den beschränkten Vorurtheilen ihrer Väter entwachsen und verständige und nützliche Christen werden. Wie schon gesagt, wir halten diese Partheien nicht für Lutheraner; sie haben ein Stück von der Livree Luthers gestohlen, aber sie haben seinen Geist nicht, und wür⸗ den von dem großen Reformator desavouirt werden, wenn er jetzt auf Erden wäre.“ Da sieht man, was jene Leute unter „Liebe“ und „Brüdern“ verstehen. Orthodoxie lassen sie sich gefallen, wo sie nämlich nicht am Anschluß an die Generalsynode hindert und also auch gegen die herrschenden unirten Prinzipien derselben nicht zeugt; geht es aber mit dem Ernst um die Wahrheit Gottes und in der Treue gegen das Bekenntniß, das sie ausspricht, so weit, daß man gegen die unionistischen Greuel der Generalsynode Zeugniß ablegt und sich von ihr ferne hält, um sich mit denselben nicht zu beflecken: so wird ohne weiteres der Stab über Einen gebrochen, man ist kein Lutheraner, also kein Bruder, man hat Luther's Geist nicht. Und warum? Ja, das behält der gute Observer wohlweislich für sich. Er glaubt genug gethan zu haben, wenn er lästernde und verwerfende Urtheile in die Welt hinausgerufen hat; um Beweis und Begründung aus unleugbaren Thatsachen und aus Gottes untrüglichem Wort, was doch allein in solchen Dingen ein Urtheil giltig macht, kümmert er sich nicht. Daß jeder, der nicht über die Generalsynode denkt, wie er, der also in der Lehre mit ihm nicht übereinstimmt, kein Lutheraner ist und Luther's Geist nicht hat, das steht ihm so fest, wie daß zwei mal zwei vier ist; aber zu beweisen, daß er recht lehrt und wir falsch, aus Gottes Wort und gewissen Thatsachen, das scheint ihm unnöthig. Er ist zu⸗ frieden, wenn er seinen Lärmschuß abgefeuert und seinen Lesern Dampf vor die Augen ge⸗ macht hat. In der That eine harmlose Polemik. Ach, und was sind es für Bomben, die er unter andern auch gegen die Missourier losschießt? Lauter Retourkutschen! Daß nämlich die Generalsynode nicht lutherisch ist, daß sie Luther's Namen gestohlen, daß sie seinen Geist nicht hat — das haben wir ihr unzählige mal vorgehalten, das haben wir aus un⸗ leugbaren Thatsachen und aus Gottes untrüglichem Worte mit zwingenden Gründen be⸗ wiesen. Wären die Männer der Generalsynode ehrlich, so müßten sie sehen, daß ihnen unserm Zeugniß gegenüber nur zwei Wege offen stehen: entweder uns aus Gottes Wort widerlegen oder Buße thun. Aber der ganze Verlauf des Streits hat bisher gezeigt, daß