# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1859_S225 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ein Wort über Civilehe aus Nassau. 225 ihrem Cultus; denn wir wissen, daß dieser Cultus nichts ist, weil gegen Jesu Wort gar lauter Sünde und weil er aus dem Unglauben kommt, Gott ein Greuel, also ohne weitern Segen als den, welchen der Herr überhaupt auch seiner abgefallenen Creatur noch in dieser Zeit gibt. — Vermag die Kirche nach ihrem göttlichen Gewissen den Ungläubigen die Ehe nicht zu wehren, so kann sie auch die Civilehe nicht verdammen an sich. Die Kirche weiß ja auch, daß ein Zusammensprechen der Brautleute ohne das rechte Wort Gottes und den rechten Glauben nichts ist; darnach müßte sie die Ehen aller Ungläubigen, wenn sie auf der Meinung unserer heutigen Eiferer gegen die Civilehe stände, als wilde Ehen und Concubinate bezeichnen, und deren Kinder als Hurenkinder. Das hat sie aber nie gethan meines Wissens und heute thut's im Ernst auch Niemand. — Ohne die Sünde in der Welt wäre freilich nie jemand auf den Gedanken der Civilehe gekommen; nun aber muß die Kirche sie gut heißen um der Sünde willen, ähnlich wie z. B. auch das Eidleisten, das Kriegsdienstnehmen u. a. m. Sie ist ein nothwendiges Uebel geworden — um der Sünde willen, und ihr Vorhandensein, wo sie schon ist wie in Frankreich, Rheinhessen, Frankfurt a. M. ꝛc., wie das Schreien nach ihr, wo sie noch nicht ist, ist ein Zeichen der Zeit und eine ernste Mahnung, daß die Welt im Argen liegt und daß wir ihrem Geiste uns nicht hingeben. — Ja bei gegenwärtigem Weltzustande muß die Kirche sogar wünschen, daß die Civilehe eingeführt sei, so sie anders ihren Beruf in der Welt recht erkennt. Die Gegner der Civilehe sind meistens die Freunde der Staats⸗ und Volks⸗ kirchen, und sind ihr entgegen, weil sie darin den Zerfall ihres Palastes er⸗ blicken, den Verlust ihrer Autorität, die sie aber nicht um des Wortes Gottes willen allein begehren; weil sie ahnen, daß so die Masse, die aber doch auf jede Art für die Kirche nur Schaden ist, ihrem Haufen sich auf die Länge ent⸗ zieht u. dgl. — Wir aber halten dafür, daß der große Haufen gar nicht in die Kirche gehört — oder soll's mit der kleinen Heerde nichts mehr sein? davor behüte uns, lieber Vater im Himmel—, daß der große Haufe müsse in Kirchen⸗ zucht genommen werden, nicht könne zum Sakrament zugelassen werden. Und wer in Zucht ist, der ist, so lange er nicht Buße gethan, mit der Kirche zerfallen, die Kirche hält ihm Gottes Fluch und Zorn vor, darum kann sie ihn nicht copuliren, weil damit ein Segnen verbunden ist, oder sie müßte sich selbst und aller Verkündigung des Wortes, daß uns unsre Sünden von Gott scheiden, ins Angesicht schlagen, schmählich sich verstellen und heucheln, sie wisse nicht mehr von dem Zustande der Personen, die die Ehe begehren, was sie doch am andern Orte laut und hell erklärt. Deßhalb aber, weil Jemand ein Ungläu⸗ biger oder Heide ist, soll ihm nirgends die Ehe unmöglich gemacht werden, darum muß die Kirche wünschen, schon um der Vermeidung einer noch größeren Zunahme von Hurerei und Ehebruch willen, daß solchem auf andere Art zur Ehe geholfen werde, und sie mit ihm unverworren bleibt. Aber was soll denn aus der Kirche werden? und wie wird die Feier der Trauung verachtet werden! höre ich. Hat gar keine Noth. Wer nicht wirk⸗