# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1859_S222 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 222 Aus Baiern. tützung von jährlich 25,000 Silberrubeln nicht die Rede sein. Ja, es wird gar in den griechisch⸗katholischen Gottesdiensten die heilige Schrift in der dem russischen Volke — und nur dieses ist griechischer Confession — unver⸗ ständlichen altslavonischen Sprache gelesen. Bibeln in russischer Sprache haben bis jetzt noch nicht gedruckt werden dürfen. Kaiser Alexander I. machte einen Versuch, aber die Exemplare wurden, bis auf wenige, von der Geistlich⸗ keit eingezogen; eine große Anzahl derselben soll noch bis heute in den Kloster⸗ kellern modern. — In den lutherischen, resp. reformirten Provinzen Ruß⸗ lands werden Bibeln in großer Zahl, namentlich auch unter Beihilfe der britischen und nordamerikanischen Bibelgesellschaft verbreitet, nicht nur, wie die Notiz sagt, meist in esthnischer und finnischer Sprache, sondern vor allem in deutscher, dann auch in lettischer, schwedischer und polnischer Sprache. (Freim.) ——— Aus Baiern. ——— Was die römische Schuljugend in Baiern über Dr. M. Luther erfahren soll, das lautet in dem neuen katholischen Landes⸗ katechismus, der 1854 überall eingeführt worden ist, folgendermaßen: „Martin Luther, Professor zu Wittenberg, ein Mann von heftiger Ge⸗ müthsart, erklärte sich anfangs gegen den Mißbrauch, welchen Unbesonnene mit dem Ablaß trieben (im Jahre 1517). Bald aber warf er sich eigenmäch⸗ tig zu einem Reformator oder Kirchenverbesserer auf, zog gegen die geistlichen Obern, besonders gegen den Papst los, dessen oberhirtliche Macht er für An⸗ maßung und Tyrannei ausgab, die durch ihn ihr Ende finden sollte. Seinen verkehrten Ansichten gemäß verwarf er viele Glaubenslehren, welche die Kirche von Jesus und den Aposteln empfangen hat. Er schaffte das heilige Meß⸗ opfer, das Fasten, Beichten, das Beten für die Verstorbenen und manche gottgefällige Uebungen ab, erklärte die guten Werke für unnütz und lehrte, daß der Glaube allein gerecht und selig mache. Außerdem öffnete er die Klöster, erlaubte Mönchen und Nonnen sich zu verheirathen, sprach den Fürsten und Herren das Recht zu, die Stifts⸗ und Klostergüter einzuziehen und nach Belieben zu verwenden. Endlich brach er das Gelübde der Keusch⸗ heit, welches er als Mönch und Priester feierlich abgelegt hatte und nahm eine Nonne zum Weibe. Luther rühmte sich, daß er seine Lehre einzig aus der Bibel schöpfe; aber durch falsche Auslegung derselben irre geleitet, verfiel er bald in die offenbarsten Widersprüche und Irrthümer. So behauptete er: der Mensch habe nicht freien Willen, folglich könne er weder die Gebote hal⸗ ten noch die Sünde meiden; die Sünde verdamme den Menschen nicht, wenn er nur fest glaube u. s. w. Dessen ungeachtet gewann er in kurzer Zeit einen großen Anhang. Denn der leichtsinnigen Volksklasse gefiel die bequeme, dem sinnlichen Menschen zusagende Lehre, und habsüchtigen Großen kam die Auf⸗ hebung der Stifte sehr gelegen. Zudem scheute Luther nicht leicht ein Mittel