# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 09 15_S14 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) dem ſie nun dieſes Letztere thun und ſogleich den klaren und einfachen Verſtand dieſes Vorbilds wider das abergläubiſche Zuthun der Papiſten und das ungläubche geiſttreiberiſche Abthun der Schwärmer vertheidigen, ſo treten die Symbole der lutheriſchen Kirche neben jenem Zeugenthum auch als Lehre und Wehre auf. Dieſes iſt nun, in der Kürze geredet, das wahre Verhältniß der Bekenntnißſchriften unſerer Kirche zum geſchriebenen Worte Gottes; und wer dies Verhältniß anders auffaßt und darſtellt, der iſt hierin entweder unwiſſend oder böswillig; und da ſicherlich die Ohio-Synode dies Verhältniß allein meinte, ſo will ſie in obigem Beſchluſſe ſicherlich nichts anders als Folgendes ſagen: Weil eben die Symbole der lutheriſchen Kirche die reine und ungefälſchte Erklärung und Darlegung des Wortes Gottes, und demſelben in allen Stücken der Heilslehre gleichförmig und gehorſam ſind; — ferner weil ſie das klare ein⸗ fache Schriftwort, wie es lautet, wider Papiſten und Schwärmer ſo gründlich und ernſtlich be— haupten und vertheidigen; — endlich weil ſie die Summa der Heilswahrheit aus Gottes Wort (wie z. B. in Luthers Katechismen) ſo einfältig und gemeinfaßlich und verſtändlich zuſammen⸗ ſtellen; — deshalb und deshalb allein beken⸗ nen auch wir uns, einzeln und als kirchliche Kör⸗ perſchaft, zu dieſen Symbolen und wollen hinfort auch unſere Candidaten bei der Ordination auf ſie verpflichten, daß ſie in Uebereinſtimmung mit ihnen das Wort Gottes auslegen und weder in papiſtiſche noch ſchwärmeriſche Schriftauslegung gerathen. Oder ſollte es der Ohio-Synode gleichgültig ſein, wenn z. B. in der Lehre von den heiligen Sacramenten dieſe oder jene ihrer Glieder von den einfältigen Schriftworten, wie ſie lauten, und von dem dieſen Worten gemäßen Zeugniß und Lehre der ſymboliſchen Bücher abgingen und ſich nach dem Vorgang der Calviniſten und dem Nach⸗ tritt der Herren Schmucker und Kurz aus ihrem Vernunftdünkel einen andern eingebildeten Sinn in die Einſetzungsworte hineinlegen und dieſem gemäß denn auch predigten und lehrten? Aus jener ſelbigen Verkennung des wahren Verhältniſſes der lutheriſchen Bekenntnißſchriften zum Worte Gottes kommt denn auch der Haufe grundloſer Befürchtungen, die Herr Dr. Kurtz im Folgenden aus der Verpflichtung zu den ſymbo⸗ liſchen Büchern herleitet. Er meint unter Ande⸗ rem, „daß dies die ergiebige Quelle von Intole- ranz, Streitſucht, Berdammung und Trennung unvermeidlich werde, ja Unglauben und Abfall anbahne“, nennt ſolches Verfahren „Hyperortho⸗ doxie“, die endlich entweder in herzloſe Zweifel⸗ ſucht oder in maßloſe Breitmacherei hinauslaufe, indem das Gewiſſen der Menſchen alſo geknechtet und der Geiſt freier Forſchung gehemmt werde; der römiſche Aberglaube habe in Frankreich die Gottesleugnung, die Vereidigung auf Bekennt⸗ niſſe in Deutſchland den gröbſten und ſchamloſe⸗ ſten Neuglauben (Vernunftglauben) mit zuwege gebracht“ u. ſ. w. lichen Symbolen getrieben wurde. 14 zu widerlegen wäre eigentlich die Sache eines be⸗ ſondern Pamphlets oder einer genauer eingehenden Arbeit im Lutheran Standard und ſollte ſicher⸗ lich von der Ohio-Synode geſchehen, da ſie doch der hier zunächſt angegriffene Theil iſt. Wir be⸗ ſchränken uns hier auf eine kurze Entgegnung: Herr Dr. Kurtz, und die ihm ähnlich geſinnten Unioniſten, hier und in Deutſchland, iſt in Obigem nach hergebrachter Oberflächlichkeit und Schein— macherei verfahren, um wenigſtens in der Ver⸗ dächtigung der kirchlichen Symbole ſeiner Unirerei im Geheimen Raum zu machen, nachdem die kreißenden Berge der „großen evangeliſchen Union und Weltvereinigung“ zu London vor zwei Jah⸗ ren, von deren Herrlichkeit auch Herr Kurtz das Maul ſo voll nahm, nichts Größeres, als eine — Maus geboren haben. In all jenen Anſchuldigungen nämlich, ſowohl der Symbole halber als der Verpflichtung auf ſie, iſt eine mehrfache Ungerechtigkeit enthalten, indem der Ankläger mehrere Punkte der Sache nicht er⸗ kennt oder gefliſſentlich verſchweigt. Zum Eiſten nänilich iſt mit keinem Worte der Thatſache Erwähnung gethan, daß das luthe— riſche Concordienbuch in keinem ſeiner Beſtand⸗ theile eine beſondere Geltung über und außer der heiligen Schrift haben will, und ſich allezeit und überall der letzteren unterordnet und in Anwen⸗ dung derſelben ſeinen unbedingten Schriftgehor⸗ ſam allewege nachweiſ't; im Gegentheil läßt Herr Dr. Kurtz ſeine Leſer unter dem Eindruck und Vorurtheil, als wollten die ſymboliſchen Bü— cher, ähnlich den römiſchen Traditionen, einen Standpunkt über der heiligen Schrift einneh— men, in welchem Falle allerdings die Vepflich⸗ tung auf ſie der gottloſeſte Gewiſſenszwang und die elendeſte Menſchenknechtſchaft wäre. Zum Andern iſt dieſe Wahrheit entweder über⸗ ſehen oder verſchwiegen, daß weder die Bekennt⸗ nißſchriften (in jenem von ihnen ſelber mehrfach angezeigten Verhältniß zur heiligen Schrift) noch die gehörige Verpflichtung der Diener der Kirche auf dieſelben jemals „Intoleranz, Streitſucht, Verdammung und Trennung, ja Unglauben und Abfall“ u. ſ. w. erzeugt und angebahnt haben. Solche Gräuel nämlich ſind nur dann hin und her zum Vorſchein gekommen, wo ſich die Sünde der Zeitgenoſſen oder Rachkommen an jene edlen und reinen Zeugniſſe der Väter gehängt hat und dadurch ein ſchändlicher Mißbrauch mit den kirch— Dies geſchah z. B., wo jene untergeordnete Stellung derſelben zur heiligen Schrift gewiſſermaßen aufgegeben wurde, wo man behauptete, auch ſie ſeien von Gott (wenn auch nur mittelbar) eingegeben (in— ſpirirt) und deshalb, ähnlich dem Worte Gottes, die Gewiſſen bindend und verpflichtend, woraus ſich denn natürlich eine widerwärtige Confeſſio⸗ niſterei und papiernes Pabſtthum entwickerte. Was konnten aber jene theuerwerthen Zeugniſſe für ſolche Verkehrtheit und ſolchen Mißbrauch? Und iſt es gerecht und verſtändig, verräth es auch nur eine geringe Gabe von unpartheiiſcher ge⸗ ſchichtlicher Wahrheitsliebe, wenn der Hr. Dr. K. Dieſe und ähnliche Schreckgeſichte des Weitern deshalb die ſymboliſchen Bücher ſelbſt „die Quelle von unausſprechlichem und unberechenbarem Un⸗ heile“ in der Kirche nennt? Zum Dritten iſt auch davon kein Wörtlein ge⸗ ſagt, daß theils im Gegenſatz zu ſolchem Miß⸗ brauch, theils durch von Gott verhängte Straf— gerichte für die Undankbarkeit und Verachtung! des lautern Evangeliums und des reinen Bekennt⸗ niſſes „kräftige Irrthümer“ oder gar der vernei⸗ nende Un- und Vernunftglauben, die freche Leug⸗ nung des Bibelgottes aufkam. Dieſer Nicht⸗ gebrauch alſo und jener Mißbrauch der Symbole der lutheriſchen Kirche iſt nicht die Schuld dieſer Zeugniſſe und hebt ihren rechten Gebrauch nicht auf. Dieſer nämlich iſt ſo fern von Vergötte⸗ rung als Verwerfung derſelben und beſteht darin, ſie, von dem Apoſtoliſchen Symbol an bis zur Concordienformel, nur als Zeugen für die Heilswahrheit des göttlichen Wortes, auch wider allerlei Irrthümer, anzuerkennen, und nachdem man durch Vergleichung mit der heiligen Schrift ihren völligen Schriftgehorſam kennen gelernt hat, allerdings auch ihnen gemäß dieſelbe Wahrheit zu lehren. Es hält ſich hier ähn— lich, als mit der Kirche, wenn ſie „der Pfeiler und die Grundfeſte der Wahrheit“ vom Apoſtel genannt wird; denn dieſes iſt ſie nicht inſofem, als ob ſie etwa neben und über der heiligen Schrift aus ſich ſelbſt die Wahrheit zur Seligkeit hervor⸗ brächte, oder durch ihr Zeugniß von der Schrift dieſe erſt zu dem machen wollte, was ſie iſt (wie die Papiſten wähnen) ſondern inſofern, als ſie die in der heiligen Schrift ein für allemal überlieferte Wahrheit unabläſſig bezeugt, bekennt, lehrt, aus⸗ breitet und fortpflanzt. Zum Vierten iſt auch davon nichts gemeldet, wie ſelbſt an den Kämpfen und Streitigkeiten mehr innerhalb der lutheriſchen Kirche, die z. B. nach Luthers Tod ausbrachen, die Bekenntniß⸗ ſchriften durchaus unſchuldig ſind, ſondern der Irithum oder der geiſtliche Hochmuth wechſelſeiti⸗ ger Gegner, die beide aus der heiligen Schrift und der Wahrheitsmitte dieſer Zeugniſſe nach ent⸗ gegengeſetzten Enden herauswichen. So behauptete z. B. Georg Major, Profeſſor der Theologie zu Wittenberg, gute Werke ſeien nöthig zur Seligkeit, und es ſei unmöglich, daß Jemand ohne gute Werke ſelig werde. Dieſem Satze widerſprach Nik. Amsdorf, indem er be⸗ hauptete, gute Werke ſeien ſchädlich und verderb⸗ lich zur Seligkeit. Ferner ſtellte Victorinus; Striegel den Satz auf, die Erbſünde ſei ein leich⸗ ter Zufall (aceidens) gleich einem mit Knoblauch beſtrichenen Magneten, wodurch nicht das ganze Weſen der menſchlichen Natur verderbt, ſondern nur obenhin geſchwächt ſei. Im Widerſpruch da— gegen gerieth Matthias Flacius in den entgegen⸗ geſetzten Irrthum, indem er die Behauptung auf- ſtellte, die Erbſünde ſei das Weſen der menſch- lichen Natur ſelber. Desgleichen waren über das Verhalten des Menſchen bei der Bekehrung durch die Gnade des Heiligen Geiſtes ſich widerſpre⸗ chende Irrthümer zum Vorſchein gekommen. Die Einen nämlich ſagten, der Menſch könne hiebei mitwirken, ſich mindeſtens zum Empfangen der bekehrenden Gnade bereiten und anſchicken, dit