# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1859_S215 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Bibelpredigten. 215 weit kürzer sein, als die Anwendung, wie dieß überhaupt bei den meisten geschichtlichen Texten der Fall ist. Bei Lehrtexten hingegen, z. B. Hebr. 9, 11—15., muß die Erklärung oft ausführlicher sein als die Anwendung oder noch besser ist die Letztere mit der Erstern, wo nur immer möglich, zu ver⸗ binden; so ist hier bei V. 11. u. 12. hinzuweisen auf die Größe unserer Sünde, aber auch auf die Größe der Liebe des Vaters und des Sohnes. Bei der Erklärung bediene man sich je nach der Schwierigkeit des Textes einer der Weisen, die wir bei Dr. Luther finden und gebe bald ein Summarium des Hauptinhalts, bald eine Umschreibung (als wollte er sagen), bald eine Glosse (das ist) oder die Randglosse Dr. Luther's, bald eine Hin⸗ weisung auf eine erklärende Wort⸗ oder Sachparallele, bald eine genauere Auseinandersetzung. Nur hüte man sich, die Uebersetzung Dr. Luther's zu tadeln, denn ich muß mit Harms sagen: „Man nimmt dem Volke viel, wenn man ihm den Glauben an die Richtigkeit der Uebersetzung nimmt und es sprechen lehrt: Ist das nicht richtig und das nicht richtig und das nicht, so ist wohl Alles falsch." Bei der Anwendung halte man sich in der Regel an die beiden Hauptfragen, wie der Text zu Lehre und Trost diene; denn wie bei Lehrtexten die Erklärung oft allzu weitläufig wird, so geschieht dieß bei historischen leicht mit der Anwendung. Liest man alle die herrlichen Dinge, die Dr. Luther z. B. über die Genesis und das Evangelium Johannis gepredigt und wie er da aus einer Blume oft eine ganze Wiese gemacht hat, so möchte man das alles auch gern predigen und es gehört daher eine nicht geringe Selbstüber⸗ windung dazu, sich nur mit dem Nöthigsten zu begnügen und sich kurz zu fassen. Bisweilen mache man lernbegierige Zuhörer auf solche einzelne Schätze aufmerksam und ermuntere sie zum eigenen Nachlesen. Dieß kann man z. B. bei 2 Mos. Cap. 12. mit der geistlichen Deutung des Osterlammes thun, die Dr. Luther durch 26 Punkte hindurchführt. Im Bezug auf solche geistliche Deutungen würde ich rathen, sie nur da hinzuzufügen, wo uns das Neue Testament darauf hinweist, z. B. bei dem Osterlamm, bei Sara und Hagar, Melchisedek ꝛc. Uebrigens erlaubt schon die Kürze der Zeit nicht, sich viel mit geistlichen Deutungen aufzuhalten, die jedoch nur zum Schmuck dienen. Am Schlusse der Predigt fasse man auf ähnliche Weise wie zu Anfang das Ganze in eine kurze Summa zusammen und thue eine kurze Erwähnung zu treuem Gebrauch, so wie eine Anwünschung göttlicher Gnade hinzu. Für diejenigen Prediger, welche ihren Zuhörern in möglichst kurzer Zeit eine Uebersicht der ganzen Bibel geben wollen, füge ich einen Plan mit In⸗ halts⸗ und Textangabe für jede Predigt bei, zu dessen Ausführung schon das erste Capitel der Tischreden, so wie die Vorreden Dr. Luther's hin⸗ reichende Materialien liefern. 1) Von der Bibel und deren Gebrauch überhaupt; 2 Tim. 3, 16. 17. — 2) Von dem Alten und Neuen Testament und deren gegenseitigem Verhält⸗ niß; Hebr. 1, 1. 2. 3) Von den fünf Büchern Mosis; Joh. 5, 46. 47. —